„Jetzt traue ich mir mehr zu“ – gelungene Herbsttour der DSV-Juniorencrew

Junge Seglerinnen und Segler sitzen auf der Kante eines Bootes.
Kurs Dänemark

Acht junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren segelten auf der First 44.7 „R.E.D.“ eine Woche durch die Dänische Südsee. Nahezu allesamt Neulinge im Dickschiffsegeln, durften die Seglerinnen und Segler an Bord vieles ausprobieren und lernen.

Gleich zu Beginn wirbelte ein Herbststurm das Programm durcheinander: Anstatt nach einer Trainingseinheit den „Commodore Cup“ gegen andere Juniorencrews zu segeln, musste die mit Spannung erwartete Regatta ausfallen – wegen des vorhergesagten Sturmes entschloss sich die Regattaleitung kurzfristig zur Absage. Nach der ersten Enttäuschung schmiedete die Crew andere Pläne und segelte direkt gen Norden. Etliche andere Schiffe, die für den Commodore Cup gemeldet hatten, schlossen sich als lockere Flottille an.

Zwei junge Frauen stehen im Heckkorb einer Yacht und lächeln fröhlich in die Kamera. Eine Frau trägt eine rot leuchtende Stirnlampe.
Auch ein Nachttörn stand auf dem Programm

Der Frust über die ausgefallene Regatta war vergessen, als die „R.E.D.“ bei schönem Wind Kurs auf Olpenitz nahm. Auf der sportlichen, top ausgestatteten First 44.7 konnten die jungen Seglerinnen und Segler ihre Fähigkeiten aus der Jolle und dem Kielboot ausprobieren, Manöver üben und selbst das Steuer übernehmen. Schnell wuchs die Crew zur gut gelaunten Einheit zusammen.

„Es hat sich zu hundert Prozent gelohnt“, zieht Julia Woehl aus Münster Bilanz. Aus 29 Bewerberinnen und Bewerbern wurde sie für den Juniorentörn ausgewählt und bekam von ihrer Schule frei, um dabei zu sein. Die 18-Jährige hat ihre Segelkarriere im Opti und Laser begonnen und ist seit drei Jahren Steuerfrau in einem Junioren-Segelbundesliga-Team – „aber auf einem großen Schiff bin ich vor dem Törn noch nie gewesen“.

Ein Selfie: Im Vordergrund eine lächelnde Frau, die hoch im Mast einer Segelyacht ist. Tief unter ihr das Boot und die Crew
Neue Perspektiven – Amelie hoch oben im Mast

Viel seglerisches Neuland also, viele neue Erkenntnisse. „Ich hatte mir das Bordleben mehr vorgestellt wie im Hotel und war erst überrascht, wie unkomfortabel so ein Boot ist“, sagt Julia. Beginnend mit dem Benutzen der Bordtoiletten über die klappbaren Netze als Betten im Vorschiff. „Und dass man so penible Ordnung halten muss, damit beim Segeln nichts im Boot herumpoltert.“

Julia Wöhl am Steuer der First 44.7 "RED"
Julia steuert durch die Brücke

Erstmalig hielt die erfahrene Steuerfrau statt der Pinne ein Rad in der Hand und musste erst etwas Mut schöpfen, um die „R.E.D.“ zu steuern. Ebenfalls neu: Die komplexe Crewarbeit auf einem größeren Schiff. „Auf der J/70 fahre ich das Groß einfach aus der Hand. Auf dem Dickschiff gibt es eine Winsch und man kurbelt vielleicht sogar zu zweit.“

Mit Annike Rosenberg und Jussi Rissanen hatten die jungen Seglerinnen und Segler zwei erfahrene Dickschiff-Segler an ihrer Seite.  Die 26-jährige Co-Skipperin Annike hat bereits einen SKS und hinterließ mit ihrer Ruhe und Erfahrung großen Eindruck. „Annike hat das supertoll gemacht. Sie hat die Crew an alles herangeführt, beispielsweise an das Anlegen. Dann hat sie nicht nur ein 44-Fuß-Schiff in die Box gefahren, sondern nebenbei noch ganz ruhig mit uns gesprochen.“

Skipper Jussi Rissanen ist selbst Regattasegler und Vater segelbegeisterter Kinder. „Jussi saß hinter dem Steuerrad und hat geschaut, ob alles OK ist. Er hat uns allen von Grund auf vertraut und uns machen lassen“, berichtet Julia. „Wie man Spinnaker fährt, hat er uns einmal erklärt und dann haben wir ihn selbständig gesetzt. Einmal hat sich der Spi ums Vorstag gewickelt. Aber Jussi ist ganz ruhig geblieben und hat uns selbst nach einer Lösung suchen lassen. Am Ende haben wir als Crew die Situation ganz alleine gelöst – wussten aber, dass Jussi in kritischen Situationen jederzeit da gewesen wäre.“

Eine Frau steht am Steuerrad einer Yacht. Es ist Nacht, ihr Gesicht wird von den Bordinstrumenten erhellt. Sie trägt dickes Ölzeug und eine Mütze.
Konzentriertes Steuern nach Instrumenten

Tag für Tag gewann die Crew mehr Sicherheit, setzte routiniert den Spi und traute sich sogar an komplexere Manöver wie den Spinnaker Peel – das Wechseln des Spinnakers, bei dem man den neuen Spinnaker innerhalb des bereits stehenden Spinnakers hochzieht.

Und zum Schluss gab es sogar einen Regattasieg als Belohnung: Das kurzerhand ausgerufene „Escape Race“ von der dänischen Insel Lyø bis Damp gewann die Crew der „R.E.D.“ gegen die „Vagus“ und die „Thea“.

Julia fühlt sich jetzt fit, um auch bei anderen Dickschiffen mitzusegeln – sei es auf einem Törn oder auf einer Regatta. Die nötigen Kontakte zu anderen Crews hat sie auf der Tour geknüpft.

Über die DSV-Juniorencrew

Die DSV-Jugendcrew des Jahrgangs 2025 sitzt auf dem Aufbau der Yacht und lächelt in die Kamera.
Die DSV-Juniorencrew 2025. Mit grauer Mütze: Julia Woehl

Das Seesegeln und die Ausbildung der nächsten Generation fördern – mit diesem Ziel hat der DSV 2023 die DSV-Juniorencrew ins Leben gerufen. Auch kommendes Jahr soll wieder ein Team aus Youngstern an den Start gehen, Erlebnisse und Erfahrungen sammeln, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen austesten und die Kräfte von Wind und Welle auf See erleben dürfen.

Mehr Eindrücke vom diesjährigen Törn findet ihr auf dem Instagram-Kanal der Seglerjugend