Fahrtenwettbewerb 2025: Diese Reisen sind Gold wert

Heidi und Manfred Brandes mit einem Preis
Erhielten einen Sonderpreis für ihr seglerisches Lebenswerk: Heidi und Manfred Brandes. Links daneben DSV-Generalsekretär Germar Brockmeyer, rechts daneben DSV-Vizepräsident Claus Funk. © Finn Ole Kleinfeldt

Im Rahmen eines Seglerfestes vergab der Deutsche Segler-Verband (DSV) die Preise für den Fahrtwettbewerb 2025 in den Kategorien See und Küste in den Wertungen Gold, Silber und Bronze. Mit dem Commodore Preis für die beste seglerische Leistung wurde Skipperin Susanna Huhtanen (Segler Club Gothia) ausgezeichnet. Heidemarie und Manfred Brandes (See- und Segelsportverein Rostock und der Schiffergilde zu Berlin) erhielten einen Sonderpreis für ihr seglerisches Lebenswerk. Insgesamt bewarben sich 33 Skipperinnen und Skipper und ihre Crews mit ihren im Jahr 2025 stattgefundenen Törns um die Preise in den verschiedenen Kategorien. Neben jeweils drei Auszeichnungen in den Kategorien See und Küste wurden der Jugend- und Umweltpreis, der Familienpreis, der Gudrun Calligaro-Preis für die beste Skipperin sowie der Publikumspreis verliehen.

Mit einem stimmungsvollen Seglerfest feierte die Fahrtensegel-Community am 17. Oktober 2026 auf dem „Lieger“ in Hamburg-Oevelgönne die ausgezeichneten Reisen des DSV-Fahrtenwettbewerbs 2025. Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden von einer unabhängigen fünfköpfigen Jury ausgewählt. Sie setzte sich aus Mitgliedern des DSV-Ausschusses Fahrten- und Freizeitsegeln sowie aus erfahrenen Seglerinnen und Seglern der DSV-Mitgliedsvereine zusammen.

Kategorie See/Hochsee: Über den Atlantik und große Törns

Mit Gold in der Kategorie See/Hochsee wurde Susanna Huhtanen vom Segler Club Gothia ausgezeichnet. Mit ihrer Amigo 40 „Lille Ø“ überquerte die erfahrene Fahrtenseglerin gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Bergie den Atlantik. „Lille Ø is mostly sailed by a crew of four. Two humans and two machines“, sagt die aus Finnland stammende Seglerin über die Crew der „Lille Ø“, zu der sie auch den Autopiloten und die Windsteuerungsanlage zählt. Das in Schweden gebaute Schiff mit dem dänischen Namen wird von zwei Finnen unter deutscher Flagge und mit dem Stander eines deutschen Vereins gesegelt.

Für die gelungene Atlantiküberquerung zu zweit wurde Susanna „Suski“ Huhtanen zusätzlich mit dem Commodore-Preis für herausragende seglerische Leistungen geehrt. Persönlich entgegennehmen konnte sie die Auszeichnungen nicht, da sie derzeit mit ihrem Schiff im Südpazifik unterwegs ist. Mit einer emotionalen Videobotschaft, die bei der Preisverleihung gezeigt wurde, bedankte sie sich jedoch für die besondere Auszeichnung.

Zwei erfolgreiche junge Segler mit einem Preis in den Händen
Stellvertretend für die Crew der „Walross 4“ nahmen Anita Opaczyk und Thomas Riedmann den Preis entgegen. © Finn Ole Kleinfeldt

Silber in der Kategorie See ging an Ulf Bohlmann und seine Crew von der „Walross 4“ des Akademischen Segler Vereins Berlin. Ausgezeichnet wurde ihre „RosZoren“-Reise, die sie im September 2025 im Rahmen einer Transatlantiküberquerung des Schiffes anlässlich des 250. Unabhängigkeitstages der USA unternahmen. Die Teilstrecke führte von Roscoff über die Biskaya zu den Azoren nach Terceira. Insgesamt legte die Crew 1.599 Seemeilen zurück, davon 1.581 Seemeilen unter Segeln. Rund 1.350 Seemeilen segelte sie hoch am Wind, etwa 40 Seemeilen unter Spinnaker und 115 Seemeilen unter Code Zero.

Eine Segelcrew mit einem Stoffkamel in den Händen bekommt einen Preis.
Die Crew der „Oeding“ (vlnr): Claudia Zyzik, Tilo Kracke, Franz Vogt, Barbara Idel, Bernhard Stingl. © Finn Ole Kleinfeldt

Die Bronzemedaille erhielt Bernhard Stingl vom Segelsportklub Uerdingen. Mit der Vereinsyacht „Oeding“, einer X-46, legte er gemeinsam mit einer sechsköpfigen Crew mehr als 700 Seemeilen von Vigo bis Benalmádena entlang der spanischen und portugiesischen Küste zurück. Nahezu alle Crewmitglieder verfügten über einen SSS-, SKS- und SRC-Schein. Die Reise führte zu bekannten Zielen zwischen Portugal, Spanien und Marokko. Bereits im Vorfeld hatte sich die Crew intensiv mit möglichen Begegnungen mit Orcas und den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen sowie möglichen Folgen auseinandergesetzt. Unter Segeln entdeckte sie schließlich auch die nordmarokkanische Küste.

Kategorie Küste: Skandinavischer Zauber und die Kanalinseln

Gold in der Kategorie Küste ging an Jürgen Könemann vom Schilkseer Yacht-Club und seine Frau. Mit ihrer X 4.0 „Bellafix“ segelten sie von Dänemark über Norwegen und die Shetlandinseln zurück nach Kiel. In ihrem ausführlichen Reisebericht der über 2.000 Seemeilen langen Reise schilderten sie zahlreiche Begegnungen mit alten und neuen Segelfreunden sowie den besonderen Zauber Skandinaviens rund um Mittsommer.

Ein Seglerpaar in Norweger-Pullovern bekommt einen Preis.
Ihre Reise war „gold“ in der Kategorie Küste wert: Jürgen und Gundi Köhnemann. © Finn Ole Kleinfeldt

Den zweiten Platz in der Kategorie Küste belegte Kai Cording vom Duisburger Yacht-Club mit seiner Crew. Mit dem nur 7,45 Meter langen trailerbaren Kleinkreuzer „Colibri“ vom Typ Fabola Campus 7.4 unternahm die selbsternannten Fans der Tidengewässer von der Bretagne aus eine Reise auf die Kanalinseln. Unter dem Titel „Gischt, Gezeiten und Granit“ berichtete die Crew von diesem besonderen Törn.

Ein Mann mit einer Urkunde für einen Segelpreis in der Hand.
Kai Cording nahm stellvertretend für seine beiden Segelfreunde den Preis für den Törn mit dem Kleinkreuzer zu den Kanalinseln im Empfang. © Finn Ole Kleinfeldt

Bronze in der Kategorie Küste erhielt Gunnar Kuphal vom Berliner Yacht-Club (BYC). Er wurde für seine Reise mit dem Folkeboot „Blomquist“ von Rostock nach Mariehamn und zurück ausgezeichnet. Er war bereits 2022 vom DSV für einen anspruchsvollen Solotörn von Rostock nach Danzig ausgezeichnet worden.

Jugendpreis: Segeln, internationale Begegnung und Forschung

Mit dem „Jugend- und Umweltpreis“ zeichnete die Jury Skipperin Noa Wilhelmine Hassel vom Akademischen Segler-Verein zu Rostock aus. Sie führte das Vereinsschiff „Universitas“ von Rostock nach Klaipėda und zurück. Neben fünf Mitgliedern des Akademischen Segler-Vereins zu Rostock waren sieben weitere internationale Studierende an Bord.

Eine junge Crew vom ASV zu Rostock freut sich über einen Preis
Die Crew der „Universitas“ (vlnr): Linus Oestmann, Anna Heitkamp, Lorena Elsner, Lotte Skopnik, Noa Wilhelmine Hassel, Theobald Goltz. © Finn Ole Kleinfeldt

Unterstützt wurde die Reise durch eine Förderung von EU-CONEXUS, einem Zusammenschluss mehrerer europäischer Universitäten, dem auch die Universitäten Rostock und Klaipėda angehören. Darüber hinaus verband die Crew den Törn mit einem wissenschaftlichen Projekt: Auf See sammelten die Studierenden ozeanografische Daten zu Forschungszwecken. Dafür stellte das Institut für Ostseeforschung Warnemünde eine CTD-Sonde zur Verfügung, mit der Leitfähigkeit, Temperatur und Tiefe des Wassers gemessen werden können.

Familienpreis: Gemeinsam unter Segeln die Welt entdecken

Der Familienpreis ging an Stefan Schoone vom Yachtclub Accumersiel, seine Frau und die beiden Töchter. Mit ihrer Yacht „Lisann“ segelte die Familie von der Nordsee durch den Nord-Ostsee-Kanal in die Dänische Südsee.

Eine Familie erhält eine Auszeichnung für gute seglerische Leistung
Erfolgreiche Familie: Stefan Schonne mit seiner Frau Sonja und den Töchtern Lisa und Anni, die den Preis in den Händen hält. © Finn Ole Kleinfeldt

In einem ausführlichen Reisebericht und einem Video zeigten sie eindrucksvoll, wie besonders ein Familienurlaub unter Segeln sein kann.

Gudrun-Calligaro-Preis: Allein mit Hund durch den Sommer

Den Gudrun-Calligaro-Preis für die beste Skipperin erhielt die 30-jährige Sarah Britten vom Westfälischen Yachtclub Delecke. Mit ihrer zehn Meter langen Renke „Briwer“ segelte sie überwiegend solo und gemeinsam mit ihrem Hund „Willi Wuff“ vom IJsselmeer bis ins finnische Nagu und zurück.

Sarah Britten mit ihrem Hund auf dem Arm bei der Preisvergabe
Erhielt den Gudrun-Calligaro-Preis für die beste Skipperin: Sarah Britten mit Hund „Willi Wuff“. © Finn Ole Kleinfeldt

Damit erfüllte sie sich den Traum, einen ganzen Sommer auf den Meeren vor der eigenen Haustür zu verbringen. Ihr Motto für die Reise lautete: „Folge deinen Träumen – sie kennen den Weg.“

Sonderpreis für seglerisches Lebenswerk

Für ihr seglerisches Lebenswerk wurden Heidemarie und Manfred Brandes vom See- und Segelsportverein Rostock und der Schiffergilde zu Berlin ausgezeichnet. Das Berliner Ehepaar entdeckte erst als Erwachsene seine Leidenschaft fürs Segeln. Von den ersten Törns mit einer fünf Meter langen hölzernen Olympiajolle auf Binnen- und Boddengewässern führte ihr Weg zu ausgedehnten Reisen ins Mittelmeer und in die Karibik.

Seit vielen Jahren erkunden sie gemeinsam mit ihrer neun Meter langen Yacht „Libra“ die Welt. Vertrauen, Erfahrung und eine eingespielte Aufgabenteilung prägen ihre Reisen. In den vergangenen 45 Jahren erhielten sie zahlreiche Auszeichnungen verschiedener deutscher Segelvereine, darunter zweimal den Commodore Preis des DSV.

Publikumspreis: Die Gäste entscheiden

Auch die anwesenden Gäste waren gefragt: Am Abend des Seglerfestes stimmten sie über den Publikumspreis ab und mussten sich zwischen drei vorgestellten Reisen entscheiden.

Vier Männer, die beiden mittleren haben den Publikumspreis des DSV gewonnen und halten ein hölzernes Steuerrad in der Hand.
Gewinner des Publikumspreises des Fahrtenwettbewerbs 2025: Skipper Max Gerhardt (mit dem Steuerrad in den Händen) und Stefan Ley. © Finn Ole Kleinfeldt

Die meisten Stimmen konnte Max Gerhardt (Yachtsport-Club Deutschland) auf sich vereinen, der die Anwesenden mit seinem Törn nach Schottland und zu den Hebriden auf der gecharterten Dufour 36 Classic „Shadowfax“ überzeugte.

Ausgewählte Törns als Inspiration

„Die deutschen Fahrtenseglerinnen und -segler haben einmal mehr gezeigt, dass sie auf allen Revieren zu Hause sind und auch mit kleiner Crew große Distanzen zurücklegen. Sie beweisen, dass das Reisen unter Segeln eine Leidenschaft fürs Leben ist.“, sagte Claus Funk, Vizepräsident für Fahrten- und Freizeitsegeln des Deutschen Segler-Verbands (DSV). „Die ausgezeichneten Reisen machen Lust darauf, selbst die Leinen loszuwerfen und neue Reviere zu entdecken. Sie zeigen, dass es oft gar nicht viel braucht, um unter Segeln in neue Gefilde aufzubrechen.“

Der DSV-Fahrtenwettbewerb hat eine lange Tradition: 2022 feierte er sein 100-jähriges Bestehen. Ausgezeichnet werden besondere Reisen unter Segeln – von Törns auf Binnengewässern bis zu anspruchsvollen Hochseepassagen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht allein die zurückgelegten Seemeilen, sondern auch die sorgfältige Vorbereitung, gute Seemannschaft und die besonderen Erlebnisse, die eine Reise auszeichnen.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Fahrtenwettbewerbs 2025 im Überblick:

Kategorie See/Hochsee

Gold
Susanna Huhtanen (Segler Club Gothia)
Atlantiküberquerung mit der „Lille Ø“

Silber
Ulf Bohlmann (Akademischer Segler-Verein Berlin)
Mit der „Walross 4“ von Roscoff bis Ponta Delgada (Azoren)

Bronze
Bernhard Stingl (Segelsportklub Uerdingen)
Mit der Vereinsyacht „Oeding“ von Vigo bis Benalmádena

Kategorie Küste

Gold
Jürgen Könemann (Schilkseer Yacht-Club)
Mit der X 4.0 „BellafiX“ von Dänemark über Norwegen zu den Shetlands und zurück

Silber
Kai Cording (Duisburger Yacht-Club)
Mit dem Kleinkreuzer „Kolibri“ ins Tidenrevier Kanalinseln

Bronze
Gunnar Kuphal (Berliner Yacht-Club)
Mit dem Folkeboot „Blomquist“ von Rostock nach Mariehamn und zurück

Jugend- und Umweltpreis
Noa Wilhelmine Hassel (Akademischer Segel-Verein zu Rostock)
Mit der „Universitas“ und internationalen Studierenden von Rostock nach Klaipeda und zurück

Familienpreis
Stefan Schoone (Yachtclub Accumersiel)
Mit der Familie an Bord der „Lisann“ über die Nordsee und den NOK in die dänische Südsee

Gudrun-Calligaro-Preis (beste Skipperin)
Sarah Britten (Westfälischer Yachtclub Deleke)
Mit der „Briwer“ überwiegend solo segelnd vom Ijsselmeer bis nach Nagu in Finnland und zurück

Commodore Preis für herausragende seglerische Leistung
Susanna Huhtanen (Segler Club Gothia)
Solo-Atlantiküberquerung mit der „Lille Ø“

Preis für das seglerische Lebenswerk
Heidi und Manfred Brandes (See- und Segelsportverein Rostock und der Schiffergilde zu Berlin)

Publikumspreis
Max Gerhardt (Yachtsport-Club Deutschland)
Mit „Shadowfax“ nach Schottland und zu den Hebriden