Seit einem Jahrhundert gibt es den Verein in Köln-Porz. Segeln, Rudern und Motorbootfahren gehören zum vielfältigen Angebot und lassen am Rhein keine Langeweile aufkommen. Der Deutsche Segler-Verband gratuliert zu diesem besonderen Geburtstag und wünscht für die Zukunft alles Gute.
Wie beim Club für Wassersport Porz alles begann: Gründung im Tanzlokal und eine Bootshalle im Keller
Am Anfang stand ein Wunsch: Wir wollen uns auf einem schwimmenden Untersatz fortbewegen. So gründeten einige Wassersportbegeisterte am 1. Juli 1926 im Lokal Lindenhof mit seinem großen und bekannten Tanzsaal in Köln-Porz den Verein; die erste Satzung des Clubs für Wassersport Porz (CfWP) war rund sechs Woche später fertiggestellt, im November erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. Waren anfangs ausschließlich Paddlerinnen und Paddler unterwegs, so kamen nach und nach Ruderboote und später der Segelsport dazu. Der Kölner Unternehmer und Gutsbesitzer Ferdinand Mülhens Senior stiftete unter anderem einen Riemen-Vierer und einen Doppelzweier. Sie trugen die Namen der siegreichen Mülhens-Pferde „Palastpage“ und „Polfino“.
Der Keller des Tanzlokals Linden-Hof wurde kurzerhand umfunktioniert zur Bootshalle, eines der Club-Ruderboote hieß deshalb „Körfer“ nach dem Lokalbesitzers und späteren Ehrenmitglied Peter Körfer. Die Jugendarbeit kam schnell in Schwung, und der Club engagierte sich mit einigem Erfolg im Ruder-Leistungssport.

Der Zweite Weltkrieg stoppte alle Aufbauarbeit abrupt, die letzte Mitgliederversammlung fand 1940 statt. 1943 wurden bei Luftangriffen bis zu 70 Prozent der Club-Boote zerstört, die verbliebenen zu ihrem Schutz im Lindenhof-Keller eingemauert.
Nach Kriegsende musste der Bootskeller geräumt werden, und die Club-Mitglieder machten sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Sie wurden fündig bei der ehemaligen Immendorfschen Landbrauerei, oberhalb des Rosenhügel am Zündorfer Rheinarm. Zwar war der Keller halb verfallen und verwahrlost, schien aber für die geplanten Zwecke brauchbar zu sein. In unzähligen, freiwilligen und mühevollen Arbeitsstunden befreiten die Wassersportlerinnen und -sportler das Untergeschoss von 500 Kubikmeter Schutt – das entspricht rund 75 Standard-Containern. Mit dem Abraum wurde ein Weg zum Wasser befestigt.
Anfang der 1950er Jahre übertrug die Stadt Köln dem Club das 4.840 Quadratmeter große Grundstück am Rheinkilometer 677,3 (rechtsrheinisch) als Eigentum. Bis 1955 arbeiteten die Vereinsmitglieder zunächst noch am Keller; Platz für Boote, Duschen und Umkleideräume entstand, acht Jahre später konnten sie schließlich ihr Clubhaus und eine Bootswerkstatt einweihen.
Neubauten, Renovierungen und viel Eigenleistung – wie es beim CfWP weiterging
Zum fünfzigsten Geburtstag des Clubs im Jahr 1976 hatte die Stadt die Halbinsel Groov am Rhein zur Freizeitinsel umgestaltet, der Hafen entstand, und mit der neuen Club-Satzung vom 26. März 1976 war der Verein ganz im Sinne seiner Gründungsväter der neuen Situation angepasst: Wassersport für jeden Geschmack. Zum CfWP gehörten damals 251 Rudernde, 123 Segelnde und Motorbootfahrende.
1991 bis 1992 wurde das Clubhaus von Grund auf renoviert. „Und wieder leisteten die Vereinsmitglieder viele tausend ehrenamtliche Arbeitsstunden, um das Haus in seine jetzige Form zu bringen“, sagt der aktuelle Vorsitzende des Gesamtvereins, Michael Reitz. Das Clubhaus biete heute neben einem Kraft- und Trainingsraum sowie modernen sanitären Anlagen „auch ausreichend Platz für geselliges Beisammensein und Feiern“.
Anfang der 2020er Jahre forderte ein weiterer finanzieller und arbeitsintensiver Kraftakt die Vereinsmitglieder: Die Steganlage wurde komplett neu gebaut und eine Heizungsanlage mit Wärmepumpen und Photovoltaik installiert. „Mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt ist das Clubgebäude heute energetisch auf dem neuesten Stand.“

Rudern, Motorbootfahren und Segeln – der Verein lebt von seiner Vielfalt
„Wir bieten alles an“, sagt Michael Reitz als Gesamtvereins-Vorsitzender. Der Schwerpunkt liegt beim freizeitorientierten Wassersport: Segeltörns oder Motorboottouren den Rhein hoch und runter oder mit dem Ruderboot von Bad Honnef 37 Kilometer zurück nach Porz wie beim Anrudern in diesem Jahr zum Beispiel.
Doch der Rhein mit seiner starken Strömung und der Berufsschifffahrt war schon immer und wird in den kommenden Jahren eher ein noch stärker herausforderndes Revier. „Wir sind deshalb mit der Nachwuchsarbeit im Segeln auf den Zülpicher See ausgewichen“, sagt Friedrich Wilhelm Teutschbein, Vorsitzender der CfWP-Abteilung Segeln und Motorboot, im Verein kurz SeMo genannt.
Mit 52 Aktiven sind die Seglerinnen und Segler im Club für Wassersport Porz eine kleine Gemeinschaft – dafür aber eine mit großem Wirkkreis. Bestes Beispiel: Seit 1986 Jahren engagieren sich die Vereinsmitglieder bei der Rheinwoche, der größten Flussregatta Europas, mal ist der CfWP-Hafen Starthafen, Nothafen oder Etappenziel. „In diesem Jahr waren wir Ausrichter und haben den Stopp aller Crews bei uns auch zum Feiern unseres Jubiläums genutzt“, erzählt Friedrich Wilhelm Teutschbein. Der Hafen am Rheinkilometer 677,2 war brechend voll, die Atmosphäre wie bei der traditionellen Rheinwoche gewohnt familiär, die Stimmung ausgelassen.

„Bei uns wird es nie langweilig, und die Liebe zum Wasser eint uns“
Der CfWP ist eine Gemeinschaft von Sportbegeisterten – Hauptsache auf dem Wasser sein. „Bei uns sind ganz unterschiedliche Sportarten vereint, die gemeinsam die Infrastruktur für alle aufgebaut haben und erhalten“, sagt Michael Reitz. Natürlich gebe es hier und da mal Reibereien, zu unterschiedlich seien die Interessen. „Doch am Ende wird es durch diese Unterschiede nie langweilig. Die Liebe zum Wasser und die Begeisterung für einen gemeinsamen Hafen an einer der schönsten Ecken von Köln eint uns.“
Mit der Zeit gehen – ein realistischer Blick in die Zukunft
Mit dem Zülpicher See, 55 Kilometer vom Vereinsgelände entfernt, gibt es ein alternatives Segelrevier zum Rhein, doch für Friedrich Wilhelm Teutschbein steht ein anderes Problem im Fokus: „Es wird immer schwieriger, Kinder und Jugendliche aufs Wasser zu bekommen.“ Lange Schul- und Ausbildungszeiten und ein großes Freizeitangebot seien eine Herausforderung für die Segelvereine. Deshalb organisieren sie im CfWP immer wieder Angebote in Kooperation mit Schulen oder bieten für junge Menschen Törns mit vereinseigenen Booten zum Beispiel auf dem IJsselmeer an. „Wir geben immer wieder Impulse in die Gesellschaft und sagen: ´Hey, wir haben euch etwas zu bieten`.“
Auch Michael Reitz denkt ähnlich: „Wir versuchen, uns als Gesamtverein zu öffnen, gehen mit der Zeit.“ Standup-Paddeln, Motorsurfen oder Wakeboarden im Hafen gehören deshalb zum abteilungsübergreifenden Angebot des Clubs für Wassersport Porz dazu.
Das ist der Club für Wassersport Porz
Das Clubgelände liegt bei Rheinkilometer 677,2. Der vereinseigene Hafen hat rund 110 Liegeplätze, für Gäste sind ebenfalls Plätze reserviert. Das Clubhaus liegt gleich oberhalb des Hafens und der Ruderbrücke. Die CfWP-Gastronomie „Am Yachthafen“ mit Biergarten und einzigartigem Blick auf Hafen und Rhein ist für alle Gäste geöffnet. Zum Club gehören 467 Mitglieder, davon sind 272 Motorbootfahrerinnen und -fahrer, 52 Seglerinnen und Segler sowie 143 Rudernde; Adresse: In der Rosenau 10 a, 51143 Köln; E-Mail: [email protected]; Website: www.cfwp.de