Die notleidenden Fischer auf der Insel Rügen unterstützen – mit diesem Ziel starteten die Seglerinnen und Segler ihr Vereinsleben vor einem Jahrhundert. Neben dem Wassersport stehen auch heute noch Menschenfreundlichkeit im Mittelpunkt des Fürstlichen Yacht-Clubs Putbus auf der Ostseeinsel. Der DSV gratuliert zu diesem besonderen Jubiläum.
Ein Blitzeinschlag, viel Empathie und Hilfsbereitschaft – wie beim Fürstlichen Yacht-Club Putbus alles begann…
Die Geschichte des Vereins begann mit einem dramatischen Ereignis vor 100 Jahren – nicht für Seglerinnen und Segler, sondern für die Fischer auf Rügen. Der Blitz traf die Scheune in Lauterbach, einem Stadtteil von Putbus, in der sämtliche Gerätschaften der Berufsfischer aus vier umliegenden Dörfern lagerten. Das Gebäude brannte komplett ab, und die wirtschaftlich ohnehin gebeutelten Fischer im südlichen Rügen standen vor dem Nichts.
Zu dem Zeitpunkt weilten einige Segelnde des Potsdamer Yacht Clubs zur „Sommerfrische“ auf der Insel Rügen – die Berlinerinnen und Berliner hatten die Ostseegewässer als attraktives Ziel für sich entdeckt. Zudem stand mit der Pommernwoche eine bedeutsame Regatta im Kalender.

Die Wassersportlerinnen und -sportler zögerten nicht lange und handelten: Zur Unterstützung der Fischer gründeten sie in Berlin unter der Schirmherrschaft der Fürstin Marie zu Putbus den Fürstlichen Yacht-Club Putbus (FYP) – noch heute finden sich Krone und Wappen im Stander des Vereins. Schnell flossen erste Spendengelder an die notleidenden Berufsfischer.

Die Bande zwischen den Großstädtern, der Insel und dem Fürstenhaus wurden enger. 1927 etablierte sich Lauterbach durch das Engagement des FYP zum Stützpunkt und Zielhafen der Pommernwoche, der Verein richtete zudem verschiedene Verbandswettfahrten auf dem Greifswalder Bodden aus. Doch neben dem sportlichen Geschehen ging es immer auch darum, Menschenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft zu leben und zu einer Tradition werden zu lassen. Das Fischerfest zugunsten der Rügener entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des Rahmenprogramms der Pommernwoche, die enge Verbundenheit zum Fürstenhaus garantierte anhaltende wohltätige Unterstützung; auch das festliche Räucheraal-Essen in Berlin mit vielen generösen Spendern wurde zur Tradition und endete (vorübergehend) erst im Kriegswinter 1942. Bis dahin hatte der Fürstliche Yacht-Club Putbus durch seine Aktivitäten für die Fischer und ihre Familien unter anderem eine Gemeindeschwester bezahlt, eine Kinderbibliothek eingerichtet und ärztliche Versorgung ermöglicht.
… und wie es weiterging für den FYP: nach der Wende ein neues Leben in Lauterbach auf Rügen
Das Kriegsende bedeutete für die Seglerinnen und Segler im Osten Deutschlands das Ende des selbstbestimmten Vereinslebens. Einige Verein flohen in den Westen, andere gingen in „Betriebssportgruppen“ auf. Der Fürstliche Yacht-Club Putbus verschwand spurlos und lebte zunächst nur noch in den Erinnerungen einiger seiner Mitglieder fort. 1963 gab es eine Neugründung des FYP in Köln. Doch die wenigen Mitglieder zeigten weder sportliche noch philanthropisch ausgerichtete Interessen, die an den historischen Vereinsgedanken „Leben und leben helfen“ anknüpften. Es sei also nicht überraschend, „dass das Fürstenhaus die Nutzung des Familienwappens zu dem Zeitpunkt vorübergehend untersagte“, sagt Till Jaich, 1. Vorsitzender und Kommodore des FYP.
Nach der politischen Wende in Deutschland folgte auch die Wende für den Fürstlichen Yacht-Club Putbus. Die Zahl der Mitglieder stieg kontinuierlich, die Annäherung zum Fürstenhaus zu Putbus gelang, 2001 zog der Verein auf die Insel Rügen zurück und beteiligte sich sofort als Gastgeber für die Disziplin Segeln im Rahmen des Rügen-Triathlon (Segeln, Golf, Tennis). Ein eigenes Gelände oder einen Clubhafen gibt es bis heute nicht, die Boote der FYP-Seglerinnen und -Segler liegen in der Marina Lauterbach, das Restaurant „Kormoran im Yachthafen“ dient als Vereinsgastronomie.
Der Historie verpflichtet, Segeln und Gutes tun – der Fürstliche Yacht-Club Putbus heute
„Unsere Historie verpflichtet uns, Traditionen fortzuführen“, sagt Till Jaich. Standen einst die Fischer im Fokus, so geht es heute darum, „den Segelsport zu fördern und es möglichst vielen Kindern und Jugendlichen ermöglichen, aufs Wasser zu kommen.“
Eine klassische Jugendabteilung gibt es im FYP nicht, dafür umso mehr „offene Angebote für alle und eine tatkräftigte Unterstützung der Jugendarbeit hier vor Ort“, sagt der 1. Vorsitzende weiter. Mitsegeln auf dem Traditionssegler Ernestine oder Schnuppersegeln – in Zusammenarbeit mit dem Jugendring Rügen oder dem Yachtclub Putbus ist vieles möglich.
An- und Absegeln, zum Teil mit gecharterten Booten, kleine Regatten, gemeinsame Törns („auch Mitglieder ohne eigenes Boot finden immer einen Platz an Bord“) zum Naturhafen Gustow oder über den Greifswalder Bodden, Kutterfahrten rund um Rügen – all das schafft im Verein ein Zusammengehörigkeitsgefühl.
Der FYP mit seinen 50 Mitgliedern ist ein kleiner Verein mit flachen Strukturen. „Wir sind eine unkomplizierte Gemeinschaft, in der alle willkommen sind“, sagt Takelmeister Dietrich Subklew. „Mit oder ohne Boot, jung oder alt, reich oder mit wenig Geld, mit Familie oder ohne – nur Lust aufs Segeln, Lust auf Menschenfreundlichkeit und Lust auf Tradition sollten vorhanden sein.“
Und so treffen sich im Fürstlichen Yacht-Club Putbus zum Beispiel neue Rüganerinnen und Rüganer, um Kontakte auf der Insel zu knüpfen. „Aber auch die Verbindungen zu den Seglerinnen und Seglern aus Potsdam sind historisch bedingt wieder stärker geworden“, berichtet Dietrich Subklew.
Eine Tradition ist seit einem Jahrhundert fest verankert: das Aal-Essen, gekocht oder geräuchert – eine Jahreshauptversammlung ohne den Fischverzehr ist undenkbar.
Ein Blick in die Zukunft
„Wir wünschen uns natürlich mehr Mitglieder“, sagt Till Jaich. „Doch hier im Osten gibt es keine gewachsenen Strukturen im Segeln, das ist nicht ganz einfach.“ Auch deshalb sollen wohltätige Angebote ausgeweitet werden – um den Segelsport und gleichzeitig den Club attraktiver zu machen.
Das ist der Fürstliche Yacht-Club Putbus
Der FYP liegt auf Rügen. Seine Seglerinnen und Segler nutzen ein abwechslungsreiches Revier rund um die Insel mit breiten Boddengewässern, der offenen Ostsee und schmalen Sunden. Zum Verein gehören 50 Mitglieder, unter ihnen neben den Ortsansässigen auch viele Segelnde aus dem gesamten Bundesgebiet. Liegeplätze stehen in der Marina Lauterbach zur Verfügung. Tel. 038301 8090; Mail: [email protected]; www.fuerstlicher-yachtclub-putbus.de