Antifouling

Derzeit auf dem Markt legal erhältliche biozidhaltige Unterwasserschutzanstriche sind aufgrund der Übergangsregelung der Biozid-Verordnung grundsätzlich erlaubt.

Legale Produkte erkennt man an der Registrierungsnummer (Beispiel: N-0000X) oder der Zulassungsnummer (Beispiel: DE-2012-A-15-0000X) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), da diese Produkte bei der BAuA angemeldet und registriert werden müssen.3
So lange eine Entscheidung über eine Genehmigung noch aussteht, können Antifoulings mit alten Wirkstoffen in Deutschland noch ohne Zulassung verwendet werden. Um sicherzugehen, dass ein Antifoulingprodukt weiterhin im Rahmen der Übergangsregelung in Deutschland verwendet werden darf, kann man auf der von der BAuA eingerichteten Webseite www.reach-clp-biozid-helpdesk.de die Liste der genehmigten und der nicht genehmigten Wirkstoffe zu Rate ziehen. Hier kann man ermitteln, ob ein Antifoulingprodukt mit einem notifizierten Biozidwirkstoff nicht mehr verkehrsfähig ist beziehungsweise die Übergangsregelungen nicht mehr in Anspruch nehmen kann.2

TBT ist seit 1999, Diuron seit 2008 verboten und darf sich auf keinem Boot mehr befinden. Irgarol® (Cybutryn) ist seit Anfang 2017 verboten, Restbestände dürfen nicht mehr aufgebraucht werden. Boote, auf denen sich dieser Wirkstoff in der Beschichtung befindet oder der Bootseigner die vorhandenen Beschichtungen nicht kennt, dürfen nicht mehr mit einem Hochdruckreiniger behandelt werden. In diesen Fällen sollten möglichst zeitnah alle Antifoulingbeschichtungen sachgerecht entfernt und durch einen zugelassenen Unterwasseranstrich ersetzt werden.1

Nach Ablauf der Übergangsregelungen wird es Veränderungen auf dem Markt geben.

Biozidhaltige Antifoulings verhindern nicht nur bestimmungsgemäß den Bewuchs an (Sport-)booten, sie schädigen auch viele weitere lebende Organismen. Sie sind daher keine Beschichtungen im herkömmlichen Sinne, sondern unterliegen als Produktart 21 im Rahmen der Biozid-Verordnung einem amtlichen Zulassungsverfahren. Erst wenn die Wirkstoffe auf EU-Ebene genehmigt wurden, können Hersteller für die Antifouling-Beschichtungen in Deutschland oder einem anderen EU-Mitgliedstaat eine Zulassung für höchstens 10 Jahre beantragen. In Deutschland ist für dieses Verfahren die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zuständig.3

Für nachfolgende Wirkstoffe liegen bisher Genehmigungen vor:

(Quelle: www.reach-clp-biozid-helpdesk.de)

Bei einer positiven Entscheidung wird auch eine Durchführungsverordnung für diesen Wirkstoff veröffentlicht. In dieser wird unter anderem festgelegt, welche Reinheit der Wirkstoff aufweisen muss und welche Beschränkungen es gegebenenfalls für seine Verwendung gibt (siehe z.B. für den Wirkstoff Dichlofluanid: http://www.biozide.at/fileadmin/inhalte/biozide/2017_pdfs/DVO_2017_796_Dichlofluanid_PA21_de.pdf).

Nach der Wirkstoffgenehmigung müssen innerhalb von zwei Jahren Anträge auf Produktzulassungen bei der BAuA gestellt werden. Bis zu welchem Stichtag ein Zulassungsantrag eingereicht werden muss, damit ein Produkt verkehrsfähig bleibt, ergibt sich ebenfalls aus der Durchführungsverordnung zu dem jeweiligen Wirkstoff. Kann für einen Wirkstoff keine sichere Verwendung nachgewiesen werden oder zieht ein Antragsteller seinen Antrag zurück, kommt es zur Nichtgenehmigung des Wirkstoffs. Nach einer Abverkaufsfrist sind Antifoulingprodukte mit diesen Wirkstoffen nicht weiter verkehrsfähig.2

In Zukunft dürfen also nur noch Antifoulingprodukte benutzt werden, die für den Sportbootbereich in Deutschland zugelassen wurden und registrierte Wirkstoffe enthalten (www. biozid-meldeverordnung.de/offen/). Restbestände mit nicht mehr zugelassenen Wirkstoffen dürfen nicht mehr aufgebraucht werden und müssen als Sondermüll entsorgt werden. In den verschiedenen EU-Ländern wird es unterschiedliche Zulassungen von Produkten geben. Im Falle eines Liegeplatzes im Ausland sind nur die dort zugelassenen Antifoulingprodukte zulässig.1

Aber nicht erst die EU-Biozidverordnung hat zu einem Umdenken geführt, es gibt bereits erprobte Alternativen bei der Bekämpfung des Bewuchses im Sportbootsektor. In Binnengewässern, in denen der Biozid-Einsatz verboten ist, haben sich biozidfreie Verfahren für den Bewuchsschutz seit langem bewährt. Silikon- und Teflonbeschichtungen, biozidfreie erodierende/selbstpolierende Systeme oder spezielle mechanische Reinigungsverfahren werden bereits auf dem Markt angeboten. Auch anorganische Zinkverbindungen stellen sinnvolle Alternativen dar.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche wissenschaftliche Forschungsprojekte, von denen einige erfolgversprechend erscheinen:

– Elektrochemisches Verfahren (Fraunhofer Gesellschaft, IMWS)
– Antihaftoberflächen mit speziellen Oberflächenstrukturen (Th.Schimmel,Salvinia-Effekt)
– Anstriche mit Nanostrukturen
– Katalytische Wirkung z.B. von Cerdioxid (Tremel, Uni Mainz)
– Selbstklebefolie mit Silikonbeschichtung (Renolit)

Das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz hat die Broschüre „Wasser schützen-umweltfreundlicher Bewuchsschutz für Sportboote“ heraus gebracht. Sie informiert ausführlich über Gefahren, den Umgang sowie Alternativen hinsichtlich Antifoulinganstriche und steht unter den Link https://www.umwelt.niedersachsen.de/schiffsanstriche/wasser-schuetzen—umweltfreundlicher-bewuchsschutz-fuer-sportboote-158208.html kostenlos zum download bereit.

Grundsätzlich sollte jeder Bootseigner zum Schutz der Natur prüfen, ob und wenn ja, in welchem Umfang ein biozidhaltiger Antifoulinganstrich von Nöten ist oder ob eine umweltfreundlichere Variante für sein Schiff nicht vielleicht ausreichend ist.  Wichtig ist, dass jeder Bootseigner abhängig von der Saisondauer, dem Aktivitätsgrad, der durchschnittlichen Fahrtgeschwindigkeit, der Revierart und der Rumpfform eine individuelle Beschichtung wählt. Eine Universallösung hierfür gibt es nicht. Biozidhaltige Anstriche enthalten neben Lösungsmitteln gefährliche Chemiekalien, die bei nichtbestimmungsgemäßer Anwendung eine Gesundheitsgefährdung für Mensch, Fauna und Flora darstellen. Jeder Verzicht auf eine Verwendung ist aktiver Umweltschutz.

Hamburg, Februar 2018

1(Quelle: www.umwelt.niedersachsen.de)
2(Quelle: www.reach-clp-biozid-helpdesk.de)
3 (Quelle: www.pan-germany.org)