Bei der World Sailing Inclusive Championship vor Portimão in Portugal sichert sich der deutsche Paralympics-Teilnehmer Jens Kroker die Silbermedaille in der Hansa 303. Nadine Löschke bestritt bei der WM ihre erste Regatta in der Hansa 303 in der Solowertung. Weitere deutsche Seglerinnen und Segler nahmen in den Bootsklassen RS Venture Connect und 2.4mR an der WM teil.
Jens Kroker hat bei der World Sailing Inclusive Championship vor Portimão in Portugal den Vize-Weltmeistertitel in der Hansa 303 gewonnen. Im Feld der 47 internationalen Seglerinnen und Segler aus 19 Nationen musste er sich nur dem Polen Piotr Cichocki geschlagen geben. Die Bronzemedaille ging an den Portugiesen João Pinto.
Entscheidung am letzten Wettfahrttag
Die Entscheidung fiel erst am letzten Wettfahrttag. Wie eng es an der Spitze zuging, zeigt ein Blick auf die Ergebnisliste: Am vorletzten Tag trennten die beiden Segler nur zwei Punkte. Nach den letzten Wettfahrten lag der Weltmeister um neun Zähler vorne.

„Für mich war es das bisher beste Resultat bei einer WM in der Bootsklasse“, sagt Jens Kroker (Norddeutscher Regatta Verein/Yachtclub Berlin-Grünau/Segelclub Prien am Chiemsee). Bei der Weltmeisterschaft von World Sailing vor Australien hatte er 2025 den dritten Rang belegt.
„Innerhalb der nächsten sechs Monate steht die Entscheidung an, ob Segeln wieder in die Paralympics aufgenommen wird. Für die deutschen Paraseglerinnen und -segler ist dieser Erfolg ein wichtiges Signal. Wir haben deutlich gezeigt, dass wir als Nation in diesem Bereich nach wie vor sehr gute Medaillenchancen haben und damit förderungswürdig sind“, erklärt Jens Kroker. Der Segler gewann im paralympischen Dreimann-Kielboot Sonar drei paralympischen Medaillen (Gold 2008; Silber 2000 und 2012) und drei Weltmeister-Titel.
Inklusives Segeln weltweit auf dem Vormarsch
Nadine Löschke (Verein Seglerhaus am Wannsee) nahm ebenfalls in der Single-Wertung der Hansa 303 an der Weltmeisterschaft teil und kam auf den 38. Platz. Sie bestritt ihre erste Regatta in der Hansa 303. In der RS Venture Connect nahmen drei deutsche Duos teil, bestes deutsches Team wurden Dirk Thalheim und Stephanie Brix (Wir sind Wir-Inclusion in Sailing) auf Rang 18. Im 2.4mR wurde Frank Bittner bester Deutscher auf Platz 8.
Bei der bisher größten Weltmeisterschaft der inklusiven Segelklassen waren insgesamt mehr als 200 Seglerinnen und Segler aus 40 Nationen in acht verschiedenen Bootsklassen am Start. Neben Menschen mit körperlichen Einschränkungen nahmen auch Menschen mit Seheinschränkung sowie Menschen mit kognitiven Einschränkungen teil. Die Rekordbeteiligung und die Teilnahme zahlreicher Seglerinnen und Segler aus Asien, Afrika und der Karibik unterstreichen den hohen Stellenwert des inklusiven Segelns weltweit.

„Neben dem World-Sailing-Präsidenten Quan Hai Li war auch CEO David Graham vor Ort, ebenso die Erste Vizepräsidentin des IPC, Leila Marques Mota. Segeln hat vom IPC bescheinigt bekommen, dass der Sport erstmals wieder alle formalen Kriterien zur Aufnahme in die Paralympics erfüllt. Nun muss sich im Vergleich mit den anderen Sportarten, die sich bewerben, zeigen, ob wir einen der begehrten Plätze bekommen“, erklärt Jens Kroker.
Als Geschäftsführer der von ihm gegründeten Turning Point Stiftung, Partner des DSV, setzt sich Kroker gemeinsam mit seinem Team auch für die Entwicklung von Inklusion durch Segelsport im Breitensport ein.
„Segeln wäre dann die erste Sportart, die nach einem Ausschluss aus den Spielen wieder inkludiert wird. Aber auch unabhängig von den Paralympics ist klar zu erkennen, dass das inklusive Segeln weltweit sowie innerhalb von World Sailing an Bedeutung gewinnt.“

Die Teilnehmerzahlen wachsen rasant. „Ich bin zuversichtlich, dass das Momentum auch ohne Paralympics weiterhin positiv bleiben wird. Das Engagement von World Sailing wie auch der einzelnen Nationen und Seglerinnen und Segler ist wirklich beeindruckend, und die Leistungsdichte ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, sagt Jens Kroker.
Unter den Wettfahrtoffiziellen waren auch drei deutsche Segler: Jürgen Schwittai (Segel-Club Münster) war Vorsitzender des Klassifizierungs-Komitees, Thomas Jatsch (Segler-Club Dümmer) war Mitglied des Technischen Komitees der RS Venture Connect und Manuel Hünsch (Hamburger Segel-Club) war Chief Umpire für das Vision Impaired Sailing und Mitglied der Internationalen Jury.Die inklusiven Segelweltmeisterschaften werden 2027 von World Sailing erneut gemeinsam mit den olympischen Bootsklassen in Gdynia, Polen, ausgetragen.
Alle Ergebnisse sind auf Manage2Sail unter diesem Link zusammengefasst.