Internationaler Deutscher Meistertitel der O-Jollen geht nach Österreich

Ein Mann mit einem gelben Trikot und einer roten Mütze auf einer hölzernen Jolle.
Der Österreicher Martin Lehner gewann die IDM der O-Jollen 2026 mit dem einzigen Holzboot im Feld der 26 Teilnehmenden. © Jens Schröder

Vom 4. bis 8. Mai wurde auf dem Dümmer See die Internationale Deutsche Meisterschaft der O-Jollen ausgetragen. Gastgeber war die Seglervereinigung Hüde. Insgesamt gingen 26 Seglerinnen und Segler an den Start.

Bereits am 2. und 3. Mai fand auf dem Meisterschaftsrevier die „Kupferne Rohrdommel“ statt, die viele der Teilnehmenden zum Training nutzten. Am Montagabend wurde die IDM schließlich offiziell von SVH-Vorstand Uwe Fischer und Wettfahrtleiter Thomas Gote, Vorsitzender des Segler-Verbands Niedersachsen, eröffnet.

Mit dem ersten Meisterschaftstag am Dienstag änderten sich die Wetterbedingungen deutlich: Aus frühsommerlichen Temperaturen um 20 Grad wurden kühle 10 Grad und anhaltender Nieselregen. Bereits nach dem ersten Wettfahrttag setzte sich der Österreicher Martin Lehner (UYC Neusiedlersee) an die Spitze des Feldes.

Auch am zweiten Tag der Meisterschaft, der von Dauerregen und sehr trüben Witterungsbedingungen geprägt war, gelangen Martin Lehner zwei Tagessiege, so dass er seine Spitzenposition weiter ausbauen konnte.

Der dritte Tag brachte schließlich eine Wetterbesserung. Der Regen hörte auf und die Segelbedingungen wurden deutlich angenehmer. Nach insgesamt sieben gesegelten Rennen stand bereits am Abend vor dem letzten Regattatag fest, dass Martin Lehner neuer Internationaler Deutscher Meister der O-Jollen ist.

„Danke. Passiert nicht so oft, dass ein österreichischer Segler deutscher Meister wird – meistens ist es umgekehrt“, kommentierte er die Glückwünsche zu seinem Titelgewinn mit Humor.

Drei Männer die eine deutsche Meisterschaft im Segeln gewonnen haben, sie haben Medaillen um den Hals und Urkunden in den Händen.
Der Österreicher Martin Lehner (Mitte) gewann die IDM der O-Jollen 2026, bester Deutscher wurde Frank Hänsgen (links) vor Frank Lietzmann (rechts.) © Jens Schröder

Am Finaltag ging es schließlich noch um die verbleibenden Podiumsplätze. Bei leichtem Wind sicherte sich Frank Hänsgen (Brandenburger Seglerverein Quenzsee) den Sieg in der achten und letzten Wettfahrt. Damit wurde er nicht nur Vizemeister, sondern zugleich bester deutscher Teilnehmer. Frank Lietzmann (Dahme Jacht Club) genügte ein vierter Platz im abschließenden Rennen, um sich die Bronzemedaille zu sichern. Martin Pirner (Seglergemeinschaft Schwielochsee) belegte Rang vier. Die ehemalige ILCA 6 Leistungsseglerin Pia Kuhlmann (Schaumburg-Lippischer Seglerverein), die 2024 noch um das Ticket zu den Olympischen Spielen gekämpft hatte, kam auf den neunten Platz.

Die Ergebnisse der Meisterschaft sind auf Manage2Sail zusammengefasst.

Ehemaliger Europameister holt Titel

Der neue internationale deutsche Meister Martin Lehner, der vor allem im Laser zahlreiche Master-Titel gewann, ist in der O-Jollen-Szene kein Unbekannter. Bereits 2024 wurde der mehrmalige österreichische Staatsmeister in der 1936 von Helmut Stauch für die Olympischen Spiele entworfenen Jolle Europameister.

„Mit Martin hat ein hervorragender Segler gewonnen, der bereits am kommenden Wochenende bei den österreichischen Staatsmeisterschaften den nächsten Titel holen kann“, sagt Martin Pirner, Vorsitzender der deutschen O-Jollen Klassenvereinigung I.O.U. „Die Seglervereinigung Hüde hat eine hervorragende IDM ausgerichtet, bei der auf dem Wasser und an Land alles stimmte. Ich freue mich darauf, einen Großteil der deutschen Seglerinnen und Segler beim Euro-Cup im August am Comer See wiederzusehen.“

Meister segelte einziges Holzboot des Feldes

Bemerkenswert: Martin Lehner trat mit einem 62 Jahre alten Holzboot an. „Martins Boot ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass man mit einem überschaubaren Budget in der Klasse erfolgreich segeln kann“, betont Martin Pirner.

„Die O-Jollen-Klasse verhindert Entwicklungen, die alte Boote nicht mehr konkurrenzfähig machen würden“, ergänzt Martin Lehner. „Mein Boot wurde von Heinz Räder in Berlin gebaut. Das Schwesterschiff GER 495 war in den 1960er-Jahren Europameister. Natürlich ist mein Boot gut gepflegt, sorgfältig gewartet und mit nach meiner Erfahrung regattatauglichen Trimmeinrichtungen ausgestattet.“

Die Jolle mit dem „O“ im Segel verfügt über eine Cat-Takelung und einen Rundspantrumpf. Mit einem Gesamtgewicht von 220 Kilogramm ist sie vergleichsweise schwer, bietet dadurch aber eine hohe Stabilität. Auf einer O-Jolle könne man auch mit geringem Gewicht bei viel Wind gut segeln und mit viel Gewicht bei wenig Wind erfolgreich sein, sagen die Aktiven über ihre Klasse. Die Boote sind mit einem 11 Quadratmeter großen Segel ausgestattet und können dank des 26 Kilogramm schweren Schwerts bis ins hohe Alter gesegelt werden – bei überschaubaren Kosten. Keine Foliensegel, keine Karbonmasten: Mit dem bewussten Verzicht auf teure Innovationen ist es der Klasse gelungen, attraktiv und bezahlbar zu bleiben.

„Promojollen“ von der KV für den Einstieg

National konkurriert die O-Jolle vor allem mit Finn-Dinghy und OK-Jolle. „Wer ausprobieren möchte, ob die O-Jolle die richtige Klasse ist, kann sich über die Klassenvereinigung eine unserer drei Promojollen ausleihen“, erklärt Martin Pirner. „Die jeweiligen Flottenobleute helfen beim Einstieg in die Klasse, und wir freuen uns, wenn wir die Begeisterung für diese Boote weitergeben können.“

Ein Mann allein in einer Jolle mit weißem Rumpf er ist dunkel gekleidet mit einer schwarzen Mützen es regnet und ist neblig.
Frank Hänsgen wurde bei der IDM der O-Jollen 2026 auf dem Dümmer See bester Deutscher. © Jens Schröder