Max Billerbeck verteidigt vor Norderney seinen Titel im Contender

Contender Jollen segeln auf der Nordsee, im HIntergrund eine rote Fahrwassertonne, ein Wald und Windräder
Die IDM der Contender 2026 fand vor Norderney statt, das raue Nordseerevier forderte die Jollensegler mit viel Wind, Wellen und Strömung. © Lutz Brandt

Max Billerbeck (Wassersportverein Kollmar) hat vor Norderney seinen fünften Deutschen Meistertitel im Contender gewonnen und damit seinen Titel erfolgreich verteidigt. Punktgleich mit dem neuen Vizemeister Christoph Homeier (Sportverein Grambke-Oslebshausen) setzte er sich in der Internationalen Deutschen Meisterschaft der Einmann-Trapezjolle durch. Auf den dritten Rang segelte Eike Tjark Martens (Wassersportverein Hemelingen). Insgesamt waren 42 Seglerinnen und Segler aus Deutschland für die Meisterschaft gemeldet.

Bis zur letzten der insgesamt sechs gesegelten Wettfahrten blieb die Meisterschaft spannend. Hier segelte Max Billerbeck (40) souverän zum dritten Mal im Rahmen der Meisterschaft als Erster über die Ziellinie und verwies so Christoph Homeier, der nur auf zwei erste Plätze in der Gesamtwertung kam, auf den zweiten Rang.

Ein Mann mit einer Medaille um den Hals hält den Wanderpreis der Contenderklasse in die Höhe
Nach sechs Wettfahrten stand Max Billerbeck als deutscher Meister im Contender 2026 fest, © Lutz Brandt

In einer sehr warmherzigen Rede dankte der alte und neue Deutsche Meister Max Billerbeck im Rahmen der Siegerehrung der Wettfahrtleitung, dem Organisationsteam und dem gastgebenden Verein. Er betonte, dass es ihm zum ersten Mal gelungen sei, den Titel zu verteidigen – bisher konnte er nur in den ungeraden Kalenderjahren den Meistertitel erringen. Vor allem aber hob er die immense Hilfsbereitschaft der Contender-Klasse hervor und erzählte, dass er in dieser Saison kein eigenes Auto zur Verfügung hatte, aber immer auf Unterstützung zählen konnte, damit sein „Conti“ und er zu den verschiedenen Regatten reisen konnten.

„Die IDM war allein schon wegen ihrer Location etwas ganz Besonderes“, sagt er. „Erst mit dem Auto, dann mit der Fähre auf die Insel kommen und dann hier in ein echtes Nordseerevier mit Tidenströmung eintauchen, war ein Erlebnis. Wenn wir an den beiden letzten Tagen noch gesegelt wären, hätte Christoph mich sicher noch geschlagen – bei viel Wind ist er und auch Eike meistens besser als ich.“

Contender Segler Christoph Homeier.
„Wenn wir an den beiden letzten Tagen noch gesegelt wären, hätte Christoph mich sicher noch geschlagen – bei viel Wind ist er und auch Eike meistens besser als ich“, sagte Max Billerbeck. © Lutz Brandt

Anspruchsvolles Revier vor Norderney

Die IDM fand auf dem Gelände des Seglervereins Norderney statt, die Wettfahrtleitung stellte die Baltische Segler-Vereinigung. Ulf Denecke, Leiter der Abteilung Ausbildung und Wettsegeln des DSV, unterstützte in seiner Freizeit das Team der Jury auf dem Wasser.

„Bei der IDM war nicht viel zu tun, die Contender-Segler sind so routiniert, die gucken sich vor der Tonne in die Augen und wissen genau, wer Vorfahrt hat“, sagt er. „Wir mussten nur zweimal die gelbe Flagge zeigen, weil zwei Segler die Ausschaltung der Pump-Regelung nicht mitbekommen hatten.“

Ulf Denecke, Leiter der Abteilung Ausbildung und Wettsegeln des DSV,
Ulf Denecke, Leiter der Abteilung Ausbildung und Wettsegeln des DSV, unterstütze die IDM als Mitglied der Jury. © Lutz Brandt

Die Nordsee stellte die Contender-Seglerinnen und -Segler vor besondere Herausforderungen. Viel Wind, hohe Wellen und die für viele ungewohnte Tidenströmung verlangten den 4,88 Meter langen und nur 1,44 Meter breiten Jollen einiges ab. Aufgrund des kräftigen Windes konnten an den ersten beiden Wettfahrttagen jeweils drei Wettfahrten von rund 35 Minuten gesegelt werden. Am dritten Tag machte sich nach dem Hissen der „AP“-Flagge eine Gruppe von Seglern mit Begleitung eines Motorbootes noch auf den Weg aufs Wasser. Anschließend bestätigten die Segler die Entscheidung der Wettfahrtleitung, unter diesen Bedingungen keine weitere Wettfahrt zu starten.

„Gerade für Jollenseglerinnen und -segler ist das Revier vor Norderney herausfordernd. Es ist deutlich rauer als die Binnenreviere, und mit der Tidenströmung muss man lernen, umzugehen“, sagt Lutz Brandt, erster Vorsitzender des Seglervereins Norderney.

Der Verein, der im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen feierte, kooperierte bei der Ausrichtung mit der Baltischen Segler-Vereinigung. „Wie auch bei der IDM der 505er vor drei Jahren hat der BSV Wettfahrtleitung und Jury gestellt, wir haben uns um den Hafen, die Stellplätze, das Catering und die Halle zum gemeinsamen Feiern gekümmert“, sagt Lutz Brandt. An Land sorgte der gastgebende Verein mit Blasmusik, Chor und einem umfangreichen Programm für Nordsee-Atmosphäre.

Wegen der starken Strömung erprobte die Wettfahrtleitung am zweiten Regattatag ein für die Contender-Klasse neues Startverfahren: den Torstart, auch Pathfinder genannt. Dabei startet ein Segler auf Steuerbordbug auf einem Amwindkurs, während ein Motorboot hinter ihm fährt. Zwischen dem Heck des Seglers und dem Motorboot entsteht ein Tor, durch das die übrigen Teilnehmenden auf Backbordbug hindurchsegeln und so das Rennen beginnen. Nach zwei Minuten endet die Pathfinder-Rolle, das Tor schließt sich und auch der Startsegler wechselt auf Backbordbug.

„Dieses Startprozedere wenden wir in der 505er-Klasse, in der wir oft rund 100 Boote an der Linie haben, erfolgreich an“, erklärt Ulf Denecke. „Es hat den Vorteil, dass ein Frühstart nahezu unmöglich ist, es weniger Kollisionen gibt und keine lange Startlinie ausgelegt werden muss.“

Meisterboot von eigener Werft

Das Erfolgsboot von Billerbeck stammt aus eigener Hand. Der Bootsbauer, Mitinhaber der Traditionswerft Hein in Elmshorn, hat seinen Contender selbst gebaut. „Mein Contender ist die Baunummer 0“, sagt er. „Seitdem haben wir schon acht Einheiten gebaut.“

Contender Segler Max Billerbeck, er trägt einen Neoprenanzug und ein weißes Cap und sitzt auf seiner Jolle
Vor Norderney segelte Max Billerbeck zum fünften deutschen Meistertitel, zum ersten Mal gelang es ihm, den Titel direkt zu verteidigen. © Lutz Brandt

Den inoffiziellen Titel der Deutschen Meisterin, den die Klassenvereinigung auslobt, sicherte sich Miriam Hoffmann (Baltische Segler-Vereinigung). Sie belegte im Gesamtklassement Rang 39 und setzte sich damit knapp gegen Kerstin Schepanski (Cospuder Yacht Club Markkleeberg), die zweite Seglerin im Feld, durch.

Die vollständigen Ergebnisse sind auf Manage2Sail abrufbar.