Enthusiastisch. Engagiert. Begeistert. So begann vor einem Jahrhundert die Geschichte des Seglervereins Rahnsdorf. Und diese Eigenschaften leben sie noch heute, die Mitglieder des Vereins am Großen Müggelsee in Berlin. Der Deutsche Segler-Verband gratuliert zum runden Jubiläum und wünscht alles Gute für die Zukunft.
Ein eigenes Wassergrundstück „An den Bänken“ und viel Eigenleistung – wie beim Seglerverein Rahnsdorf alles begann…
Sie hatten wenig Geld, aber dafür umso mehr Begeisterung, Mut und einen starken Willen. „Wir wollen gemeinsam aufs Wasser und segeln!“ – mit diesem Ziel gründeten 21 Berlinerinnen und Berliner am 13. Juli 1926 den Seglerverein Rahnsdorf. Die Lage: perfekt. Vorne der Müggelsee mit einem anspruchsvollen Revier, hinten die Rahnsdorfer Bänke, ein Flachwasser an der östlichen Seite des Sees zum ruhigen Festmachen. Und das Problem mit dem Geld für das Wassergrundstück „An den Bänken 44“ regelten die Mitglieder auch – Kredite und privates Geld, zudem viel Eigenleistung und persönliches Engagement sorgten schnell für die Entstehung von Stegen, Bootshalle, Umkleideräumen und einer Kantine.
Das Vereinsleben blühte schnell auf: Viel Geselligkeit, intensives Segeln und der Regattasport prägten den Seglerverein Rahnsdorf schon früh. Anfang der 1930er Jahre gehörte der SVR zu den aktivsten und erfolgreichsten Vereinen in der Berliner Segelszene.

Der Zweite Weltkrieg stoppte die Aktivitäten, auch wenn das Vereinshaus und die Boote unversehrt blieben. Ein Feuer nach einem Luftangriff der Alliierten konnte von den Frauen des Vereins, die Tag und Nacht Brandwachen hielten, rechtzeitig gelöscht werden.
… und wie es weiter ging: Betriebssportgemeinschaft, DDR-Trainingszentrum, Meisterschaftstitel und nach der Wiedereinigung wieder der historische Name
Nach Kriegsende wurde der Verein vom DDR-Staat enteignet, für die Rahnsdorferinnen und Rahnsdorfer ging es weiter in den Betriebssportgemeinschaften (BSG). BSG Motor Ost, BSG Fernseheletronik; der Name wechselte, die Sparte blieb: Sektion Segeln.
„Ja, unser Name änderte sich“, sagt Ralf Elsner, der 29 Jahre als 2. Vorsitzender den Verein mitführte, „aber die feste Gemeinschaft blieb.“ Gemeinsam genossen sie die Wochenenden, feierten, bastelten, segelten und starteten erfolgreich bei Regatten. Neben anderen gewann zum Beispiel Horst Hermann zahlreiche nationale Regatten (Finn, O-Jolle, 20er Jollenkreuzer, Zehner), herausragend war auch der WM-Titel 1974 von Ilja Wolf und Bernd Klenke im FD. Die Crew lernte das Segeln beim SVR, startete zu dem Zeitpunkt aber für den Yachtclub Berlin-Grünau.
Die Rahnsdorfer Jugendabteilung war zu DDR-Zeiten offizielles Trainingszentrum für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre und zog viele junge Seglerinnen und Segler an. Viermal Training in der Woche förderten und formten viele DDR-Meisterinnen und -meister sowie Spartakiadesiegerinnen und -sieger.
Nach der Wiedervereinigung erhielt die Segelgemeinschaft im Sommer 1990 ihren historischen Namen zurück: Seglerverein Rahnsdorf 1926 e.V.
Doch nicht nur den Namen gab es zurück. Auch das Grundstück am Seeufer wurde dem Verein 1999 wieder übertragen, später konnten „wir durch viel Engagement und einem langwierigen Prozess auch rund 2.000 Quadrat des Nachbargrundstücks `An den Bänken 43´ dazu kaufen“, sagt Ralf Elsner. Ein zweiter Steg, der so genannte Oststeg, und viel Fläche für Boote und Regattateilnehmende waren gesichert.
Ralf Elsner erinnert sich gut an die Zeit nach der Wiedervereinigung: „Eine Zeitlang sind viele Vereinsmitglieder rausgegangen in die Welt, wollten Neues entdecken.“ Vorübergehend wurde es ein wenig ruhiger in Rahnsdorf. Auch die intensive Jugendarbeit stagnierte vorübergehend. Urgestein Peter Fechner ging in den Trainer-Ruhestand, und neue Konzepte mussten entwickelt und ausprobiert werden.
Eine große Herausforderung für den Verein und seinen Vorstand war das Unterschutzstellungsverfahren für den Großen Müggelsee. „Wesentliche Teile sollten zum Naturschutzgebiet erklärt werden, unter anderem Teile der Bänke und unseres Grundstückes sowie das Trainingsgebiet unserer Jugendabteilung“, erzählt Ralf Elsner. Nach langen Verhandlungen mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz erreichte der Seglerverein Rahnsdorf in Eigenregie die für ihn notwendigen Verbesserungen. Dazu gehörte auch die generelle Erlaubnis der Vertiefung des Hafengebietes und des Zugangs zum Müggelsee.
Intensive Jugendförderung und viel gemeinsames Fahrtensegeln – der SVR heute
Heute ist die Kinder- und Jugendförderung neben dem Regattasport („Wir richten immer noch Wettfahrten aus, aber wir haben längst nicht mehr so viele wettkampforientierte Seglerinnen und Segler im Erwachsenenbereich wie früher“) und dem Fahrtensegeln auf den Berliner und Brandenburger Gewässern, der Nord- und Ostsee das Herzstück des Vereins.
Eine Zeitlang beschäftigten der SVR und einige Nachbarvereine am Müggelsee gemeinsam einen hauptamtlichen Reviertrainer. Die Idee war gut, die praktische Umsetzung funktionierte bestens, doch am Ende entpuppte sich die finanzielle und steuerliche Abrechnung als schwierig.
Der Seglerverein Rahnsdorf und seine Verantwortlichen schwenkten um und stellten in Eigenregie ausgebildete Trainerinnen und Trainer auf Stundenbasis in Teilzeit an. Ehrenamtliche, Eltern und Sponsoren, meist Firmen aus dem Rahnsdorfer Umfeld, ergänzen und unterstützen, wo es notwendig und möglich ist.

Mit vereinten Kräften wurde in den vergangenen Jahren auch der vereinseigene Bootspark aufgefrischt. Für Anfängerinnen und Anfänger sowie für Fortgeschrittene gibt es jeweils zweimal pro Woche Wassertraining in Optis und ILCAs. Im Winter geht’s zum Athletiktraining in die Halle der Grundschule Rahnsdorf, im Clubhaus auf dem Vereinsgelände findet die Theorie statt.
Die Kooperation mit Schulen und vor allem das regelmäßige Trainingscamp in den Berliner Sommerferien locken immer wieder Kinder und Jugendliche in den Verein, „sodass wir uns zurzeit nicht über mangelnden Nachwuchs beklagen können“, sagen Ralf Elsner und der aktuelle Vereinsvorsitzende Michael Förster unisono.
Das Gesamtergebnis kann sich auch auf wettbewerbsorientierter Ebene sehen lassen: Viele Rahnsdorfer Kinder sind bereits in den Landeskader berufen worden, starten bei nationalen und internationalen Meisterschaften. Unter anderem hat auch der aktuelle deutsche Vize-Meister im Optimisten, Henry-Alexander Hübener, in Rahnsdorf die Grundlagen des Segelns gelernt.

Dass einige der entdeckten Segel-Talente sich irgendwann einen anderen Verein auf ihrem Karriereweg suchen, „das ist für uns okay“, sagt Ralf Elsner. Insbesondere die finanziellen, aber auch die organisatorischen Anforderungen im Leistungssport „können wir als kleiner Verein mit knapp 120 Mitgliedern dann nicht mehr wuppen“, ergänzt Michael Förster. Auch, wenn 20 Prozent des Mitgliedsbeitrag automatisch in die Jugendförderung laufen. „Aber die Grundlage, die wird bei uns gelegt.“
Eine Liebeserklärung: Gemeinschaft, Familie, Unterstützung, einfach so!
„Wer zu uns kommt, findet nicht nur einen Liegeplatz für sein Boot“, sagt Michael Förster. „Bei uns gibt’s eine Gemeinschaft, ein familiäres Miteinander über die Generationen hinweg, in der gegenseitige Unterstützung, ehrenamtliches Engagement und die gemeinsame Begeisterung für den Segelsport selbstverständlich sind, einfach so.“
Das Vereinsleben habe sich gewandelt, ja, sagt auch Ralf Elsner. Einige Seglerinnen und Segler kommen nur noch gelegentlich aufs Gelände und an die Stege. „Trotzdem ist unser Verein am wunderschönen Müggelsee und in der unbeschreiblichen Natur an den Rahnsdorfer Bänken immer noch ein besonderer Ort und magisch.“
Wer das erleben und sich einbringen möchte, ist jederzeit willkommen im SVR. Egal ob Neuling oder fortgeschritten.
Der Blick in die Zukunft
In den kommenden Jahren stehen einige Investitionen im Seglerverein Rahnsdorf an. Nach 2017 muss das Hafenbecken aufgrund von wieder zunehmender Verschlammung erneut ausgebaggert werden. „Boote mit einem Tiefgang ab 1,25 Metern fahren in unserem Hafen schon wieder durch Modder“, sagt Michael Förster. Und das Vereinshaus in Fachwerkbauweise benötige dringend eine Sanierung.
„Das wird eine echte Herausforderung“, sind sich Michael Förster und Ralf Elsner einig. Doch bisher habe man ja immer eine Lösung für alles gefunden. Das wird auch diesmal so sein.
Das ist der Seglerverein Rahnsdorf
Der SVR liegt am östlichen Ende des „Großen Müggelsees“ am Flachwasser „Die Bänke“. Diese sind aufgrund ihrer geschützten Lage ein ideales Übungsrevier für die Jüngsten, der Müggelsee ist ein spannendes Revier im Osten Berlins und zugleich der größte See der Stadt. Die vereinseigene Anlage umfasst rund 50 Wasserliegeplätze, etwa zehn Landliegeplätze sowie fünf Gastliegeplätze an insgesamt zwei Stegen. Zum Slippen existiert eine Schienen-Slipanlage mit Wagen und einem Bockkran zum Kranen von Booten bis max. 1,0 t Gewicht. Den rund 120 Mitgliedern sowie rund 30 Kindern und Jugendlichen in der Jugendabteilung stehen ein Versammlungs- und Clubraum, drei Bootsschuppen mit einem Jugendbootsbereich zur Verfügung. Gesegelt werden Optimisten, ILCA, verschiedene Jollen, Jollenkreuzer und Kielboote.
Adresse: An den Bänken 44, 12589 Berlin;
Telefon: 030 6489457;
Mail: [email protected];
Website: www.svr1926ev.de