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Sailing World Cup Enoshima: Zwei Medaillen für deutsche Segler im Olympia-Revier

Mit zwei Bronze-Medaillen und insgesamt vier Top-Ten-Ergebnissen hat die Segelnationalmannschaft den zweiten Olympia-Test im Monat August erfolgreich absolviert.

Fischer Graf World Cup Enoshima
Tim Fischer und Fabi Graf freuten sich mit ihrer Trainingsgruppe über World Cup-Platz 3 im 49er. Foto: Jesus Renedo / Sailing Energy / World Sailing

Beim Auftakt der Weltcup-Saison 2019/2020 im japanischen Olympia-Revier von Enoshima standen die 49er-Segler Tim Fischer und Fabian Graf (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) sowie die 470er-Crew Frederike Loewe und Anna Markfort (Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) mit Bronze auf dem Siegerpodest.

Als Sechste und als Achte machten die 470er-Segler Simon Diesch und Philipp Autenrieth (Württembergischer Yacht-Club/Bayerischer Yacht-Club) sowie die Nacra 17-Crew Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club) das starke deutsche Gesamtergebnis perfekt. „Ich bin zufrieden“, sagte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner in Japan, „zwei Medaillen und auch gute Ergebnisse bei den 470er-Männern und im Nacra 17 bedeuten ein Jahr vor den Olympischen Spielen 2020 einen guten Abschluss unseres Japan-Einsatzes.“

“Lottospiel, ob man den Downwind überlebt”

Beinahe hätten Tim Fischer und Fabian Graf, die schon bei der Weltmeisterschaft 2018 mit Bronze in die Weltspitze vorgedrungen waren, die Weltcup-Regatta sogar gewonnen. Die am Bundesstützpunkt in Kiel in Regie von Max Groy trainierenden jungen Skiffsegler waren in Japan als souveräne Spitzenreiter ins Finale gestartet, kenterten dann aber in einer starken Böe. Über die Medaille jubelten sie trotzdem. Der 24-jährige Steuermann Tim Fischer sagte: „Die Kenterung ist beim Gennakersetzen passiert. Die Böen gingen weit über die 20 Knoten und mit der Welle war es ein Lottospiel, ob man den Downwind überlebt oder nicht. Trotzdem haben es andere Teams besser hinbekommen als wir. Heißt also: noch mehr Training. Wir haben aber gezeigt, dass wir Medaillenkandidaten sind, wenn wir zu den Spielen geschickt werden. Die Bedingungen liegen uns sehr gut.“

“Einfach nur das Medal Race gewinnen”

Loewe Markfort World Cup Enoshima
Frederike Loewe und Anna Markfort bewiesen im Medal Race starke Nerven und schnappten sich den Bronzerang. Foto: Pedro Martinez / Sailing Energy / World Sailing
01 September, 2019.

Ähnlich sehen es die Berlinerinnen Frederike Loewe und Anna Markfort. Die 470er-Akteurinnen, die von Bundestrainer Marek Chocian trainiert werden, waren als Sechste mit nur noch hauchdünner Medaillenchance ins Finale gestartet und machten daraus tatsächlich noch eine Bronzemedaille. „Wir sind superglücklich, dass wir hier am Ende noch eine Medaille einsacken konnten“, berichtete Steuerfrau Frederike Loewe im Olympiahafen, „am Morgen haben wir uns noch fast lachend gesagt, dass wir dafür ja ‚einfach‘ nur das Medaillenrennen gewinnen müssen. Gesagt, getan! Uns hat das Ergebnis gezeigt, dass wir auch bei wenig Wind segeln können.“

Auch Simon Diesch und Philipp Autenrieth segelten mit Platz sechs im Weltklassefeld der 470er-Segler in Medaillennähe. Für die süddeutschen Schützlinge von Trainer Tytus Konarzewski bedeutete die gute wie konstante Leistung in der Sagami Bucht einen wichtigen Motivationsschub. Vorschoter Philipp Autenrieth sagte: „Es ist gut zu sehen, dass wir auch nach drei hochkarätigen Wettkämpfen und sechs Wochen Belastung noch performen können. Und das auf sehr gutem Niveau – eine wichtige Erkenntnis für unsere Qualifikation im Frühjahr. Außerdem zeigt es, dass wir uns hier im Revier immer besser zurechtgefunden haben. Es war eine lange und intensive Zeit in Japan. Wir haben unheimlich viel gelernt und erlebt. Das muss jetzt erstmal verarbeitet werden und dann geht’s ab ins Wintertraining.“ Für die deutschen 470er-Männer geht es im Frühjahr vor allem darum, den noch nicht gesicherten Nationenstartplatz für Olympia 2020 zu sichern.

Im Nacra 17 agierten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer gewohnt sicher in den Top Ten. Die Kieler Mixed-Katamaran-Crew hat sich zwar durch eine Kenterung um ein noch deutlich besseres Resultat als den achten Platz gebracht, sieht sich aber zu Recht auf gutem Kurs: „Wir können Medaillen gewinnen, wenn wir unsere beste Leistung abrufen. Das Gesamtpaket ist noch nicht ganz rund. Daran arbeiten wir hart“, sagt der 24-jährige Steuermann Paul Kohlhoff, der mit Alica Stuhlemmer bei Marcus Lynch trainiert. Das Olympiarevier schätzen die Kieler wie alle deutschen Segler. Kohlhoff sagt: „Es ist ein vielseitiges Revier für Alleskönner, in dem man sich gut anpassen können muss. Du muss einfach in allen Bedingungen stark sein.“

Profitiert haben alle deutschen Nationalsegler bei den Regatten in Japan in diesem Sommer vom frühzeitig geschaffenen Umfeld vor Ort. Paul Kohlhoff berichtete: „Unsere Container im Hafen sind wahnsinnig gut organisiert. Es gibt eine hervorragend ausgestattete Werkstatt und einen Raum für Teamtreffen und Erholung. Das haben wir dem DSV und dem German Sailing Team zu verdanken. Für uns Athleten ist das wirklich wertvoll.“

Ergebnisse Weltcup 2019/2020 Enoshima

LASER RADIAL

1. Emma Plasschaert (BEL), 54 Punkte
2. Anne-Marie Rindom (DEN), 57 Punkte
3. Alison Young (GBR), 64 Punkte
16. Svenja Weger (Potsdamer Yacht-Club), 158 Punkte

LASER

1. Pavlos Kontides (CYP), 36 Punkte
2. Matthew Wearn (AUS), 57 Punkte
3. Jean Baptiste Bernaz (FRA), 62 Punkte
14. Philipp Buhl (Segelclub Alpsee-Immenstadt), 137 Punkte

470ER MÄNNER

1. Mathew Belcher/Will Ryan (AUS), 27 Punkte
2. Jordi Xammar Hernandez/Nicolás Rodríguez García-Paz (ESP), 37 Punkte
3. Kazuto Doi/Naoya Kimura (JPN), 47 Punkte
6. Simon Diesch/Philipp Autenrieth (Württembergischer Yacht-Club/Bayerischer Yacht-Club), 75 Punkte

470ER FRAUEN

1. Silvia Mas Depares/Patricia Cantero Reina (ESP), 44 Punkte
2. Nia Jerwood/Monique de Vries (AUS), 45 Punkte
3. Frederike Loewe/Anna Markfort (Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club), 58 Punkte
11. Fabienne Oster/Anastasiya Winkel (Norddeutscher Regatta Verein), 97 Punkte
12. Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß (Deutscher Touring Yacht-Club), 99 Punkte
17. Luise Wanser/Helena Wanser (Norddeutscher Regatta Verein), 130 Punkte

49ER

1. James Peters/Fynn Sterritt (GBR), 49 Punkte
2. Benjamin Bildstein/David Hussl (AUT), 49 Punkte
3. Tim Fischer/Fabian Graf (Norddt. Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee), 52 Punkte
20. Justus Schmidt/Max Boehme (Kieler Yacht-Club), 101 Punkte

NACRA 17

1. Quentin Delapierre/Manon Audinet (FRA), 21 Punkte
2. Ben Saxton/Nicola Boniface (GBR), 22 Punkte
3. Ruggero Tita/Caterina Banti (ITA), 23 Punkte
8. Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club), 44 Punkte

49ERFX
(ohne dt. Beteiligung)

1. Annemiek Bekkering/Annette Duetz (NED), 27 Punkte
2. Alexandra Maloney/Molly Meech (NZL), 36 Punkte
3. Julie Bossard/Aude Compan (FRA), 37 Punkte

FINN
(ohne dt. Beteiligung)

1. Nicholas Heiner (NED), 19 Punkte
2. Josip Olujic (CRO), 44 Punkte
3. Ioannis Mitakis (GRE), 47 Punkte

RS:X SURFEN MÄNNER
(ohne dt. Beteiligung)

1. Louis Giard (FRA), 48 Punkte
2. Kun Bi (CHN), 49 Punkte
3. Pierre Le Coq (FRA), 53 Punkte

RS:X SURFEN FRAUEN
(ohne dt. Beteiligung)

1. Yunxiu Lu (CHN), 37 Punkte
2. Katy Spychakov (ISR), 42 Punkte
3. Zofia Noceti-Klepacka (POL), 49 Punkte