Eissegel-WM und -EM: Anja Fiedler ist die schnellste deutsche Frau

Eisseglerin Anja Fiedler gewinnt die WM und EM 2026 in Polen.
Doppelerfolg für Anja Fiedler: Die Kielerin gewann die Eissegel-WM und -EM auf dem Buckower See in Polen. © IDNIYRA Europe

Mit den Welt- und Europameisterschaften in Polen ging die Saison 2025/26 der Eisseglerinnen und -segler zu Ende. Erfolgreichste Seglerin im deutschen Team war Anja Fiedler aus Schwedeneck bei Kiel: Sie gewann in der Frauenwertung den WM- und EM-Titel. Aber auch alle anderen Fans der rasanten Segel-Sportart kamen in diesem Winter auf ihre Kosten.

Wer auf dem Eis Regatten segelt, muss eine Eigenschaft auf jeden Fall mitbringen: Flexibilität. Ursprünglich sollte das Doppelevent mit WM und EM an einem der zahlreichen Seen in Polen stattfinden. Die Verantwortlichen der europäischen Sektion der International DN Ice Yacht Racing Association (IDNIYRA) schalteten kurzfristig um, und der Tross mit mehr als 100 Starterinnen und Startern zog nach Nord-Schweden. Doch die Skandinavier hatten zu viel versprochen – das Eis auf der Ostsee nördlich von Norrköping in der Bucht Braviken hatte zu viele Spalten, war nicht regulär segelbar. Also alles retour und über die Ostsee zurück nach Polen, an den Buckower See in Westpommern. „Dort gab es dann bei guten Eisbedingungen kompakte Titelkämpfe“, sagt Bernd Zeiger, Landessekretär der Deutschen DN Eissegelflotte.

DN Gemany reiste mit 13 Aktiven an den See, erfolgreichste Seglerin war Anja Fiedler vom TSV Schilksee. Die 53jährige startete bei der WM in der Silver-Fleet, wurde dort Achte und damit insgesamt zum achten Mal Weltmeisterin. Frauen und Männer segeln gemeinsam in den Flotten, die Zusammensetzung der Gruppen ergibt sich aus der Rangliste. Bei der EM belegte die Kielerin in der Gold-Fleet am Ende Rang 21 und ist damit auch in Europa die zurzeit schnellste Frau im DN-Eisschlitten. „Das Eis in Polen war gut“, erzählt Anja Fiedler, die im Sommer ihre Erfahrungen als Europe-Regattaseglerin an den Nachwuchs weitergibt. „Doch der Wind, gerade bei den EM-Läufen, zeigte sich tricky, da er viel drehte.“ Für die Eissegelnden bedeutet das eine echte Herausforderung: „Im Gegensatz zum bewegten Wasser können wir die Windfelder nicht sehen, da ist viel Gefühl gefordert.“

Für die WM-Wertung gab es fünf Läufe für die 104 Starterinnen und Starter aus zwölf Nationen. Erst im letzten Rennen der leistungsstarken Gold-Fleet fiel die Entscheidung zugunsten des jungen Esten Rasmus Maalin, 26. Der Deutsch-Pole Karol Jablonski, der auch als America’s-Cup-Steuermann, Admiral‘s-Cup-Gewinner 1993 auf der „Container“ mit dem deutschen Team und Match-Race-Ass auf bewegtem Wasser bereits viele Erfolge feierte, spielte sein taktische Erfahrung als elfmaliger Weltmeister voll aus – doch insbesondere am Start musste sich der 63-Jährige der Sprintkraft der jüngeren Konkurrenten geschlagen geben.

Andi Lachenschmid, der ehemalige Weltmeister im Musto Skiff und heutige Waszp- und H-Boot-Segler vom Münchner Yacht-Club, wurde Zwanzigster. Auf Rang 21 folgte Jost Kolb (BSV Steinhude), auf Rang 35 Bernd Zeiger vom Kieler Yacht-Club.

Die Europameisterschaft ging ebenfalls an den Esten Maalinn vor Lukas Zakrzewski aus Polen und Karol Jablonski, Bernd Zeiger wurde 32. Einen Erfolg feierte Thomas Huber aus Bayern (Seglervereinigung Breitbrunn): Er gewann die Silber-Fleet. Die EM wurde nach drei Rennen an nur einem Tag final gewertet, starke Winde und Schneeverwehungen verhinderten weitere Wettfahrten.

Eissegeln satt und Werbung für die Winter-Wassersportart

Mit Minusgraden, Eis und Schnee hatte der Winter auch Deutschland einige Wochen fest im Griff, so dass auf vielen Seen in ganz Deutschland die schnellen DN-Schlitten aus Kellern und Garagen geholt wurden. Allein am Großen Pönitzer See in Schleswig-Holstein konnte nahezu vier Wochen lang gesegelt werden; auf zahlreichen Gewässern im Osten wie zum Beispiel dem Zierker See in Neustrelitz oder dem Stettiner Haff und im Süden Deutschlands (unter anderem am  Rottachsee) war das Wasser oft mehr als 20 Zentimeter dick gefroren und bot Eissegeln satt.

Der Himmel ist grau, der See schneebedeckt, im Vordergrund steht eine große Eisyacht aus Holz.
Die nach historischen Plänen von 1906 erbaute Eisyacht „Papagena“ auf dem Berliner Müggelsee ist 18 Meter lang und eineinhalb Tonnen schwer. © Lutz Deckwerth

Für Aufsehen sorgte dabei auf dem Müggelsee in Berlin neben zahlreichen DN-Schlitten die historische, eineinhalb Tonnen schwere Eisyacht „Papagena“. Nach alten amerikanischen Bauplänen von 1906 hatte die Berliner Familie Leven die 18 Meter lange Yacht 1996 bei einer finnischen Werft bauen lassen. 2013 übernahm Matthias Sponholz das Schiff, restaurierte es mit seiner Familie aufwändig – „um dann knapp zehn Jahren auf das richtige Eis zu warten“, erzählt der Eigner. „Jetzt haben wir gesehen: Die „Papagena“ kann segeln, in den kommenden Wintern hoffen wir, sie auch in Skandinavien auf größeren Seen aufs Eis bringen zu können.“

Hier seht ihr ein Video der Eisyacht:

 „Das alles war endlich einmal wieder Werbung für unsere rasante und faszinierende Wassersportart“, sagt Bernd Zeiger. Dass die geplante Deutsche Meisterschaft durch deutliche Plusgrade aktuell „ins Wasser fällt“, sei jetzt Pech.

Alle WM- und EM-Ergebnisse könnt ihr hier lesen.