Adaptive Umbauten an Vereinsbooten

Sie möchten in Ihrem Verein inklusives Segeln anbieten? Dafür müssen Sie nicht gleich im ersten Schritt spezielle Boote kaufen. Sie können auch vereinseigene Trainingsboote relativ kostengünstig und einfach umbauen beziehungsweise anpassen. Viele Adaptionen sind vorübergehend, sie können also auch zurückgebaut werden.

Grundsätzlich eignen sich für adaptive Umbauten möglichst offene Kielboote, Kieljollen sowie stabile Katamarane oder Trimarane (z.B. Weta). Die Grundvoraussetzung lautet dabei immer: Die Boote dürfen nicht oder nur schwer kentern.

Adaptionen können Einschränkungen von Menschen in den Funktionsbereichen Mobilität, Stabilität, Handfunktion, Sehfähigkeit ausgleichen. Wir geben Ihnen hier einen ersten Überblick über eher unkomplizierte Anpassungsmöglichkeiten und orientieren uns dabei an Beispielen von Behinderungen – ohne dass wir hier alle Einschränkungen erwähnen können.

Es müssen nicht alle möglichen Adaptionen vorhanden sein. Schauen Sie, welche Sportlerinnen und Sportler mit Behinderungen bei Ihnen segeln möchten. Besprechen Sie gemeinsam, welche Umbauten und Anpassungen Sie im individuellen Fall unterstützen können. Was wird konkret benötigt? Beinahe alles ist möglich.

I. Verschiedene Umbaumaßnahmen bei Einschränkungen in der MOBILITÄT

Grundsätzlich benötigen Seglerinnen und Segler mit Einschränkung der Mobilität Adaptionen, die ihnen helfen, bei Manövern oder für das Trimmen die Sitzposition zu wechseln.

Umbautipp 1

Ein Metallbügel, der die Cockpitbreite überspannt, hilft, die Position zu wechseln.

Hilfreich zum Beispiel für Segelnde, die eine Einzelbeinamputation (mit oder ohne Prothese), Doppelbeinamputation (ohne Prothesen) oder Probleme mit der Balance beim Stehen haben.

Metallbügel im Cockpit. Foto: United States Sailing Association
Metallbügel auf dem Kajütaufbau. Foto: United States Sailing Association

Umbautipp 2

Eine Transferbank, die beide Cockpitseiten verbindet – oft in Kombination mit Haltegriffen z.B. auf dem Kajütaufbau zur größeren Sicherheit. Soll die Bank nur temporär eingebaut sein, können Klettband und Gurte zur Fixierung genutzt werden.

Hilfreich für querschnittsgelähmte Segelnde mit Kraft im Oberkörper oder doppelbeinamputierte Seglerinnen und Segler ohne Prothese.

Transferbank. Foto: United States Sailing Association
Transferbank. Foto: United States Sailing Association

Umbautipp 3

Ein Einbau von Sitzen. Für offene Kielboote sind eher feste Sitzschalen geeignet. Es bieten sich Sitze aus dem Kart-Sport an – sie sind aus leichtem festem Material und in vielen Ausführungen und Größen erhältlich.

Hilfreich für alle Seglerinnen und Segler, bei denen neben der Mobilität auch die Stabilität beeinträchtigt ist und aufrechtes Sitzen schwerfällt. Das betrifft Segelnde mit einer höheren Querschnittslähmung (Tetraplegie), mit neurologischen Erkrankungen oder Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates, die sowohl stark die Mobilität als auch Stabilität einschränken oder auch mit Doppelbeinamputationen ohne Prothesen mit sehr kurzen/nicht vorhandenen Stümpfen.

Grundsätzlich sind drei Sitzkonstruktionen möglich: mittschiffs in Fahrtrichtung, Sitz auf Schienen, Schwenksitz.

Sitz mittschiffs in Fahrtrichtung. Foto: United States Sailing Association

II. Einschränkungen in der STABILITÄT

Ein Stabilitätsverlust tritt auf bei nicht voll funktionsfähiger Rumpf- und Hüftmuskulatur und/oder, wenn die Beine nicht zum Abstützen und Halten eingesetzt werden können.

Umbautipp 4

Handgriffe, Relings und Bügel zum Festhalten und bei starker Einschränkung der Stabilität eventuell zusätzlich eingebaute Sitze (siehe oben) erleichtern das Festhalten und geben Stabilität in vielen Situationen.

Hilfreich für Segelnde mit leichter und starker Einschränkung der Stabilität.

III. Einschränkungen der HANDFUNKTION

Segelnde mit Einschränkungen in diesem Bereich benötigen Adaptionen, die die Bedienung des laufenden Gutes und die Steuerung unterstützen.

Hilfreich für Segelnde mit leichter Einschränkung der Handfunktion.

Umbautipp 5

Die Bedienung des laufenden Guts wird vereinfacht durch Kugeln, dicke Knoten oder Schlaufen an den Enden von Streckern – sie erleichtern das Ziehen. Zudem sollten soweit möglich Übersetzungen von Taljen den Einschränkungen der Segelnden in der Hand- und/oder Armfunktion angepasst werden.

Adaptionen bei der Steuerung richten sich nach der Einschränkung und/oder nach einem eingebauten Sitz.

Umbautipp 6

Eine Anpassung der Form und Oberflächenbeschaffenheit von Pinne oder Pinnen-Ausleger erleichtert das Greifen. Oft reicht es, an Pinne oder Ausleger einen Bügel oder Ring zu montieren.

Anpassung der Form einer Pinne. Foto: United States Sailing Association

Reicht diese Anpassung nicht aus, kann eine alternative Steuerung wie eine Rad- oder Hebelsteuerung helfen. Eine Radsteuerung kann bei einem Sitz am Schwenkarm integriert werden. Über Steuerseile steuern die Segelnden den Ruderquadranten an.

Radsteuerung. Foto: United States Sailing Association

Eine Hebelsteuerung eignet sich bei Sitzen, die mittschiffs montiert sind. Über Schubstangen, Bowdenzüge oder Steuerseile können Hebel mit der Ruderanlage verbunden werden.

Umbautipp 7

Eine Fußpedalsteuerung an, die sich bei Booten mit fester Sitzposition eignet. Die Pedale sind über Steuerseile mit einem Ruderquadranten verbunden.

Hilfreich für Segelnde mit starker Einschränkung der Hand- und/oder Armfunktion bzw. fehlender Funktionsfähigkeit.

Eine Vielzahl elektronischer Systeme, die z. B. in der Steuerung von Kraftfahrtzeugen, Rollstühlen oder Haushaltsgeräten genutzt werden, sind im Fachhandel erhältlich. Die einfachste und zuverlässigste elektronische Steuerung ist ein 4-Wege-Joystick – Bedienung über Hand, Fuß oder Mund. Zudem gibt es Luft- und/oder Beißsteuerungssysteme. Durch Saugen/Blasen an einem Schlauch und Beißen in ein Pad werden Ruderanlage oder Winschen angesteuert.

IV. Einschränkungen bei der SEHFÄHIGKEIT

Sehbehinderte Seglerinnen und Segler ertasten das Deck, die Beschläge, Strecker und Schoten – so machen sie sich ein virtuelles Bild und können sich sicher an Bord bewegen. Um die Orientierung zu unterstützen, sind einige Anpassungen sinnvoll.

Umbautipp 8

Tauwerke wie Schoten und Strecker können auseinandergehalten durch unterschiedlich gewählte Ummantelungen oder eine unterschiedliche Anzahl von Knoten oder Ummantelungen aus Tape-Streifen am Ende.

Klemmen unterscheiden durch Tapestreifen mit unterschiedlicher Oberfläche oder Aufkleber mit Blindenschrift. Diese können Sie mit Hilfe von Braille-Label-Druckern drucken oder im Internet bestellen.

Auch ein Audiokompass kann sinnvoll sein.

Dieser Artikel basiert auf folgenden Quellen:

  • Adaptive Sailing Resource Manual (2.Aufl.), United States Sailing Association (2018).
  • Adaptives Segeln. Inklusion im und mit dem Segelsport, Kröger Heiko, 2014.

Fotoquelle:

  • Adaptive Sailing Resource Manual (2.Aufl.), United States Sailing Association (2018).