Nach 18 Jahren und zahlreichen „Beinahe-Titeln“ hat es endlich geklappt: Jan-Philipp Hofmann und Felix Brockerhoff, Deutschlands aktuell bestes 505er-Duo, sind bei der Weltmeisterschaft vor der englischen Insel Hayling Island zum WM-Titel gesegelt. Das Team dominierte das Feld der 90 Seglerinnen und Segler von Beginn der Meisterschaft an und konnte sogar auf die Starts zu den letzten beiden Wettfahrten verzichten.
Auf den zweiten Rang kamen Howard Hamlin und Andy Zinn aus den USA, gefolgt von den britischen Segelprofis Paul Brotherton und James Fawcett auf ihrem Heimatrevier, sowie den Matchrace- und SailGP-Profis Peter Nicholas und Luke Payne aus Australien auf Rang 4. Bestes weibliches Team waren Nicola Birkner und Angela Stenger (beide Verein Seglerhaus am Wannsee) auf Rang 45.

„Das ist eine feine Sache“, sagt Vorschoter Felix Brockerhoff (33) zufrieden. Und ergänzt: „2023 sind wir bei der EM in Quiberon Zweite geworden, 2024 bei der WM in Schweden um einen Punkt Vizeweltmeister und im vergangenen Jahr bei der EM punktgleich mit dem Europameisterteam wieder nur Zweiter – wir sind sehr, sehr glücklich, dass es nun endlich mit dem internationalen Titel geklappt hat.“ Vor allem an dem verpassten WM-Titel vor zwei Jahren hatte das Team länger zu knabbern. „Der Stachel saß tief, unser Vizetitel fühlte sich mehr bitter als sweet an.“
Umso größer ist nun die Freude bei ihm und seinem nur ein Jahr älteren, langjährigen Steuermann – ebenso wie in der internationalen 505er-Klasse, deren Mitglieder dem deutschen Team den lang ersehnten Titel von Herzen gönnten und überschwänglich gratulierten.
Das Erfolgsduo vom Düsseldorfer Yacht-Club (DYC) sitzt seit 18 Jahren gemeinsam in einem Boot. Nach Jugendjahren im 420er und anschließend im 470er entschieden sich die beiden 2013 für den Wechsel in die schnelle Gleitjolle 505er. „Für den Rückzug aus der olympischen Bootsklasse waren zwei Gründe ausschlaggebend: Wir – und vor allem ich – sind zu schwer, und wir haben den Schwerpunkt auf unsere Studien statt auf eine Karriere im Leistungssport gelegt“, sagt Felix Brockerhoff. „Der 505er passt zu unseren körperlichen Voraussetzungen, bereitet weniger Wehwehchen als der 470er und macht einfach Spaß zu segeln.“
Die WM vor Hayling Island bot den Seglerinnen und Seglern aus zehn Nationen an fünf Tagen beste Segelbedingungen. Wehte der Wind zu Beginn noch mit bis zu 18 Knoten, flaute er unter dem Einfluss eines großen Hochdruckgebietes kontinuierlich auf 12 bis 14 Knoten und am letzten Wettkampftag auf rund zehn Knoten ab. Dazu schien an allen Tagen die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Sommerhimmel – bessere Bedingungen hätte es für die WM der „Fiven“ kaum geben können.

„Der WM-Titel ist nicht nur für uns als Team wichtig, sondern setzt auch international ein Zeichen“, freut sich Felix Brockerhoff. „Wir beobachten seit einigen Jahren einen starken Anstieg des seglerischen Niveaus, vor allem bei den Teams aus Australien, Polen und Schweden. Dem haben wir aus Deutschland derzeit noch wenig entgegenzusetzen.“
Seiner Beobachtung nach fehlt es auch in der 505er-Klasse an leistungsorientiertem und gut ausgebildetem Nachwuchs. Beim Düsseldorfer Yacht-Club hat sich deshalb inzwischen eine Trainingsgemeinschaft aus vier 505er-Teams gebildet, die gemeinsam die Klasse in Deutschland weiter stärken möchte.
Auf der Eventseite der 505er-WM 2026 sind alle Ergebnisse zusammengefasst, dazu gibt es unter diesem Link auf Youtube eine Zusammenfassung.