Mat 1220 „Pure“ gewinnt die IDM Offshore

Mehrere Yachten bei sehr wenig Wind die gegeneinander eine Regatta segeln.
Das Sundowner Race im Rahmen der 91. Nordseewoche war der erste Teil der IDM Offshore. © Hinrich Franck

Die Internationale Deutsche Meisterschaft (IDM) Offshore der deutschen Seeseglerinnen und Seesegler ist entschieden: Nach dem Sundowner Race und dem Capitell Cup Rund Helgoland im Rahmen der Nordseewoche sowie dem anschließenden Pantaenius Rund Skagen Race sicherte sich Lars Hidde vom Blankeneser Segel-Club mit seiner Mat 1220 „Pure“ den Meistertitel der Seesegler.

Auf den Plätzen zwei und drei folgten die JPK 10.50 „Hinden“ sowie die Elliott 52 ss „Rafale“. Die ehemals unter dem Namen „Outsider“ bekannte Yacht gewann zudem in allen drei Regatten, aus denen sich die diesjährige Offshore-Meisterschaft zusammensetzte, die Wertung „First Ship Home“. Der 26 Jahre alte Streckenrekord der Baltic 67 „Uca“ auf der Rund-Skagen-Strecke blieb jedoch unangetastet.

IDM setzt sich aus drei Regatten zusammen

Die Bedingungen der beiden Langstreckenrennen, aus denen sich die IDM Offshore nach der Ouvertüre, dem Sundowner Early Bird Race von Cuxhaven nach Helgoland, zusammensetzte, hätten unterschiedlicher kaum sein können. Während ein Hochdruckgebiet über Pfingsten bei Helgoland für Leichtwind sorgte, verlangten beim anschließenden Rund Skagen Race nach einer anfänglichen Flaute rund um Skagen starke Winde Schiffen und Crews alles ab. Auf dem Weg ins Ziel wurden die Teilnehmer dann erneut von schwachen Winden ausgebremst.

Über den inoffiziellen Titel „Dreimal First Ship Home“ durfte sich die Crew der Elliott 52 ss „Rafale“ freuen. Das 52 Fuß lange Schiff, das in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag feiert, beendete alle drei in die Meisterschaftswertung eingehenden Rennen als erstes Boot.

Die Crew einer Yacht jubelt im Heck stehend über einen Erfolg bei einer Regatta.
Die Crew der Elliott 52 ss „Rafale“ feierte beim Pantaenius Rund Skagen Race „line honours“. © DSV/ Robert Jacobsen

Henri de Bokay vom Verein Seglerhaus am Wannsee und seine Crew hatten mit der „Rafale“ bereits am Mittwoch als erstes Schiff die Ziellinie vor Kiel-Schilksee überquert. Bis das endgültige Ergebnis am Freitagnachmittag feststand, mussten jedoch zunächst alle Yachten das 510 Seemeilen lange Rennen rund um Dänemark beenden. Und auch wenn es nur für den dritten Podestplatz bei der IDM für das Team der „Rafale“ reichte: Der schnelle Ritt der zwölfköpfigen Crew um Steuermann Malte Päsler und Navigator Robin Zinkmann wurde in der Endauswertung mit dem Gesamtsieg nach ORC in Deutschlands längster Hochseeregatta belohnt.

Erster Meistertitel für Lars Hidde und Crew der „Pure“

Für die junge Crew der „Pure“ reichte beim Langstreckenklassiker ein dritter Platz aus, um sich den Meistertitel zu sichern. Neben Skipper Lars Hidde hatte Linus Döpp als Trimmer und Chef-Ausbilder des Teams eine Schlüsselposition an Bord inne. Strategisch unterstützt wurde er von Matti Cipra, Bundesnachwuchstrainer in Warnemünde, sowie Navigator Max Schubert. Insgesamt segelte das Team die Meisterschaft mit zehn Personen an Bord.

„Wir haben nicht unbedingt damit gerechnet, Meister zu werden“, sagt Lars Hidde bescheiden. Der Architekt und seine Frau entschieden sich erst vor zwei Jahren, ihre Familienyacht im Mittelmeer gegen eine Regattayacht in der Ostsee einzutauschen.

Eine moderne Rennyacht vom Typ Mat 1220 von hinten
Für das Team der „Pure“, die erst im Herbst 2024 ausgeliefert wurde, ist der Erfolg bei der IDM Offshore der erste große Titel. © DSV/Robert Jacobsen

„Ich bin früher viel FD und Soling gesegelt, als diese Klassen noch olympisch waren“, berichtet der 56-Jährige, dessen seglerische Wurzeln im Segel-Club Unterelbe und beim TuS Finkenwerder liegen. „Als unsere vier Kinder kleiner waren, haben wir das Cruisen im Mittelmeer sehr genossen. Doch nun haben wir uns entschieden, weniger CO₂ zu verbrauchen, unsere Flug- und Reisewege zu verkürzen und mit einer Regattayacht in der Ostsee, mit der man auch kleinere Törns unternehmen kann, neu durchzustarten.“

Erst im Herbst 2024 übernahm die Familie die werftneue Mat 1220. Der noch vergleichsweise unbekannte Bootstyp stammt aus der Feder von Mark Mills. Die Grundidee des Designs besteht darin, eine moderne, leichte Yacht zu schaffen, die sowohl auf hoher See als auch küstennah unter ORC und IRC erfolgreich eingesetzt werden kann. Alternativ hatte die Familie auch mit einer Cape31 geliebäugelt. Diese bietet jedoch deutlich weniger Möglichkeiten zum Cruisen und muss bei Regatten von einer recht großen Crew von sechs bis acht Personen gesegelt werden, um das empfohlene Gewicht von maximal 595 Kilogramm zu erreichen.

Eine moderne Regattayacht vom Typ Mat 1220 aus der Nähe fotografiert.
Die „Pure“ wird von Eigner Lars Hidde geskippert und ist mit einer sehr jungen Crew besetzt. Als Taktiker ist Matti Cipra, Bundesstützpunkttrainer Nachwuchs des DSV in Warnemünde, mit dabei. © DSV/Robert Jacobsen

„Auch unsere Mat 1220 ist zum Cruisen nur bedingt geeignet, es ist dann eher rustikales Camping auf See“, sagt Lars Hidde schmunzelnd. „Zum ersten Mal bei einer großen Regatta haben wir sie im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft in Tallinn eingesetzt.“

Während der Saison liegt das Schiff in Travemünde. Perspektivisch hofft Lars Hidde auf einen Liegeplatz in Kiel in der Nähe der anderen deutschen Offshore-Teams.

Leichtwindregatten zur Nordseewoche

„Vor allem bei den Leichtwindregatten im Rahmen der Nordseewoche, beim Sundowner Race und beim Capitell Cup Rund Helgoland konnten wir punkten“, berichtet Hidde. „Dort konnten wir taktisch viel herausholen. Rund Skagen waren dann unsere Starkwindeigenschaften gefragt, und das hat gut funktioniert. Im Training müssen wir nun noch lernen, unsere Performance bei mittleren Windstärken zu verbessern. Da tun wir uns derzeit noch etwas schwer.“

Mit dem ersten deutschen Meistertitel in der Tasche richtet sich der Blick nun auf die kommenden Herausforderungen. Zunächst stehen die Up-and-Down-Wettfahrten der Viking Challenge im Rahmen der Kieler Woche sowie die IDM Inshore auf dem Programm, bevor es zur Europameisterschaft nach Klaipėda geht.

„Dort hoffen wir noch auf viele Meldungen, damit wir nicht allein um die Tonnen segeln“, sagt Lars Hidde. „Die Unsicherheit vieler Seesegler aufgrund der Nähe Litauens zu Russland ist derzeit groß. Zur Weltmeisterschaft 2027 in Kopenhagen werden sicher deutlich mehr Teams kommen.“

Eine schwarze Rennyacht vom Typ Mat 1220 von der Seite, im Hintergrund der rote Spinnaker einer anderen Yacht.
Die Mat 1220 „Pure“ segelte 2026 zu ihrem ersten Offshore-Meistertitel. Anfang Mai nahm das Team an den Go4Speeed-Trainingswettfahrten und der anschließenden MaiOR Regatta teil. © DSV/Robert Jacobsen

Der Zweitplatzierte Jonas Hallberg, der zuletzt bei extrem widrigen Bedingungen das Double-Handed-Race Baltic 500 gewinnen konnte, segelte auch die IDM Offshore mit einer vergleichsweise kleinen Crew. Zu viert bewältigten er und sein Team die 510 Seemeilen Langstrecke von Helgoland bis nach Kiel. „Mit mehr als vier Leuten steht man sich auf dem Schiff eigentlich nur im Weg“, sagt der erfahrene Double-Handed-Segler Jonas Hallberg (Kieler Yacht-Club). „Außerdem bedeutet eine kleinere Crew auch weniger Gewicht an Bord. Gerade diese neue Art von Rümpfen profitiert enorm davon, wenn man sie nicht mit Menschen überlädt.“

Eine moderne Regattayacht vom Typ JPK 10.50 von hinten fotografiert.
Die JPK 10.50 „Hinden“ bewies bei der IDM Offshore 2026, dass sie sowohl bei wenig, als auch bei viel Wind ein beachtliches Speedpotenzial hat. © Hinrich Franck

Zudem führte er aus, dass das Segeln mit kleiner Crew für alle Beteiligten deutlich interessanter sei. Man müsse einfach alles können – trimmen, navigieren, steuern usw. Es sei vielseitiger, als nur eine Winsch zu drehen und ansonsten Kantenfleisch zu sein.

Topspeed von 28 Knoten

Den dritten Platz auf dem Treppchen belegte die Crew der „Rafale“, die vor allem bei den anspruchsvollen Bedingungen des Pantaenius Rund Skagen Race ihr volles Geschwindigkeitspotenzial entfalten konnte.

 „Die ‚Rafale‘ ist einfach ein tolles Schiff, das durch unseren Bootsmann Holger Lehning in einem hervorragenden Zustand gehalten wird“, berichtet Johannes Polgar, der 2008 im Tornado an den Olympischen Spielen teilnahm und zum festen Team der „Rafale“ gehört.

„Bei 35 Knoten Wind hatten wir einen Topspeed von 28 Knoten“, sagt Johannes Polgar. „Das gesamte Team hat gepusht und sehr konzentriert auch durch die Nächte gesegelt. Da war es schon eine schönes Welcome, am Mittwoch beim Zieldurchgang in Schilksee vom Orga-Team einen Kasten Bier an Bord gereicht zu bekommen.“

Eine sehr schöne Holzyacht im Sonnenlicht von hinten, die den Namen Elida trägt
Daniel Baum, Vorsitzender des Hamburger Segel-Clubs und Geschäftsführer der Pantaenius Versicherungsmakler GmbH, kam mit seiner „Elida“ bei der IDM Offshore auf den fünften Rang. © DSV/ Robert Jacobsen

DSV-Vizepräsidentin Katrin Adloff, zuständig für den Bereich Wettsegeln, gehörte ebenfalls zum Zielteam des Pantaenius Rund Skagen Race und begrüßte alle eintreffenden Mannschaften. „Der große Raum des DSV in Schilksee war die gesamte Zeit geöffnet, sodass sich alle eintreffenden Teams mit einer warmen Suppe und einem Getränk stärken konnten“, berichtet sie.

Nächste Herausforderung Tanis von der Mosel Race

Für die erfolgreiche Crew der „Rafale“ bietet sich bereits ab dem 13. Juni beim Tanis von der Mosel Race – dem früheren 400 Islands Race – die nächste Gelegenheit, die begehrten Line Honours zu gewinnen. Die rund 700 Seemeilen lange Regatta führt durch die dänische Inselwelt. Zu den Hauptkonkurrenten der „Rafale“ zählen die baugleichen J/V 43 „Red 2“ und „Vineta“.

Insgesamt nahmen 16 deutsche Regattayachten an der IDM Offshore teil. Die Einzelergebnisse aller drei Wettfahrten, aus denen sich die anspruchsvolle Meisterschaft zusammensetzte, sind auf Manage2Sail veröffentlicht.