Wingfoilerin Jette Koep vom Kieler Yacht-Club erreichte bei World Sailing Testevent im polnischen Gdynia Rang zwei hinter Klara Chalupnicova aus Tschechien und vor der Griechin Emilia Kosti. Die Regatta vor der Hafenstadt an der Ostsee gilt als Probelauf für die im kommenden Jahr stattfindenden gemeinsamen Weltmeisterschaften der olympischen zwei-Personen-Klassen. Die Formula- Wing-Foilerinnen und -foiler waren spontan vom Weltverband ins Programm 2026 aufgenommen worden. Der Deutsche Segler-Verband organisierte die Anmeldung von vier Athleten und bezahlte ausnahmsweise die Meldegebühren.
Test mehr als bestanden – so lautet zumindest das Fazit der Wingfoilerin Jette Koep, 23. Nach zwei Tagen mit schwachem Wind, wenigen Rennen und viel Zeitvertreib im Hafen von Gdynia gab es für die insgesamt 15 Frauen und 24 Männer, unter anderem aus Australien, den USA, Ungarn und Großbritannien, an Tag drei Onshore-Wind zwischen 10 und in Böen knapp 12 Knoten. „Wir sind mit aufgebautem Material in Motorbooten rausgebracht worden und dann ging’s los“, sagt Jette Koep.
Acht Rennen zumindest für die Frauen, viermal Platz zwei, viermal Platz eins für Jette Koep – „ich bin noch nie so eine konstante Serie gefoilt“, freut sich die in Braunschweig geborene Athletin über ihre Ergebnisse. „Doch acht Rennen an einem Tag, das war für alle körperlich und mental schon herausfordernd – am Ende ging es nur noch darum, sicher zu starten und den Speed zu halten.“
An Tag vier im Grand Final mit den besten vier Frauen erwischte Jette Koep einen guten Start, fuhr dann in ein Windloch, hatte am Ende zu wenig Druck im Wing und fiel vom Foil. Folge: Die Tschechin Klara Chalupnicova gewann das Rennen und damit das Gesamtevent. Jette Koep war mit dem Ziel nach Polen gestartet, unter die ersten Drei zu fahren. „Das ist mir gelungen, ich bin mehr als zufrieden, und gratuliere der Gewinnerin von Herzen.“
Bei den Männern hatte sich Yannik Holste vom Surf Club Kiel für die Finals qualifiziert, dort dann aber mit Seegras zu kämpfen. Am Ende landete er auf Rang zehn, Kjeld Hansen (Deutscher Wing Foil Club) wurde 13., Pit Hausberg vom Kieler Yacht-Club 18.
Jette Koep, die bereits als sechs Monate alter Säugling mit ihren Eltern auf dem Boot unterwegs war, hat eine „typische“ Segelkarriere mit Opti, 420er und 49er hinter sich. „Viele Regatten, viele Erfolge, aber auch viele Verletzungen“, sagt sie. „Irgendwann habe ich mich zumindest zeitweise gegen den Leistungssport entschieden“. Nach dem Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr begann Jette Koep in Kiel ein Studium und probierte mit geliehenem Material von Freunden das Wingfoilen. „Ich war sofort begeistert und konnte nach einer OP mit dem Wingfoilen sogar mein verletztes Knie stabilisieren.“
Wingfoilen – unkompliziert und schon bei wenig Wind viel Spaß
Inzwischen ist Jette Koep im zweiten Semester ihres Masterstudiums Ernährungswissenschaften, Mitglied im Kieler Yacht-Club, unter anderem als Coach für Opti-Kids engagiert und mit Herz und Seele Wingfoilerin. Die Gemeinschaft der Sportlerinnen und Sportler, das vergleichsweise unkomplizierte Handling des Materials („Auf dem Weg zum Wasser und auf dem Wasser“), das Gefühl von Schwerelosigkeit beim Foilen („Und das schon bei wenig Wind“), die Chance, bei allen Windrichtungen einfach starten zu können… Die Liebeserklärung an das Wingfoilen umfasst viele Punkte für Jette Koep.
Dazu gehören natürlich auch die ständige Neuentwicklung des Materials, die Professionalisierung der Wingfoilklasse insgesamt und der Auftritt der Wingfoilerinnen und Wingfoiler in Gdynia. „Für die weltweite Wingfoil-Community war das Event in Polen die Chance, uns bei einem World Sailing-Veranstaltung zu präsentieren“, sagt Jette Koep weiter. „Wir haben gezeigt: Die Rennen sind spannend, schnell, wir können auch bei weniger Wind durchstarten und sind als Athletinnen und Athleten unkompliziert.“
Auch Detlef Gröbert aus der DSV-Boardsport-Abteilung zieht eine positive Bilanz: „Die Organisatoren vor Ort und damit World Sailing haben das Potenzial dieser Sportart mit ihrem rasanten Wachstum live erleben können, womöglich ergibt sich wirklich irgendwann die Chance, olympisch zu werden.“
Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist vollzogen: Neben dem Testevent 2026 gab es unlängst auch eine offizielle Einladung zur World Sailing Weltmeisterschaft 2027.
Hier findet ihr alle Ergebnisse des Testevents.