Malte Winkel und Bente Batzing feiern Meistertitel im 470er

12 Seglerinnen und Segler mit Urkunden nach einer Meisterschaft
Die ersten sechs Teams der IDM der 470er, den Platzierungen nach von links nach rechts aufgestellt. Links das Meisterteam Malte Winkel/Bente Batzing. © privat

Bei viel Regen und stürmischem Wind trugen die 470er-Teams auf dem Plauer See ihre diesjährige Internationale Deutsche Meisterschaft sowie die Meisterschaften der 470er Mixed- und Mixed-Junioren-Crews aus. 32 Teams gingen an den Start – darunter einige Kaderteams des German Sailing Teams, zahlreiche Nachwuchscrews sowie langjährige, fest in der Klasse verwurzelte Duos.

Malte Winkel (Norddeutscher Regatta Verein) und Bente Batzing (Schweriner Segler-Verein von 1894) sicherten sich mit nur acht Punkten aus sechs Wettfahrten souverän den Meistertitel. Platz zwei ging an Theres Dahnke (Plauer Wassersportverein) und Paco Melzer (Verein Seglerhaus am Wannsee) aus dem Olympiakader des German Sailing Teams (GST). Amelie Wehrle (Jollen Segler Reichenau) und Riccardo Honold (Bodensee-Yacht-Club Überlingen), ebenfalls Mitglieder des GST-Kaders, belegten Rang drei.

In der Juniorenwertung für Seglerinnen und Segler bis 21 Jahre setzten sich Amelina Jäger und Caspar Fischer (beide Spandauer Yacht Club) durch. Constantin Troeger (Bodensee-Yacht-Club Überlingen) und Janne Schirmer (Schweriner Segler-Verein von 1894) belegten Rang zwei vor Johanna Kugel (Seglergemeinschaft am Müggelsee) und Jasper Hoschka (Verein Seglerhaus am Wannsee).

Zwölf jugendliche Seglerinnen und Segler halten Urkunden in den Händen
Die ersten sechs platzierten Teams der Junioren-IDM von links nach rechts, ganz links Amelina Jäger und Caspar Fischer. © privat

Für Malte Winkel war es bereits der sechste deutsche Meistertitel im 470er. Seit 2012 segelt er in der olympischen Bootsklasse, bis zum Wechsel auf das Mixedformat gemeinsam mit Matti Cipra. Für ihn und Vorschoterin Bente Batzing (23) war die IDM der Abschluss der ersten gemeinsamen Saison, in der sie die Kieler Woche gewannen und an der WM in Enoshima teilnahmen. „Das läuft gut, in dieser Konstellation werden wir weiter zusammen segeln“, sagt Malte Winkel.

Das Meisterschaftsrevier weckte bei ihm Erinnerungen an seine eigene Optizeit. „Nach Plau zu fahren war immer schön, bei der Regatta gab es die besten Preise“, sagt er. „Bei der IDM hat der See wieder seine Tücken gezeigt und uns mit Winddrehern von 20 Grad gefordert.“

Extreme Wetterbedingungen

Die Meisterschaft war von sehr unterschiedlichen und teilweise extremen Wetterbedingungen geprägt. Mit Blick auf eine angekündigte Regen- und Starkwindfront entschied sich Wettfahrtleiter Heiner Forstmann vom Schaumburg-Lippischen Seglerverein bereits am ersten Meisterschaftstag, Donnerstag, 3. September, drei Wettfahrten durchzuführen. Malte Winkel und Bente Batzing erwischten einen perfekten Start und setzten sich mit zwei Siegen in Folge früh an die Spitze.

Am zweiten Tag zog eine massive Regenfront über Norddeutschland. Bei schlechter Sicht und heftigem Dauerregen konnten zwei weitere Wettfahrten gesegelt werden. In der Nacht zum Samstag sorgte ein heftiges Sturmtief dafür, dass die Zelte und Wohnwagen der zahlreichen campenden Teilnehmenden auf dem Gelände kräftig durchgeschüttelt wurden.

Am Samstag war schließlich noch eine letzte Wettfahrt möglich. Bei Böen zwischen 24 und 30 Knoten verzichtete rund ein Drittel der Teilnehmenden auf den Start. Schon auf dem Weg zum Start kam es zu einigen Kenterungen. Vor allem die jüngeren Teams gingen entsprechend defensiv in die Regatta, zogen den Spinnaker teilweise erst nach der Tonnenrundung und vermieden unnötige Manöver.

„Mit dem vielen Wind war das Wetter vor allem für alle, die aus dem Freizeitbereich kommen, schwierig. Wir Leistungssportler sind gewohnt, bei jedem Wetter rauszugehen, aber für viele war der starke Wind am Samstag zu heftig“, sagt Malte Winkel.

Großes Altersspektrum

Für den langjährigen Leistungssportler macht gerade die Mischung der 470er-Klasse den besonderen Reiz der IDM aus. „Da stehen Freizeitseglerinnen und -segler neben Theres und Paco und fachsimpeln über die Boote“, berichtet er. „Dazu kommt die große Altersspanne von Teilnehmenden zwischen 16 und 65 Jahren. Das macht die deutsche 470er-Klasse ganz besonders.“

Dass Erfahrung und Leistungsfähigkeit keine Frage des Alters sind, bewiesen die zweimaligen Olympiateilnehmer Benny und Jan Kouwenhoven. Die beiden, die 1992 und 1996 im 470er bei den Olympischen Spielen starteten, belegten im Alter von 61 Jahren Rang sechs. Uti und Frank Thieme, ebenfalls seit vielen Jahren regelmäßig im Vorderfeld der deutschen 470er-Flotte zu finden, kamen auf Platz acht. „Bei weniger Wind hätten Uti und Frank sicher noch weiter vorne mitgespielt“, sagt Malte Winkel.

Plauer Hai-Live als engagierte Ausrichter

Ausrichtender DSV-Verein war Plauer Hai-Live, der für die Durchführung der IDM eng mit der auf dem gleichen Gelände gelegenen  Marina und Segelschule Plau am See zusammenarbeitete. Geleitet wird die Segelschule von der ehemaligen GST-Kaderseglerin Laura Pukropski. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Segelpartner Thorben Schlüter nahm sie auch an der IDM teil und belegte Rang fünf.

„Wir haben letztes Jahr bei der IDM in Steinhude besprochen, die Meisterschaft zu uns nach Plau zu holen. Seitdem hat sich mein Leben aber rasant gewandelt“, berichtet die 24-Jährige. „Im März fiel die Entscheidung, dass ich meine Leistungssportkarriere beende. Das hat mich ein wenig überrumpelt. Und dann wurde aus dem langfristigen Plan, die Segelschule zu übernehmen, ein sehr kurzfristiger.“

Innerhalb einer Woche kaufte sie die etablierte Segelschule in Plau am See und startete in die berufliche Selbstständigkeit. „Parallel dazu mussten wir ja weiterhin gemeinsam mit dem Plauer Hai-Live die IDM vorbereiten. Das war in den vergangenen Wochen ziemlich sportlich, zumal wir gerade im August Hochsaison haben.“

Vor allem dank der vereinten Kräfte der Familie Pukropski und vieler Freunde gelang es, trotz der schwierigen Wetterbedingungen eine gelungene Meisterschaft auszurichten. In der kleinen Küche der Segelschule bereiteten Lauras Eltern das Essen für alle Teilnehmenden vor, ihre Schwester Angelina, die ebenfalls mitsegelte, übernahm in den Abendstunden den Betrieb an der kleinen Bar. „Meine Mama war anderthalb Wochen nur damit beschäftigt einzukaufen und vorzubereiten“, erzählt Laura Pukropski. „Aber auch die Unterstützung aus der 470er-Klasse war toll – alle haben mit angepackt.“

Nach der IDM der 470er steht in Plau bereits die nächste Meisterschaft an: Am ersten Oktoberwochenende findet dort die IDM der 2.4mR-Klasse statt, die erneut von Plauer Hai-Live mit Unterstützung der Segelschule ausgerichtet wird. Wie bei der IDM der 470er ist das Team der Plauer Haie-Live für die Durchführung der Meisterschaft auf dem Wasser und alle sportlichen Belange zuständig, während Familie Pukropski das „social life“ organisiert.

Der Verein Plauer Haie-Live wurde 2006 gegründet und hat sich als einer der ersten deutschen inklusiven Segelvereine einen Namen gemacht. „Unsere einzige Bootsklasse, die wir anbieten und fördern, ist die 2.4mR. Eine Bootsklasse, in der wie in keiner anderen Menschen mit ganz verschiedenen körperlichen Voraussetzungen gegeneinander segeln können, völlig unabhängig von Größe, Gewicht, Alter, Geschlecht oder Handicaps“, erläutert der erste Vorsitzende vom Plauer Hai-Live, Lutz-Christian Schröder.

Bereits 2015 richtete der Verein die IDM der 2.4mR aus. Auch in diesem Jahr werden zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus dem Verein gemeinsam dafür sorgen, dass die Meisterschaft reibungslos über die Bühne geht und die besonderen Bedürfnisse der Teilnehmenden berücksichtigt werden. Für die diesjährige IDM haben 45 Seglerinnen und Segler aus sechs Nationen gemeldet. Zehn Starterinnen und Starter gehen unter dem Stander der Plauer Haie-Live an den Start, unter ihnen auch Lutz-Christian Schröder. Die Meldeliste ist auf Manage2Sail veröffentlicht.

Auch Laura Pukropski wird an der IDM teilnehmen. „Ich bin erst einmal in dem Kielboot gesegelt und werde sicher nichts reißen. Dafür ist das Boot viel zu komplex“, sagt sie. „Ich ziehe meinen Hut vor allen Seglerinnen und Seglern der Klasse, vor allem vor denen, die diese Boote mit einem Handicap beherrschen.“

Die vollständigen Ergebnisse der IDM der 470er sind auf Manage2Sail veröffentlicht.