IDM der ILCA 6 und 7 auf dem Bodensee

Viele ILCA 6 Jollen mit weißen Segeln und blauen Ecken am Segel
Nach dem ersten Tag der Meisterschaft segelte Cassandra Jansch (Segelnummer 225071) mit dem gelben Trikot der Spitzenreiterin. © Michaela Kreilaus

Mit einem Favoritensieg im ILCA 7, einer alten und neuen Meisterin im ILCA 6 und einem bisher einmaligen Erfolg für einen Verein in der ILCA-6-Männerwertung ging die diesjährige IDM der olympischen Bootsklasse zu Ende. Wenig Wind forderte die Leichtwindqualitäten der Seglerinnen und Segler.

Viele ILCA Jollen im Schlepp weil kein Wind ist.
Am ersten Tag der Meisterschaft wurden zwei Wettfahrten gesegelt, am zweiten waren bei bis zu 12 Knoten Wind vier Läufe möglich, danach war es zu flau und die Jollen wurden geschleppt. © Michaela Kreilaus

Die Meisterschaft fand auf dem Bodensee vor der Insel Reichenau auf dem sogenannten Untersee statt. Bei spätsommerlichem Wetter und wenig Wind waren nur an den ersten beiden Tagen Wettfahrten möglich. Die Wettfahrtleitung um Daniel Wehrle nutzte die Windfenster voll aus, so dass an den ersten beiden Tagen der Meisterschaft sechs Läufe gesegelt werden konnten. Nach einem segelarmen Samstag und einer entsprechenden Prognose für den folgenden Sonntag entschieden die Teilnehmenden in einer spontanen Abstimmung gemeinsam, die Meisterschaft bereits am Samstagabend mit einer fröhlichen Party ausklingen zu lassen.

„Nach der Preisverteilung gab es bei Livemusik ein grandioses Fest, bei dem viele der Seglerinnen und Segler in einer Polonäse über Vereinsgelände zogen“, berichtet Daniel Wehrle, 1. Vorsitzender des gastgebenden Vereins Jollensegler Reichenau und Wettfahrtleiter. „Überraschenderweise blieben fast alle Teilnehmenden und feierten bis weit nach Mitternacht, kaum einer ist schon nach Hause gefahren.“

Julia Büsselberg segelt zum vierten Meistertitel in Folge

Im Starterfeld der 31 Frauen konnte Julia Büsselberg (Verein Seglerhaus am Wannsee), Olympiateilnehmerin 2024 vor Marseille, mit neun Punkten nach sechs Wettfahrten ihren Titel verteidigen. Sie ist die erste deutsche Seglerin, die viermal in Folge internationale Deutsche Meisterin im ILCA 6 wurde. „Der Titel bedeutet mir viel. Insgesamt bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Es waren schwierige Bedingungen und ich freue mich, unter Druck abgeliefert zu haben“, sagte Julia Büsselberg. „Das Selbstvertrauen nehme ich jetzt mit in die neue Saison.“

Der Bodensee mit wenig Wind und diesigem Wetter, im Hintergrund die Alpenkulisse
Die JSR richten alle zwei Jahre eine IDM aus, nach den 505er 2024 und den ILCA 6 und 7 in diesem Jahr stehen 2028 die 470er auf dem Programm. © Michaela Kreilaus

Über die Meisterschaft am Bodensee, rund zehn Autostunden von Berlin entfernt, berichtet sie: „Der kleine Verein Jollensegler Reichenau hat uns herzlich empfangen. Leider waren die Wettergötter nicht ganz auf unserer Seite, aber die Verantwortlichen haben das Beste daraus gemacht.“

Vizemeisterin wurde die erst 15-jährige Cassandra Jansch (Mühlenberger Segel-Club), die mit diesem Titel zum dritten Mal in diesem Jahr für einen beeindruckenden Erfolg sorgte. Noch im ILCA 4 wurde sie bei der IDJM im Juli auf dem Wannsee Vizemeisterin und war zugleich bestplatzierte weibliche Starterin. Bei der direkt im Anschluss stattfindenden Jugend-Weltmeisterschaft in Aarhus wurde sie Vize-Weltmeisterin in der U16-Wertung.

Direkt nach den Sommerferien stieg die Seglerin aus der Jugend-Nationalmannschaft des German Sailing Team, die in ihrem Heimatverein von Olympiateilnehmerin Svenja Rieger trainiert wird, in den ILCA 6 um und bestand die „Feuertaufe“ auf dem Bodensee mit Bravour. Sie startete in die Serie mit zwei ersten Plätzen, zuletzt trennten sie nur drei Punkte von Meisterin Julia Büsselberg. Auf den dritten Rang kam wie im Vorjahr Amelie Elstner (Segel- und Motorboot-Club Überlingen).

„Cassandra hat sich nach ihrem Umstieg aus dem Opti in den ILCA 4 sehr gut entwickelt und in diesem Jahr eine starke Saison gesegelt. Vor allem das Ergebnis in Aarhus hat alles getoppt“, sagt Svenja Rieger. „Dass sie direkt nach dem Umstieg im ILCA 6 auf dem Bodensee auch bei wenig Wind so erfolgreich sein würde, war nicht unbedingt zu erwarten, aber durchaus möglich. Sie hat ihre technischen Stärken gut ausgespielt und taktisch clever gesegelt.“

Nick Lahme wird Meister im ILCA 6

Im stark besetzten Feld der 61 männlichen Starter im ILCA 6 legte der erst 14-jährige Nick Lahme (Norddeutscher Regatta Verein) eine beeindruckende Leistung hin und siegte mit nur elf Punkten nach sechs Wettfahrten. Für den Sohn von NRV-Clubmanager und Sportdirektor Klaus Lahme ist es nach dem Sieg bei der IDJM im ILCA 4 der zweite Meistertitel in einem Jahr. Neben seinem seglerischen Talent schlägt das Herz des Jungen allerdings auch für Basketball. Die Wintersaison beginnt nun, und bis Februar liegt seine sportliche Priorität auf der Ballsportart.

Drei erfolgreiche junge Segler mit einem gelben, einem blauen und einem roten Trikot.
Die erfolgreichen NRV-Segler im ILCA 6 mit den Trikots der Spitzenreiter. In der Mitte Nick Lahme, links davon Ivan Gribov, rechts davon Tim Amboss. © Michaela Kreilaus

Vizemeister wurde der ebenfalls für den NRV startende Ukrainer Ivan Gribov. Tim Amboss auf dem Bronzerang komplettierte das erfolgreiche NRV-Trio.

Ole Schweckendiek siegt im ILCA 7

Im olympischen ILCA 7 der Herren ließ der 21-jährige Ole Schweckendiek (Kieler Yacht-Club) aus dem Perspektivkader des GST nichts anbrennen und wurde mit nur neun Punkten klar deutscher Meister. „Es kam vor allem darauf an, von Anfang an konstant zu segeln, keine Fehler zu machen und kein unnötiges Risiko einzugehen“, sagte Ole Schweckendiek. Auf den zweiten Rang kam Philip Walkenbach (Segelverein Potsdamer Adler) vor Julian Hoffmann (Verein Seglerhaus am Wannsee), ebenfalls aus dem Perspektivkader des German Sailing Teams. Insgesamt waren 44 Starter in der olympischen Bootsklasse am Start.

Drei Männer mit Medaillen und Kistem mit Gemüse in der Hand, sie sind sportlich gekleidet
Erfolgreiche ILCA 7-Segler: In der Mitte Ole Schweckendiek, links davon Philip Walkenbach, rechts davon Julian Hoffmann. © Carsten Jungclaussen

Neben Medaillen und Urkunden gab es für die erfolgreichen Seglerinnen und Segler wie bei dem Verein üblich große Erntekörbe von der Insel Reichenau, die als Anbauregion für  Gemüse bekannt ist.

„Die ILCAs waren eine sehr angenehme Klasse, völlig unproblematisch bei der An- und Abreise“, zieht Daniel Wehrle Bilanz und betont, dass auch das Slippen der Boote aufgrund des niedrigen Wasserstands im Bodensee nur über zwei von vier verfügbaren Slipbahnen kein Problem war. „Wir sind ein kleiner, hochengagierter Club mit 90 aktiven und 30 jugendlichen Seglerinnen und Seglern, jedes Jahr veranstalten wir drei Ranglistenregatten für ILCA, Contender, 420er, 470er und 505er – dazu alle zwei Jahre eine Meisterschaft. 2028 kommen die 470er zu uns.“

Das Team einer Wettfahrtleitung auf einem blauen Boot, darüber weht eine orangefarbene Flagge.
Das Team der Wettfahrtleitung der JSR rund um Daniel Wehrle (zweiter von rechts). © Michaela Kreilaus

Zusätzlich zu den eigenen Regatten wird das versierte Wettfahrtteam der Jollensegler Reichenau (JSR) auch von anderen Vereinen rund um den Bodensee um Unterstützung bei der Durchführung von Regatten und Meisterschaften gebeten. Das große Know-how der Wettfahrtleitung aus Reichenau hat sich am Bodensee herumgesprochen: Auch bei der Starboot-Meisterschaft des Yacht-Club Radolfzell war das Wasser- und Wettfahrtteam der JSR im Einsatz.

Alle Ergebnisse der ILCA IDM 2026 sind auf Manage2Sail veröffentlicht.