Punktgleich mit dem Vizemeisterteam, aber mit mehr ersten Plätzen in den zwölf Wettfahrten sicherten sich Julius Raithel (Segel-Verein Wedel-Schulau) und Wolfgang Goeken (Hamburger Segel-Club) zum zweiten Mal den Meistertitel im Conger. Damit wiederholten sie ihren Erfolg aus dem Vorjahr. Vizemeister wurden Timo Koch und seine 17-jährige Tochter Victoria Luise vom gastgebenden Schaumburg-Lippischen Seglerverein. Das Vater-Tochter-Gespann holte erst am Finaltag entscheidend auf und rückte für viele überraschend noch in den Kreis der Titelanwärter vor. Auf den dritten Rang kam Frank Schönfeldt (Entdecker und Seefahrerfördervereinigung) mit Karsten Bredt (Hannoverscher Yacht-Club) an der Vorschot.
Bis zum letzten Tag war das Rennen um die Meisterschaft auf dem Steinhuder Meer noch offen. Titelverteidiger Julius Raithel, der das Klassement anführte, ging strategisch in die letzten Rennen und konzentrierte sich darauf, die gegnerischen Boote auf dem Wasser in Schach zu halten.
„Ich hatte mir vor dem letzten Tag die Punkte der ersten fünf aufgeschrieben“, berichtet er. „Dann wusste ich, dass ich vor allem Frank Schönfeldt und Karsten Bredt sowie Mia Sophie Aldag mit ihrem Vater Michael decken muss. Mit den Plätzen 5, 13 und 7 lief der Tag für uns nicht besonders gut – und so kamen auf einmal, wie aus dem Nichts, Timo und seine Tochter nach der letzten Wettfahrt punktgleich mit uns vom Wasser.“
Das Vater-Tochter-Gespann hatte Julius Raithel dabei nicht „auf dem Zettel“. Und auch Timo und Victoria Luise Koch realisierten erst spät, welchen Sprung ihnen die starke Serie von 4, 3, 2 und 1 am letzten Tag der Meisterschaft in der Ergebnisliste beschert hatte.
„Den beiden hätte ich den Titel so sehr gegönnt“, sagt Julius Raithel. „Aber ich freue mich auch sehr, dass Wolfgang und ich unseren Titel verteidigen konnten.“

Als eingefleischter Vorschoter hatte Raithel erst im vergangenen Jahr bei einer Meisterschaft erstmals die Pinne in die Hand genommen – notgedrungen, denn Wolfgang Goeken ist ebenfalls Vorschoter und segelt normalerweise gemeinsam mit seiner Frau Julia Pechstein äußerst erfolgreich in der Conger-Klasse. „Krankheitsbedingt konnte Julia dieses und letztes Jahr nicht mitsegeln. Sie war aber an Land die beste Shorecrew, die man sich wünschen kann“, berichtet Raithel. „Rührei zum Frühstück war nur ein Teil der großartigen Unterstützung, die wir von ihr bekommen haben.“
Vater und Tochter auf dem Podium
Überraschungs-Vizemeister Timo Koch sagt, er sei zusammen mit seiner 17-jährigen Tochter für die führenden Teams „unter dem Radar“ geflogen. Erst nach dem letzten Zieldurchlauf erfuhr er von Julius Raithel, dass sie punktgleich mit dem Meisterteam lagen und nur um Haaresbreite am Titel vorbeigeschrammt waren.

„Mit meiner Tochter, die im SLSV erst Opti und dann 420er und ILCA gesegelt ist, nehme ich seit einigen Jahren an Conger-Regatten und Meisterschaften teil“, erzählt der vierfache Vater. „Es ist sehr schön, mit seinem Kind zusammen so bewusst ein gemeinsames Projekt zu haben – wenn man dann noch erfolgreich ist, umso mehr.“
Sonne, Regen, Starkwind und Flaute
Die Witterungsbedingungen bei der 50. Meisterschaft der Conger boten einen bunten Mix aus allem: Sonne, Regen und Wind wechselten sich ab. „Nach einem Starkwindtag war der letzte Tag von sehr wenig Wind geprägt, der aus ganz anderen Richtungen wehte als angekündigt“, berichtet Julius Raithel. „Erschwerend kam hinzu, dass man nicht mehr überall auf dem Steinhuder Meer segeln kann, weil der Wasserspiegel so gesunken ist und man mit dem Schwert oder dem Ruder doch ganz gerne mal ein bisschen Kraut einsammelt. Das bremst natürlich ungemein.“
Für Timo Koch war die Meisterschaft ein Heimspiel, das er gleich in mehreren Funktionen bespielen musste. Als Regattaobmann der Klassenvereinigung, engagiertes Mitglied des ausrichtenden SLSV und Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft war er überall im Einsatz.
„Wir hatten Teilnehmer zwischen 8 und 78 Jahren, davon viele, die seit Jahrzehnten im Conger sind, und andere, die jetzt die Klasse für sich entdecken, weil andere Klassen nicht mehr zum Lebensalter oder den Anforderungen passen“, sagt Koch. „Ich selbst bin mit meinem Vater früher Conger gesegelt und habe nach einigen Jahren Pause, als meine vier Kinder größer waren, in der Klasse wieder den Anschluss zum Segeln gefunden.“
Damit Interessenten und Neumitglieder die 1965 unter Mitarbeit von Olympiateilnehmer Ulrich Libor entwickelte Kunststoffjolle kennenlernen können, stellt die Klassenvereinigung ein Boot zur Verfügung, das Teams für Regatten und Meisterschaften ausleihen können.
Ein großes Familientreffen
Wie für die Conger-Klasse üblich, war die Meisterschaft auch ein großes Familientreffen. Viele Paare sowie Eltern und ihre Kinder segeln gemeinsam in der Klasse. Vom traditionellen Caipi-Abend über ein großes Buffet bis zum Cheerleading auf dem Steg war die Veranstaltung von viel Fröhlichkeit und Gemeinschaftssinn geprägt.

„Mich hat völlig begeistert, wie viel Engagement und Eigenleistung die Conger-KV zu so einer IDM beiträgt – das ist echt anders als bei allen anderen Klassen und hat in der Ausrichtung viel Spaß gemacht“, sagt Niels Hentschel, Sportwart des ausrichtenden SLSV. „Das Motto der Conger-Klasse #einfachklassesegeln wird hier wirklich gelebt!“
Alle Ergebnisse der DM der Conger, an der 26 Teams teilnahmen, sind auf Manage2Sail zusammengefasst.