Die Internationale Deutsche Meisterschaft der OK-Jollen fand dieses Jahr auf dem Großen Goitzschesee bei Bitterfeld statt. Ein Revier, das für die meisten Segler der Knickspant-Jollen überwiegend unbekannt war. Altmeister André Budzien zeigte wieder einmal seine Überlegenheit in der Einpersonenjolle und verteidigte den Titel gegen 63 Konkurrenten und drei Konkurrentinnen aus fünf Nationen. Für den 63-jährigen Ausnahmesegler aus Schwerin ist es der zehnte Meistertitel in der OK-Jolle.
Nachdem am ersten Regattatag mangels Wind nicht gesegelt werden konnte, sorgte der gastgebende Yachtclub Bitterfeld für ein unterhaltsames Ersatzprogramm. Am darauffolgenden 3. Oktober wurden bei zwei bis drei Windstärken vier Wettfahrten gesegelt, um vor dem drohenden ersten Herbststurm am Samstag genügend Läufe für die Meisterschaftswertung zu absolvieren. Doch am darauffolgenden Tag kam es nicht so schlimm wie befürchtet: Wettfahrtleiter Raik Wollenbecker bewies seine Revierkenntnis und schickte die Flotte trotz der stürmischen Prognose aufs Wasser. Drei Wettfahrten bei kräftigem Wind zwischen zwölf und 20 Knoten konnten so erfolgreich durchgeführt werden.

Am Sonntag setzte dann der vorhergesagte Sturm ein, sodass keine weiteren Rennen mehr möglich waren. Nach insgesamt sieben Läufen stand der neue – und zugleich alte – Meister fest: Mit nur acht Punkten lag André Budzien uneinholbar an der Spitze der Tabelle; sein „Streicher“ war ein OCS.
Zweiter wurde Ulli Kurfeld (Yachtclub Wismar von 1897), gefolgt von Sönke Behrens (Segel-Club Oevelgönne von 1901). Alle Ergebnisse der IDM sind auf Manage2Sail zusammengefasst.

Für den ausrichtenden Verein, den Yachtclub Bitterfeld, war es bereits die dritte IDM in der noch jungen Clubgeschichte. Der Verein wurde vor 24 Jahren gegründet, nachdem im ehemaligen Braunkohlerevier der Große Goitzschesee entstanden war. Die erste Meisterschaft richtete der Club für die in den ostdeutschen Bundesländern stark vertretene Ixylon-Klasse aus, es folgte vor zwei Jahren die Doppel-IDM der 505er sowie erneut der „Ixys“.

„In drei Jahren trauen wir uns die nächste Meisterschaft zu“, sagt Raik Wollenbecker, erster Vorsitzender des Vereins und zugleich Vorsitzender des Landesverbands Sachsen-Anhalt. „Die RS Aero- und Finn-Dinghy-Klassen haben bereits angefragt, ob wir für sie eine Meisterschaft ausrichten wollen.“
Obwohl der Verein mit rund 125 Mitgliedern relativ klein ist, haben die Seglerinnen und Segler in den vergangenen Jahren eine große Expertise in der Ausrichtung von Regatten aufgebaut. „Wir gehören zum Kreis der Mitveranstalter der Warnemünder Woche und betreuen dort eine eigene Bahn“, sagt Raik Wollenbecker nicht ohne Stolz.

Ihre Dankbarkeit für die professionell und herzlich organisierte IDM, an deren Durchführung rund 25 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer beteiligt waren, brachte die OK-Flotte auf ihre Weise zum Ausdruck: Alle unterschrieben auf einer großen Klassenflagge, die nun das Clubhaus des Vereins ziert.
Für einige Teilnehmende ging mit der IDM ein intensives Regattaprogramm zu Ende. Direkt vor der Meisterschaft fand auf dem Gardasee die WM der OK-Jollen mit einer Rekordbeteiligung von 214 Startern statt. Hier konnten sich drei deutsche Segler in den Top Ten platzieren: Stefan Hoffmann vom Deutschen Touring Yacht-Club belegte Rang acht, dicht gefolgt von Ulli Kurfeld auf Platz neun und André Budzien auf dem zehnten Rang. „Die Saison war intensiv“, sagt André Budzien. „Im Rahmen der Warnemünder Woche sind viele von uns auch noch die EM mitgesegelt. Da bleibt zum Training keine Zeit mehr.“
André Budzien hat bereits in der kommenden Woche die Chance, einen weiteren Meistertitel zu verteidigen: Vom 11. bis 15. Oktober findet auf dem Dümmer die IDM der Finn-Dinghys statt, zu der neben dem amtierenden Meister 93 Teilnehmende aus neun Nationen gemeldet sind. „Der Finn als ehemalige olympische Klasse liegt mit fast mehr als die OK, aber beide Klassen haben ein international sehr hohes Niveau und machen viel Spaß“, sagt André Budzien.