Die Internationale Deutsche und Schweizer Meisterschaft der Starboote auf dem Bodensee hat eindrucksvoll gezeigt, dass die ehemalige olympische Klasse nichts von ihrer internationalen Strahlkraft verloren hat. 56 Teams aus Deutschland, der Schweiz, Dänemark, Ungarn, Kroatien, den Niederlanden, Frankreich und Portugal kämpften um Titel und Platzierungen. Unter den Teilnehmenden waren Olympiateilnehmer, Europameister und Vizeweltmeister.
Die Meisterschaft wurde gemeinsam vom Yacht-Club Radolfzell und dem Schweizer Yacht Club Rapperswil auf dem Gelände des Yacht-Club Radolfzell ausgerichtet.
„Die IDM war international stark besetzt, die Starbootklasse hat nichts von ihrer Attraktivität verloren, wir erleben gerade einen regelrechten Boom und es gelingt zunehmend, junge Leute für unseren Ferrari auf dem Wasser zu begeistern“, sagt Hubert Merkelbach, der bis vor kurzem Starboot-Weltpräsident war und verweist darauf, dass bei Europa- und Weltmeisterschaften über 100 Boote am Start sind. „Von allen Teilnehmern, vor allem denen, die eine weite Anreise hinter sich hatten, haben wir nur Begeisterung über die Meisterschaft und die Durchführung durch die beiden Ausrichtervereine gehört.“

Die Bedingungen auf dem Wasser waren an allen Regattatagen anspruchsvoll: meist einstellige Temperaturen und kräftiger Wind forderten Mensch und Material gleichermaßen. Besonders turbulent verlief der Himmelfahrtstag. Bei starkem Wind kam es zu zahlreichen Kollisionen und insgesamt vier Mastbrüchen. Dennoch konnten bereits am ersten Tag vier der acht ausgeschriebenen Wettfahrten gesegelt werden, womit die offizielle Meisterschaftswertung gesichert war. Hubert Merkelbach (Bodensee Yacht Club Überlingen) und Markus Koy (Norddeutscher Regatta Verein) setzten sich nach diesem Auftakt zunächst an die Spitze des Feldes.
Kollisionen und Mastbrüche am ersten Wettfahrttag
Am Freitag erschwerten drehende Nordwestwinde die Rennen. Bei inzwischen immerhin zweistelligen Temperaturen konnte nur noch eine weitere Wettfahrt abgeschlossen werden. Wettfahrtleiter Dani Wehrle von den Jollenseglern Reichenau brach den zweiten Lauf des Tages wegen weiter nachlassender Winde ab. Das Duo Merkelbach/Koy verlor seine Spitzenposition, vor dem abschließenden Regattatag hatten noch vier Teams realistische Titelchancen.

Der Samstag, letzter Tag der Meisterschaft, begann freundlich und sonnig, weshalb einige Segler leichter bekleidet aufs Wasser gingen. Eine Entscheidung, die sich später rächen sollte: Eine Regen- und Hagelfront ließ die Temperaturen erneut drastisch sinken. Mehrere Mannschaften mussten wegen Unterkühlung vorzeitig in den Hafen zurückkehren und konnten die letzten beiden Wettfahrten nicht mehr bestreiten. Betroffen waren unter anderem Marin Misura und Tonco Barac vom Yacht Club Split, die bis dahin auf Podiumskurs gelegen hatten und schließlich auf Rang zwölf zurückfielen.
Kälte führte zu zahlreichen Aufgaben
Mit einem Sieg im ersten Rennen des Abschlusstages machten Merkelbach und Koy ihren Titelgewinn endgültig perfekt. Auf einen Start in der letzten Wettfahrt verzichteten auch sie – die Bedingungen auf dem Wasser waren schlicht zu kalt. Auf den zweiten Rang kamen Piet Eckert und Frederico Melo vom Zürcher Segel Club, die damit zugleich Schweizer Landesmeister wurden. Rang drei ging an Michael Hestbaek und Jan Eli Gravad vom Vallensbaek Sejlklub (Dänemark).
Knapp am Podium vorbei segelten Daniel Fritz vom Chiemsee Yacht Club und der 69-jährige Uli Seeberger vom gastgebenden Yacht-Club Radolfzell, der seit mittlerweile 50 Jahren Starboot segelt.

Für Merkelbach und Koy ist der Gewinn der Internationalen Deutschen Meisterschaft 2026 ein weiterer großer gemeinsamer Erfolg. 2014 wurden sie Europameister im Starboot, 2015 folgte der südamerikanische Meistertitel, 2018 gewannen sie zum ersten Mal die deutsche Meisterschaft zusammen.
„Unser Plan in der Vorbereitung ist voll aufgegangen“, sagte Hubert Merkelbach. „Wir haben noch vor zwei Wochen mit unserer Trainingsgruppe in Riva am Gardasee intensiv trainiert und sind im Anschluss daran bei der italienischen Meisterschaft Vizemeister geworden.“
Zahlreiche gemeinsame Meistertitel
Markus „Keule“ Koy (51), ehemaliger Kadersegler, der zuvor gemeinsam mit Michael Koch, Robert Stanjek und Johannes Polgar segelte, wurde bisher insgesamt dreimal Starboot-Europameister und gewann zahlreiche deutsche Meistertitel. Nach über zwanzig Jahren in der Starbootklasse, in die er nach dem olympischen Aus des Dreimannbootes Soling wechselte, zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Profiseglern der Klasse.
„Ich segle überwiegend Drachen und Starboot und kann alle meine Erfahrungen, mein Wissen und meinen Background aus vier Olympiakampagnen und einer America’s Cup-Teilnahme einbringen“, sagt Markus Koy. „Das Starboot ist sehr trimmsensibel und intensiv zu segeln. Was man auf dem Starboot lernt, kann man auf alle anderen Bootsklassen übertragen. Außerdem ist es ein Riesenspaß, das Boot zu segeln.“

Steuermann Hubert Merkelbach blickt auf eine ähnliche Erfolgsbilanz zurück wie sein Vorschoter und feierte nun seinen siebten deutschen Meistertitel. „Nach einer kleinen Pause, in der wir mit anderen Partnern gesegelt sind, sitzen wir nun seit einem Jahr wieder zusammen in einem Boot und konnten sofort wieder an die alte Vertrautheit und seglerischen Erfolge anknüpfen“, sagt der 62-jährige Orthopäde aus Überlingen. „Wir sind beste Freunde und verstehen uns auch an Land prima – das ist eine wichtige Grundlage für gute Ergebnisse.“
Die nächste große Herausforderung für das wieder vereinte Erfolgsduo startet bereits in zwei Wochen mit der „Eastern Hemisphere“-Regatta auf dem ungarischen Balaton, einem Silver Star-Event, das mit einer Europameisterschaft zu vergleichen ist. Es folgt die Teilnahme an der EM im niederländischen Medemblik, bevor als Saisonhöhepunkt die Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Miami auf dem Programm steht.
Die Ergebnisse der Internationale Deutschen und Schweizer Meisterschaft der Starboote 2026 sind auf Manage2Sail zusammengefasst.