Vierzehn Seglerinnen und Segler, vier Trainerinnen und Trainer, acht Tage in Warnemünde und Rostock. Trainings auf dem Wasser und an Land, Museen, Synagogen und Stadterkundungen standen auf dem Programm, aber auch viel Zeit, um einfach zu quatschen und sich kennenzulernen – zum dritten Mal trafen sich Kinder und Jugendliche aus Deutschland und Israel zu einer Jugendbegegnung.
Nach 2024 und 2025 hatte die Seglerjugend erneut ein Team junger israelischer Sportlerinnen und Sportler nach Deutschland eingeladen. Anfang Oktober war es soweit: Sechs deutsche und acht israelische 420er-Seglerinnen und Segler zwischen 12 und 16 Jahren, ausgewählt nach ihren Saison-Leistungen, verbrachten in der Sportschule Warnemünde an der Ostsee gemeinsam eine Woche. Das Fazit aller Beteiligten: Es gab intensives Miteinander, spannende Erfahrungen, lustige Ereignisse und neue Freundschaften – gerne wieder.
Nachdem sich das Israelische Team von der strapaziösen Anreise mit langen Wartezeiten erholt hatte, kam „am zweiten Tag so richtig Bewegung in die Gruppe“, sagt Katharina von Schleinitz, 27. Die Hamburger Opti-, 420er, 470er und ILCA-Trainerin und aktive Europe-Seglerin vom Segel-Verein Altona Oevelgönne begleitete gemeinsam mit Thaddäus Rößler, 20, vom Cospudener Yacht Club Markkleeberg die Begegnung auf deutscher Seite. „In Absprache mit den israelischen Trainerinnen haben wir die Crews auf dem Wasser gemischt.“
Anschließend sei deutlich zu spüren gewesen, „dass die notwendige Abstimmung im Boot auch lebhafte Gespräche an Land auf Englisch und mit Händen und Füßen nach sich zog“, ergänzt Breiten- und Leistungssporttrainer und WASZP-Segler Thaddäus Rößler.

Trainings, Workshops, Bouldern und Basketball
Die Tage waren dann voll mit Aktivitäten und Erlebnissen. Während der intensiven Wassertrainings, zum Teil mit Windböen von mehr als 30 Knoten, wurde klar: „Die Stärken der israelischen Segelnden liegen bei viel Wind und vor allem hohen Wellen, während unser Team bei weniger Wind seine technischen und taktischen Fähigkeiten ausspielen konnte“, sagt Thaddäus Rößler.
Neben organisierten Workshops zu den Strukturen des Leistungssports, zu Regattaformaten und möglichen seglerischen Laufbahnen in den jeweiligen Ländern gab es an den Abenden unter anderem Volleyball- und Basketballspiele in der Halle der Sportschule Warnemünde und einen Schnupperkurs Bouldern.
Zum kulturellen Programm gehörte auch ein Besuch des Max-Samuel-Hauses in Rostock. Die historische Villa war früher das Wohnhaus der jüdischen Familie Samuel. Heute wird in ihr unter anderem das Familienschicksal durch Verfolgung durch die Nationalsozialisten und der Weg ins Exil exemplarisch für viele andere Familien dokumentiert und nachgezeichnet.
Freundschaften über Grenzen hinweg
„Am Anfang dieser dritten Jugendbegegnung stand zunächst „nur“ die verbindende Leidenschaft für das Segeln, am Ende gab es neue Freundschaften – über alle sprachlichen, religiösen und politischen Grenzen hinweg“, sagt DSV-Vizepräsident und Jugendobmann Jonathan Koch. „Gerade die deutsch-israelische Begegnung von jungen Menschen halte ich für sehr bedeutsam – vor dem Hintergrund der durch den Holocaust belasteten gemeinsamen Geschichte und durch die schwierige Lage im Nahen Osten, die einen Gegenbesuch zurzeit nicht möglich macht.“
Ein großes Lob geht an die Sportschule Warnemünde. Die Verantwortlichen hatten sich im Vorfeld des Besuchs ausgiebig mit der israelischen Esskultur beschäftigt und entsprechende Mahlzeiten zum Beispiel ohne Schweinefleisch serviert. Der Rostocker Segelverein „Citybootshafen“ unterstützte die Begegnung mit Charterbooten.
Die Seglerjugend und der israelische Seglerverband (Israel Sailing Association) hatten die Begegnung organisiert und koordiniert; gefördert wurde sie zudem vom Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch (ConAct).