Der Deutsche Meister 2025 im eSailing Offshore heißt Laurent Wurmser. Der 43jährige Maschinenbau-Ingenieur vom Deutschen Regatta Segelclub benötigte virtuell für die Strecke vom australischen Sydney nach Hobart auf Tasmanien genau drei Tage, sechs Stunden, fünfzig Minuten und 13 Sekunden. Auf den Rängen zwei und drei folgen Nicol Wiekhusen und Elke Haunschild, beide ebenfalls vom Deutschen Regatta Segelclub. Die Deutsche Meisterschaftswertung lief im Rahmen des bekannten Sydney Hobart Yacht Race, zu dem weltweit rund 12.400 eSailor gemeldet hatten. Das virtuelle Rennen auf der Plattform Virtual Regatta fand zeitgleich zur legendären Sydney-Hobart-Hochseeregatta auf „echtem“ Wasser statt.
50 deutsche eSailor starteten in der Nacht zum 26. Dezember 2025 um drei Uhr in das legendäre Offshore-Rennen von der australischen Stadt Sydney durch den südpazifischen Ozean bis nach Hobart. Rund 628 Seemeilen lagen vor den Segelnden, die unter Echtzeit-Wetterbedingungen virtuell ihre Offshore-Racer dirigierten.
Echtzeit-Wetter bedeutet, dass auf der digitalen Plattform alle sechs Stunden die Daten für Windstärke und -Richtung den wirklichen Bedingungen angepasst werden. „Spätestens dann heißt das für uns eSailor: hinschauen und reagieren“, erklärt Laurent Wurmser, der mit dem Nickname „El_Double_Ve“ in der eSailing-Community bei Regatten unterwegs ist.
Stabiles Wetter bestimmte lange Zeit das Rennen. Ein Fehler nach zwei Stunden bei der ersten Wende hatte Laurent Wurmser zunächst auf einen „Rang irgendwo um Platz zehn zurückgeworfen, und durch die stabilen Bedingungen gab es bis kurz vor dem Schluss nicht wirklich viel zu tun“, sagt der eSailor. Und damit auch wenig Chancen, sich im Feld der deutschen Segelnden nach vorne zu schieben.
Die Entscheidung fiel in der letzten Nacht
In der letzten Regattanacht drohte der Wind zu drehen, die Bedingungen wurden komplizierter. Alle Teilnehmenden an den PCs, Tablets oder Handys standen vor der Frage: Wechsel ich die Segel, verliere dadurch womöglich Zeit, komme am Ende aber besser zurecht? Und welchen Kurs programmiere ich jetzt?
„Ich habe kurz vor Tasmanien einen Kurs zwischen zwei Insel hindurch gewählt und mich außerdem am Ende gegen einen Wechsel der Segel entschieden“, sagt Laurent Wurmser. Die Taktik ging auf. Der Maschinenbauer schob sich an dem zu dem Zeitpunkt in der DM-Wertung führenden Nicol Wiekhusen vorbei und entschied die Deutsche Meisterschaft für sich. Nicol Wiekhusen überquerte zwei Minuten und 57 Sekunden später die Ziellinie, die Drittplatzierte Elke Haunschildt folgte nach vier Minuten und 21 Sekunden.
Der gebürtige Franzose Wurmser, der in Brüggen in Nordrhein-Westfalen lebt und in der Gesamtwertung des Sydney Hobart-eSailing-Races auf Rang 21 landete, sagt von sich selbst: „Ich bin kein „echter“ Segler; ich habe als Jugendlicher nur mal an einigen Sommer-Segel-Camps teilgenommen.“
Doch was ihn schon immer fesselte, waren die großen, weltweiten Regatten, wie zum Beispiel die Vendée Globe („Die Starts an der französischen Atlantik-Küste habe ich oft live miterlebt“). Sein Interesse für das eSailing entwickelte sich vor fünf Jahren, während der Corona-Pandemie. Da segelte er zum ersten Mal virtuell – mit viel Begeisterung die Vendée Globe.
„Ich bin technisch sehr interessiert – deshalb schlägt mein Herz auch für die transatlantischen Offshore Rennen“, sagt Laurent Wurmser. Das Wetter beobachten, die Routing-Apps studieren, am Ende eine Entscheidung fällen und den richtigen Kurs programmieren – dass er das kann, hat Laurent Wurmser bereits 2024 bewiesen. Bei der virtuell gesegelten Vendée Globe wurde er Zweiter – in einem Feld von weltweit 875.000 Teilnehmenden.
Die DM-Ergebnisse auf einen Blick:
- Laurent Wurmser (El_Double_Ve), Deutscher Regatta Segelclub e.V.
- Nicol Wieckhusen (NiWie2372), Deutscher Regatta Segelclub e.V.
- Elke Haunschild (Partris TG II), Deutscher Regatta Segelclub e.V.
- Eckhard Schlüter (Kiek mol in TG II), Deutscher Regatta Segelclub e.V.
- Arndt Scherdin (on.speed TG II), Förde-Yacht-Club Bockholmwik e. V.
- Christoph Eberhardt (Ebbo), Kressbronner Segler e. V.