Wassersportverein Friedrichshafen-Fischbach: „Es geht nicht nur darum, das perfekte Segeln zu vermitteln“

Im Wassersportverein Friedrichshafen-Fischbach wird auf Mini 12ern inklusiv gesegelt. Foto: privat
Im Wassersportverein Friedrichshafen-Fischbach wird auf Mini 12ern inklusiv gesegelt. Foto: privat

Den Wassersportverein Friedrichshafen-Fischbach liegt am Bodensee, er existiert seit 1950 und hat heute 460 Mitglieder. Sein Hafen mit 100 Liegeplätzen liegt idyllisch an einer ruhigen Bucht am nördlichen des Sees. Bereits seit 2009 bietet der Verein in Kooperation mit einer Schule für Kinder und Jugendliche mit geistigen Einschränkungen regelmäßig inklusives Segeln an. 2022 kam mit Unterstützung des Württembergischen Yachtclubs ein zweites Projekt für Schülerinnen und Schülern mit körperlicher Behinderung hinzu.

Inklusives Segeln beim Wassersportverein Friedrichshafen-Fischbach: Wie alles begann

Mit einem Info-Stand bei einem Neujahrsempfang in Friedrichshafen-Fischbach. Dort stellte der Wassersportverein seine Jugendarbeit vor und Horst Böck, damals Präsident des WV FN-Fischbach, erinnert sich noch heute: „Der Direktor der im Ort beheimateten Tannenhag-Schule fragte ganz direkt und ohne Umschweife: Könnt ihr etwas mit unseren Kindern machen?“ Der Verein konnte und wollte. Seitdem veranstalten die Fischbacher einmal im Jahr eine Segelwoche für Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren mit geistigen Einschränkungen – fünf Tage in Folge, jeweils zwei bis drei Stunden vormittags und nachmittags.

Die Herausforderungen

Auslaufen zum Segeltraining. Foto: privat
Auslaufen zum Segeltraining. Foto: privat

„Wir hatten keine passenden Boote und keine Erfahrung im Umgang mit kognitiv beeinträchtigten Seglerinnen und Seglern“, berichtet Horst Böck, inzwischen Ehrenvorsitzender und weiterhin aktiv in der Gestaltung des inklusiven Segelns beim Wassersportverein Friedrichshafen-Fischbach. Die Kommunikation mit den Segelnden und ihre in Abhängigkeit von der Beeinträchtigung ganz unterschiedlichen Reaktionen auf Wind, Wellen und die Bootsbewegungen erforderten ein besonderes Einfühlungsvermögen. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Lehrern der Schule sammelten „unsere Helferinnen und Helfer aber schnell Erfahrung, und Berührungsängste auf beiden Seiten wurden abgebaut“.

Und die Boote? Die sogenannten Mini 12er, der Vorläufer des 2.4mR, liefert und stellt auch heute noch die „Foundation for Integrated Disabled Sailing“ FIDS zur Verfügung. Die Gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Esslingen engagiert sich für die Integration und Förderung von behinderten Menschen durch den gezielten Einsatz des Segelsports (www.fids-stiftung.org).

Die Situation heute

Zwei der FIDS-Mini 12er sind inzwischen fest beim Wassersportverein stationiert, sodass künftig auch außerhalb der Segelwoche regelmäßig Wasserarbeit angeboten werden kann. In der kommenden Saison 2023 wird angestrebt, einzelne Seglerinnen und Segler in die regulären Jugendgruppen zu integrieren. Außerdem ist ein zweites Projekt für die körperlich beeinträchtigten Schülerinnen und Schülern der „Schule am See“ angelaufen. Das erfordert den Einsatz von weiteren Ehrenamtlichen, die beim Auf- und Abriggen, beim Ein- und Ausstieg in und aus den Booten und beim Coaching auf dem Wasser unterstützen. „Und das können wir trotz aller Motivationsversuche alleine nicht mehr leisten“, erklärt der Ehrenvorsitzende. Unter anderem deshalb gibt es jetzt eine intensive Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Yachtclub.

Intensive Erfahrung

Segeln für Alle: Im Wassersportverein Friedrichshafen-Fischbach ist das möglich. Foto: privat
Segeln für Alle: Im Wassersportverein Friedrichshafen-Fischbach ist das möglich. Foto: privat

„Wir haben hier alle erfahren dürfen, dass es auf dem Wasser nicht nur darum geht, das perfekte Segeln zu lernen“, sagt Horst Böck. Im Vordergrund steht oft das individuelle Erleben der Segelnden. Einigen bereitet es Freude und ein Erfolgserlebnis, die ausgelegten Bojen zu treffen anstatt sie zu umrunden, andere genießen es, einfach nur die Hand durchs Wasser schleppen zu lassen, wenn das Boot Fahrt aufnimmt. Andere erkennen ihre Selbstwirksamkeit, lernen viel über Eigenverantwortung oder bemerken plötzlich, dass sie Ehrgeiz haben und als Erste im Ziel sein wollen.

Ein Tipp für andere Vereine

„Schließt euch mit benachbarten Vereinen zusammen, nicht jeder muss ein eigenes Angebot zum inklusiven Segeln aufbauen“, rät Horst Böck. Und wenn die ersten Projekte laufen, dann heißt es: präsentieren, zeigen, vorstellen, „was ihr macht – dann finden sich auch finanzielle Unterstützer in der Stadt, im Kreis oder in den Verbänden“.

Ansprechpartner inklusives Segeln im WSV Friedrichshafen-Fischbach: Horst Böck, E-Mail: horst.boeck(at)gmx.de, www.wvfischbach.de