EUROSAF EM-Titel für deutsches North2South Sailing Team

Eine Seglerin und ein Segler spritzen mit einer geöffneten Sektflasche von Bord einer Yacht nachdem sie eine Regatta gewonnen haben.
Freya Olbrich und Paul Piendl feierten ihren ersten gemeinsamen EM-Titel direkt nach dem Überqueren der Ziellinie vor Genua. © Nastro Rosa/SSI Events

Nach 55 Stunden, 3 Minuten und 23 Sekunden auf der Langstrecke vom sardischen La Maddalena nach Genua brachen Freya Olbrich (Segelclub Baltic) und Paul Piendl (Schondorfer Segelclub Ammersee) in lautstarken Jubel aus: Als erstes von zehn Booten der Figaro-3-Flotte der EUROSAF Double Mixed Offshore European Championship 2026 überquerten sie die Ziellinie und sicherten sich damit den ersten gemeinsamen Titel ihres noch jungen Double-Handed-Offshore-Projekts.

„Wir haben uns vergangenes Jahr beim Segeln in Französisch-Polynesien kennengelernt“, berichtet die 25-jährige Freya Olbrich, die nach ihrer Ausbildung zur Segelmacherin in Kiel Geographie studiert. „Uns beide verbindet die Begeisterung für das Offshore-Regattasegeln, wir gehören zum Griffin Project des RORC. Zusammen haben wir uns dann erfolgreich um einen der wenigen Plätze für die EUROSAF-EM beworben und konnten als einziges rein deutsches Team in diesem Jahr daran teilnehmen.“

Das Griffin Youth Project des „Royal Ocean Racing Club“ (RORC) ist ein Nachwuchsprogramm für junge Seglerinnen und Segler, das den Einstieg in das Offshore-Regattasegeln ermöglicht. Es richtet sich an Seglerinnen und Segler im Alter von 18 bis 30 Jahren und verbindet praxisorientiertes Lernen mit professionellem Mentoring und Teamarbeit.

Schon vor ihrer Aufnahme in das Griffin Project hatten beide umfangreiche Erfahrungen im Offshore-Segeln gesammelt – allein an Bord oder als Teil einer Crew. Freya Olbrich nahm unter anderem im vergangenen Jahr mit einem IF-Boot am Silverrudder Race teil, Paul Piendl segelte mit seinem Boot fast vier Jahre allein und mit wechselnden Crews um die Welt.

Vor dem Start zur EM nahm das deutsche Duo als eines von zehn internationalen Teams an zwei Teilstrecken des über 1.250 Seemeilen langen Etappenrennens „Il Giro“ rund um Italien teil. Wie auch die EM wird die Regatta von der italienischen Marina Militare Nastro Rosa organisiert, die wiederum mit dem Griffin Project kooperiert. Gesegelt wurde auf einheitlichen Booten vom Typ Beneteau Figaro 3, die den Teams zur Verfügung gestellt wurden.

„Das war für uns aufregend, auf den Booten segeln zu können, deren Regatten wir sonst nur als Zuschauer bei den großen französischen Regatten wie der Solitaire du Figaro verfolgt haben“, berichtet Freya Olbrich. „Wir hatten vor unserem ersten Start bei Il Giro nur einen Tag Zeit, um das Boot kennenzulernen, und dann ging es auch schon los.“

Die Qualifikation für die EM-Langstrecke war für die beiden Hochseesegler kein Selbstgänger. 15 Teams traten vorab in mehreren Coastal Races gegeneinander an, nur die besten 10 qualifizierten sich für die anschließende Langstrecke, auf der die EM-Entscheidung fiel. „Wir sind beide Offshore-Segler und können unsere Stärken in Longdistance-Rennen deutlich besser ausspielen“, sagt Freya Olbrich. „Am Offshoresegeln reizt uns besonders, dass neben perfekten Manövern sowie Kraft- und Energiemanagement auch die richtigen taktischen Entscheidungen eine große Rolle spielen.“

Ein Mann und eine Frau mit Rettungswesten und kurzen Hosen an Bord einer Regattayacht.
Die Double-Handed-EM wurde auf einheitlichen Figaro 3 Yachten ausgetragen, die vom Veranstalter gestellt wurden. © Nastro Rosa/SSI Events

Das Team, das sich aufgrund der Nord-Süd-Verteilung seiner Mitglieder zwischen Bayern und Kiel den Namen North2South Sailing Team gegeben hat, erhält durch den Titelgewinn die Möglichkeit, mit einer Wildcard am „Il Veloce“, einer 1.490 Seemeilen langen Nonstop-Regatta von Genua nach Triest, teilzunehmen. Das Rennen für Zweier-Teams startet am 25. September.

Vorher stellen beide ihre neu erworbenen Coastal-Race-Fähigkeiten unter Beweis und nehmen an Bord einer australischen 48-Fuß-Yacht am Swan Cup vor Porto Cervo teil. „Das ist eine Umstellung, nun sind wir mit 13 Leuten auf einem Boot“, sagt Paul Piendl (28), der sich als Yachttechniker und Segler selbstständig gemacht hat. „Es ist toll, im Rahmen dieser Regatta unser Netzwerk weiter auszubauen und Kontakte zu weiteren Offshore-Teams und Projekten zu knüpfen.“

Die Ergebnisse der EUROSAF-EM sind unter diesem Link zusammengefasst.