SailGP vor Portsmouth: Deutsches Team mit Beinahe-Kenterung und Rennsieg

Der deutsche F50-Katamaran des SailGP kentert fast
Schrecksekunde vor Portsmouth: Der foilende F50-Katamaran des deutschen Teams drohte zu kentern. © Jon Buckle für SailGP

Kaiserwetter, bis zu sechs Knoten Wind und spektakuläre Rennen: Das englische Portsmouth bot am Wochenende die Kulisse für das achte Event der SailGP-Saison 2026. Erstmals setzte die Highspeed-Segelrennserie auf das neue Split-Fleet-Format. Die Aufteilung der 13 F50-Katamarane in zwei Qualifikationsgruppen (Group A und B) sorgte im Gezeitenrevier des Solent für Match-Race-Dynamik und Dramatik auf dem Kurs.

Für das Germany SailGP Team war das Wochenende eine emotionale Achterbahnfahrt. Nach harten Rückschlägen und einer Beinahe-Kenterung am ersten Renntag zeigte es am Sonntag mit einem souveränen Rennsieg seine seglerische Stärke.

In Gruppe B traf das deutsche Team am ersten Renntag auf die Mannschaften aus den USA, Schweden, der Schweiz, Frankreich und Großbritannien. Nach einem verhaltenen Auftakt steigerte sich die Crew im zweiten Rennen und belohnte sich mit Rang vier.

Das dritte Rennen wurde dramatisch: Nach einem erstklassigen Start katapultierte sich der deutsche F50 an die Spitze des Feldes. Bei hohen Geschwindigkeiten führte eine Misskommunikation während des ersten Manövers um das historische, kreisrunde Horse Sand Fort jedoch beinahe zur Katastrophe. Der Foiler geriet außer Kontrolle und krängte bedrohlich. Nur durch die blitzschnellen Reaktionen von Wing-Trimmer Kevin Péponnet, der den Wing in letzter Sekunde öffnete, und Steuermann Erik Kosegarten-Heil, der rechtzeitig gegensteuerte, konnte eine Kenterung verhindert werden. Das deutsche Team beendete das Rennen auf Platz sechs.

„Das war ein Fehler in der Kommunikation, der uns unter extremem Druck passiert ist und so nicht vorkommen darf“, sagte Steuermann Erik Kosegarten-Heil anschließend. „In der Situation haben Kevin und das gesamte Team aber blitzschnell reagiert und Schlimmeres verhindert. Wichtig war für uns, den Moment sofort abzuhaken und den Kopf für Tag zwei freizubekommen.“

Beinahe Kenterung eines F50 Katamarans bei Rundung des Horse Sand Fort vor Portsmouth.
Der dramatische Moment der Beinahe-Kenterung während des ersten Manövers um das historische, kreisrunde Horse Sand Fort. © Ricardo Pinto für SailGP

Am zweiten Renntag zeigte das Germany SailGP Team, welches Potenzial in ihm steckt. Im vierten Rennen der Gruppe B erwischte Steuermann Erik Kosegarten-Heil ein perfektes Timing und setzte sich nach einem optimalen Start mit über 91 km/h an die Spitze des Feldes. Trotz einer Strafe gegen Ende des Rennens gelang es dem Team, die Führung zu behaupten und einen Start-Ziel-Sieg einzufahren.

„Es war sehr tricky und extrem drehig auf dem Kurs, die Startbox war klein. Aber wir haben alles auf den Punkt zusammengebracht und hatten einen perfekten Start“, sagte Erik Kosegarten-Heil. „Gestern waren unsere Starts nicht so gut. Wir haben heute das Feld gut gelesen und sind hervorragend von der Linie weggekommen.“

Am Ende belegte Deutschland Platz zehn im Event-Ranking. Den Sieg im Solent sicherte sich das spanische Team „Los Gallos“ um Steuermann Diego Botín. Im Finalrennen setzten sich die Spanier gegen Artemis SailGP (Schweden), NorthStar (Kanada) und Explora Switzerland SailGP (Schweiz) durch. In der Saisonwertung führt weiterhin Australien vor Spanien und Schweden. Deutschland rangiert mit 28 Punkten im Mittelfeld auf Platz acht.

Das nächste SailGP-Event findet bereits am 22. und 23. August 2026 in Sassnitz auf Rügen statt. Im Ticketshop des SailGP gibt noch einige Restkarten für das Rennwochenende in Deutschland. Das ZDF überträgt das Heim-Event umfassend im Livestream.