Mit dem IF-Boot auf Nord-Tour

Ein rotes kleines Boot hat an einem Felsen festgemacht.
Lille Vind an der Schäre Öckero Kalv © Marina Heine

Mit dem Internationalen Folkeboot „Lille Vind“ segelten Marina Heine und Crew in sechs Wochen von Barth in die schwedischen Westschären bis Lysekil. Obwohl das Wetter der Skipperin selten in die Karten spielte, wurde die Auszeit unter Segeln eine einzigartige Erfahrung. Für diesen Törn zeichnete die Jury des DSV-Fahrtenwettbewerbs die Berlinerin mit Gold in der Kategorie „Küste“ aus.

Marina Heine mit Mona Küppers und Claus Funk
Marina Heine mit Mona Küppers und Claus Funk © Finn Ole Kleinfeldt

Im Sommer 2024 bot sich Marina Heine eine einmalige Chance: Durch einen Jobwechsel ergab sich für die Landschaftsarchitektin genügend Zeit für einen ausgedehnten Törn mit ihrem IF-Boot. Auch das Ziel war schnell klar: Auf Einladung der schwedischen Klassenvereinigung sollte es nach Lysekil zur Schwedischen Meisterschaft des GFK-Klassikers gehen.

Von der Havel ging es für Marina Heine und ihre rote „Lille Vind“ im Mai 2024 über die Kanäle bis ins polnische Stettin, wo der Mast gestellt wurde.  Startpunkt der Ostsee-Reise war Barth.

Ein Auszug aus Marina Heines Logbuch am 14. Juni:

„Still liegt mein IF-Boot Lille Vind beim Barther Yachtservice und wartet auf ihr bis jetzt größtes Abenteuer. Habe ich auch nichts vergessen? Ist alles am Platz? Habe ich alles verproviantiert? Alle stromabhängigen Geräte geladen? Alle Ladegeräte dabei?“

Die Antwort – ein beherztes Ja, Leinen los und Kurs Barhöft! Doch im geplanten Absprunghafen Richtung Dänemark hielt die Ostsee die erste Geduldsprobe für Marina Heine bereit: Die Vorhersage war mit kräftigem Südostwind und starken Böen zu ruppig für Boot und Crew. Konsequent legte die Skipperin einen Hafentag ein, wies ihre Mitreisenden gründlich in Sicherheitsabläufe ein – und wartete auf ein passendes Fenster. Diese Mischung aus Vorsicht und Entschlossenheit trug sie durch die ganze Reise.

Eine Seglerin in ein Segler sitzen mit Rettungsweste und Ölzeug auf dem Folkeboot.
Ölzeug gehörte auf der Tour jeden Tag dazu – Mit den Mitsegler*innen Silke und Hendrik vor Möns Klint © Marina Heine

Am nächsten Tag öffnete sich ein Wetterfenster, wenn auch kein gemütliches: Wechselnde Winde, Gewitterböen und Regen forderten Boot und Mannschaft auf der Überfahrt nach Stubbekøbing auf Falster. Stoisch bewies die „Lille Vind“, dass Internationale Folkeboote viel Wind und Welle vertragen. Es folgten Tage mit Etappen durch den Öresund in Richtung Schweden, stets begleitet von genauer Wetterbeobachtung und dem ständigen Abwägen von Entscheidungen: Welche Segelgarderobe? Jetzt reffen? Den Motor zur Unterstützung einsetzen? Oder sogar einen sicheren Zwischenstopp einlegen?

Eins war immer klar: Die neu angeschaffte Regenpersenning leistete im wechselhaften nordischen Sommer gute Dienste und erweiterte den Lebens-Raum der Crew.

Immer weiter ging es nach Norden, durch die schwedischen Schären. Navigieren dort bedeutet 100 Prozent Konzentration: enge Fahrwasser, flache Passagen, schlecht erkennbare Richtmarken und Granitfelsen dicht am Kurs. Skipperin Marina Heine meisterte diese Etappen mit Ruhe und Präzision – und wurde mit einem Höhepunkt belohnt: dem Besuch der schwedischen IF-Boot-Meisterschaft in Lysekil, ihrem selbst gesteckten Ziel. Zwar wurden auch dort wegen Starkwindes Starts abgesagt, aber die Crew der „Lille Vind“ war angekommen, traf Freunde aus Schweden und Übersee und erlebte die besondere Atmosphäre mit den vielen IF-Booten im Hafen. Abends berichtete Marina Heine den Teilnehmenden von ihrer Reise und stieß auf viel Bewunderung für die Anreise auf eigenem Kiel. 

Das Folkeboot Lille Vind liegt im Hafen von Dragör in Dänemark
Im malerischen Hafen von Dragör. Hendrik und Silke genießen die Sonne © Marina Heine

Der Rückweg blieb wetterbedingt anspruchsvoll. Hartnäckige Südwestlagen machten manche Wunschroute unmöglich, Hafentage und Umplanungen gehörten weiterhin dazu.

Fünf ungeplante Hafentage im schwedischen Lerkil wurden für die Crew der „Lille Vind“ zu einer echten Herausforderung. Der Wind heulte, draußen gab es keine lohnenden Ziele, unter Deck kaum Rückzugsmöglichkeit. Marina Heine gab alles für gute Stimmung an Bord: Sie organisierte den Bordalltag, überraschte die Crew mit Kreationen vom Spirituskocher, suchte kleine Ablenkungen an Land, aber wartete konsequent, bis sich am letzten Tag ein Wetterfenster öffnete.

Als die „Lille Vind“ schließlich wieder Barhöft und danach Barth erreichte, war klar: Diese Fahrt war seglerisch und menschlich groß – gerade, weil sie in einem so kleinen Boot stattfand.

Skipperin Marina Heine sitzt an der Pinne ihres Folkebootes Lille Vind
Skipperin Marina Heine an der Pinne ihres Internationalen Folkebootes Lille Vind © Marina Heine

Etappenübersicht (gesegelte Seemeilen)

Anreise/Überführung

Stettin – Barth: 131 sm unter Segeln (zzgl. 7,2 sm unter Motor)

Törn ab Barth

1. Barth – Barhöft: 10 sm

2. Barhöft – Stubbeköbing: 45 sm

3. Stubbeköbing – Nyord: 10 sm

4. Nyord – Dragør: 28 sm

5.  Dragør – Helsingør: 33 sm

6. Helsingør – Höganäs: 15 sm

7. Höganäs – Mölle: 13,5 sm

8. Mölle – Torekov: 11 sm

9. Torekov – Glommen: 33 sm

10. Glommen – Öckerö Kalv: 34 sm

11. Öckerö Kalv – Marstrand: 35 sm

12. Marstrand – Lysekil: 30 sm

13. Lysekil – Klädesholmen: 25 sm

14. Klädesholmen – Yttre Tistlarna: 27 sm

15. Yttre Tistlarna – Lerkil: 7 sm, Rückreise

16. Lerkil – Varberg: 7 sm

17. Varberg – Skalskröken: 25 sm

18. Skalskröken – Torekov: 15 sm

19. Torekov – Höganäs: 27 sm

20. Höganäs – Taarbæk: 26 sm

21.Taarbæk – Dragør: 13 sm

22. Dragør – Klintholm: 44 sm

23. Klintholm – Barhöft: 38 sm

24. Barhöft – Barth: 13 sm

Summe gesegelt ab Barth: 564,5 sm

Gesamtsumme Segelstrecke inkl. Anreise: 695,5 sm