Medienleute sind keine Schönwetter-Segler!

Dauerregen. Herbstliche Temperaturen. Schwierige Winde. Das Wetter präsentierte sich zur Premiere des Segel Media Cups nicht gerade von seiner besten Seite. Das hatten sich die Regatta-Einsteiger aus der Medienbranche sicher anders gewünscht. Aber den widrigen Bedingungen zum Trotz: mit jeder Wettfahrt stieg nicht nur die Lernkurve, sondern auch die Stimmung der segelnden Medienvertreter. Und als sich die Sonne am letzten Tag doch noch zeigte, wirkte sie eher blass neben den strahlenden Gesichtern und leuchtenden Augen aller Beteiligten.

Auch widrige Wetter- und Windbedingungen auf der Alster schmälerten den Segelspaß nicht. Bild: Sven Jürgensen

„Es ist richtig toll zu sehen, dass sich die Segler nicht durch das Wetter entmutigen lassen und von Wettfahrt zu Wettfahrt sicherer werden“, sagte Mona Küppers, Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes (DSV), der die Schirmherrschaft für den Segel Media Cup übernommen hat. Mona Küppers selbst war an allen drei Tagen dabei und ließ es sich trotz Dauerregens nicht nehmen, die spannenden Rennen vom Wasser aus zu verfolgen. Es sei „unglaublich faires Segeln“ gewesen, fügte sie hinzu und freute sich, bei der „genialen Veranstaltung“ dabei gewesen zu sein.

Von Freitag, den 11. August, bis Sonntag, den 13. August, segelten elf Teams aus der deutschen Medienlandschaft um den Titel der German Open. Sechs perfekt präparierte J/70-Kielboote vom gastgebenden Norddeutschen Regatta-Verein, dem Verein Seglerhaus am Wannsee und dem Blankeneser Segel-Club lagen am Steg bereit. „Die Segler müssen zu dem Event nicht mehr mitbringen als einen Rucksack“, hatte Organisator Sven Jürgensen als Veranstaltungs-Motto ausgegeben. Gesegelt wurde im Modus der Segel-Bundesliga: Kompakte Rennen in kleinen Fleets, nach jeder zweiten Wettfahrt Bootswechsel.

Mehr als 15 Rennen kamen so für jedes Team zusammen – eine Frequenz, die sich in einer beachtlichen Lernkurve niederschlug. „Am Ende haben wir sogar enge Starts gesehen“, sagte Regattaleiter Klaus Lahme vom NRV mit einem Augenzwinkern, und auch die beiden ehrenamtlichen Schiedsrichter Hans-Jörg Horsch und Mitja Meyer hatten alle Hände voll zu tun, als die Tonnen-Rundungen immer enger wurden.

Das Duell DSV (vorne) versus Yacht forderte beide Teams. Bild: Sven Jürgensen
Das Duell DSV (vorne) versus Yacht forderte beide Teams. Bild: Sven Jürgensen

Ein packendes Duell lieferte sich das Team der YACHT um den erfahrenen Melges 24-Segler Michael Good mit dem Team des Schirmherren DSV. Das DSV-Team mit Nadine Stegenwalner, Torsten Haverland, Ulf Denecke und Anna Busche konnte unter anderem auf die Erfahrung von zwei Olympiakampagnen zurückgreifen. „Schnell stellte sich heraus, dass die Yacht es uns nicht einfach machen würde“, sagte DSV-Team-Manager Ulf Denecke. „Aber auch das Team Panthalassa hat uns besonders auf dem Vorwindgang mit gutem Speed überrascht und ist uns einige Male entwischt.“ Am Finaltag spitzte sich das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Yacht und DSV zu; Michael Good und seiner Crew gelang es zunächst, das DSV-Boot durch eine clevere Aktion am Start abzustellen, doch Nadine Stegenwalner und ihr Team fanden zurück ins Rennen und konnten es für sich entscheiden – Gleichstand. In der folgenden Wettfahrt schließlich setzte die Yacht alles auf eine Karte, unterwendete das DSV-Team im Drei-Längen-Kreis an der Luvtonne – und kassierte einen Penalty, der die Segel-Journalisten den Sieg kostete.

Strahlten nach dem Sieg (vlnr): Ulf Denecke, Anna, Busche, Torsten Haverland und Nadine Stegenwalner vom DSV. Bild: Sven Jürgensen
Strahlten nach dem Sieg (v.l.n.r.): Ulf Denecke, Anna, Busche, Torsten Haverland und Nadine Stegenwalner vom DSV. Bild: Sven Jürgensen

„Mit diesem Ergebnis haben wir nicht gerechnet“, sagte Nadine Stegenwalner glücklich; „die YACHT hätte die Regatta definitiv auch für sich entscheiden können.“ Und Ulf Denecke sagte stellvertretend für seine Crew. „Wir sind im kommenden Jahr wieder dabei!“ Auch die Yacht wird sich die Chance auf eine Revanche nicht nehmen lassen.

Das Überraschungsteam des Events war die TAZ. Mit taktisch klugem Segeln bei schwierigen, drehendenden Windbedingungen schoben sich Steuermann Sven Hansen und seine gemischte Crew am letzten Wettkampftag noch auf Platz drei, einen halben Punkt vor das deutsch-italienisch-französische Team Panthalassa. Das inoffizielle „Nordderby“ der Hamburger Magazine gewann der Spiegel mit Steuermann Klaus Brinkbäumer gegen das Team Stern um Walther Wüllenweber.

Das Duell DSV (vorne) versus Yacht forderte beide Teams. Bild: Sven Jürgensen
Am Ende schien sogar die Sonne. Mittig zu sehen das Gemälde für die Sieger von der Hamburger Künstlerin Heinke Böhnert. Bild: Sven Jürgensen

Die Logistik für den Segel Media Cup war gewaltig: Es mussten sechs Boote vorgehalten, schnelle Reparaturen vorgenommen, die Segler zu den Booten geshuttelt sowie Start, Ziel und Bahnmarken überwacht werden – eine Aufgabe, die weitgehend von ehrenamtlichen Helfern geschultert wurde. Trotz zwei Tagen Dauerregens und häufiger Bahnänderungen wegen drehender Winde hatten die Helfer auf dem Wasser und den Stegen immer ein freundliches Wort und ein Lächeln auf den Lippen – dafür noch einmal ein herzliches Dankeschön.

Nicht nur die Aktiven, sondern auch die Organisatoren des ersten Segel Media Cups waren sich einig: Dieses Event muss fortgesetzt werden! Ein Termin für 2018 steht bereits fest: Der zweite Segel Media Cup wird am Wochenende vom 29.06. bis 01.07 2018 ausgetragen. Die Anzahl der Startplätze 2018 ist auf 20 Teams begrenzt. Alle Teilnehmer von 2017 haben einen garantierten Startplatz, ab November werden weitere Teammeldungen angenommen.

Segel Media Cup German Open:

  1. DSV (N. Stegenwalner/ A. Busche/ U. Denecke/ T. Haverland) 31 Pkt.
  2. YACHT (M. Good/ A. Fritsch/ C. Siedle/ F. Wagner) 35 Pkt.
  3. TAZ (S. Hansen/ A. Lorenz/ D. Leupelt/ J. Lietsch) 48,5 Pkt.
  4. Panthalassa (Filmproduktion) (N. Reisenauer/ S. Penzo/ R. Burmester/ G. Schmelzer/ E. Routa) 49 Pkt.
  5. Der Spiegel (K. Brinkbäumer/ R. Wurst/ T. Feldstein/ J. v. Mittelstädt) 51 Pkt.
  6. Stern (W. Wüllenweber/ H. Bömelburg/ J. Breng/ C. Krug) 51,5 Pkt.
  7. Tagesspiegel (K. Müller/ S. Gennies/ G. Nowakowski/ C. Hönicke) 64 Pkt.
  8. BiTS (Journalistenschule) (M. Ziegler/ A. Ayoub/ J. Kallauch/ L. Hoops) 69 Pkt.
  9. Kielbomben (C. Bauer (Tagesschau)/ B. Lindlahr (Beef)/ L. Nagel (frei)/ A. Bruhns (Spiegel) 75 Pkt.
  10. NDR (H.-J. Bachert/ A. Albrecht/ S. Grohmann/ M. Wilhelmi/ A. Kühl) 78 Pkt.
  11. Der Hamburger (C. Drake/ P. Jägersberg/ S. Rickert/ D. Pohle) 96 Pkt.