Unter diesem Motto gibt es seit dem Jahr 1901 den Tegeler Segel-Club im Norden Berlins. Und noch heute ist sich die Gemeinschaft aus Freizeit- und Regattasegelnden, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einig: Alles andere lässt sich regeln. Der Deutsche Segler-Verband gratuliert zu diesem besonderen Jubiläum und wünscht alles Gute für die Zukunft.
Behördenerlass, feucht-fröhliche Runde und eine Sammelaktion – wie beim Tegeler Segel-Club alles begann…
Die Vereinsgeschichte begann mit einem Behördenerlass. Darin wurde 1901 entschieden, dass alle Sportboote zu registrieren und mit einem Kennschild zu versehen seien –mit Ausnahme von Vereinsbooten. Also entschieden sieben Eigner, deren Segelyachten in der Bucht vor dem „Seeschlösschen“ und an der Mündung des Tegeler Fließ lagen, im Rahmen einer feucht-fröhlichen Runde: Wir gründen einen Verein. Gesagt, getan, der Geburtstag des „Tegeler Segel Club“ (TSC) war der 10.03.1901.

1910 lag beim TSC als dem ältestem Verein des Bezirks schon eine beachtliche Flotte am Nordende des Tegeler Sees, der Malche. Die Mitgliederzahlen stiegen so rasant, dass immer häufiger die Vereinslokale gewechselt werden mussten. Schon damals galt die Devise: Alles lässt sich regeln, Hauptsache segeln. Die Vereinsmitglieder sammelten Geld für ein Clubhaus, der Grundstein konnte 1920 gelegt werden. Das Haus am Schwarzen Weg ist bis heute die Heimat der Segelnden aus dem TSC.
… und wie es weiter ging: Aufbau und eine ganz besondere Freundschaft
Mit der Machtergreifung durch die NSDAP 1933 wurde auch der Tegeler Segel-Club gleichgeschaltet. Doch schafften es die TSCer nicht nur, einen nationalistischen Vorsitzenden abzusetzen, sondern auch die Wahl des politischen Verbindungsmanns mehrfach zu torpedieren.
Der Zweite Weltkrieg ging nicht spurlos am Segel-Club vorüber. Segelkameraden starben im Feld, und im Saal des Vereinshauses wurden Feldbetten für ausgebombte Menschen aufgestellt. Nach Kriegsende beschlagnahmten die Alliierten die Boote, doch einer der TSC-Mitglieder hatte einen besonderen Einfall, erzählt TSC-Schatzmeister Kai Jürgens: „Er versenkte eine K-Jolle im Schilf und bewahrte sie so vor dem Zugriff.“
Trotz aller Widrigkeiten trafen sich die Vereinsmitglieder schnell wieder im Clubhaus, das den Krieg fast unbeschadet überstanden hatte. Da Vereine zunächst verboten waren, gab es auch für dieses Probleme eine Lösung nicht nur im Tegeler Segel-Club: Der Segelsport wurde einfach als Kommunalsport betrieben.
Die drohende Beschlagnahme des Clubgeländes durch die französiche Besatzungsmacht erfolgte nicht. Die Franzosen wählten die Villa Borsig als Hauptquartier und zogen nach nebenan an den See. Schon bald überzeugten die segelbegeisterten Soldaten ihren Kommandanten, auch dort den Segelbetrieb aufzunehmen.
Das war der Beginn einer wunderbaren deutsch-französischen Freundschaft, die die Wirren der Nachkriegszeit und später die Wende überstand und bis heute nichts von ihrem Reiz verloren hat.
„Wir sind mit dem Club Nautique Français de Tegel e.V. heute eng verbunden“, sagt Kai Jürgens. „Das Tor zwischen den beiden Grundstücken ist immer geöffnet.“
An der Tür hängt eine Plakette mit der klaren Botschaft: „Nicht schließen.“
Der Tegeler Segel-Club heute: sportliches Segeln, ein voller Regattakalender…
Das Wettsegeln gehört seit jeher zur DNA des Vereins: Clubregatten, offene Regatten, aber auch Termine für die Ausrichtung von nationalen und internationalen Meisterschaften stehen im Kalender des Tegeler Segel-Clubs. 2026 findet zum Beispiel die IDM der H-Boote beim TSC statt – „eine Bootsklasse, in der unsere Mitglieder bereits Deutsche Meistertitel gewonnen haben“, sagt Kai Jürgens. Auch auf internationaler Bühne segeln die Berlinerinnen und Berliner vom Tegeler See mehr als erfolgreich mit. Um nur zwei Beispiele von vielen zu nennen: Erik Kosegarten-Heil, zweifacher 49er-Bronzemedaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen 2016 und 2020 im Team mit Thomas Plößel und seit 2023 Steuermann des Germany SailGP-Teams, lernte das Einmaleins des Segelns beim TSC in der Malcher Bucht. Und mit Felix Krabbe kommt ein fünffacher Deutscher H-Boot-Meister und Olympiateilnehmer von 2004 ebenfalls aus dem TSC.
Der Regattakalender der Tegelerinnen und Tegeler ist umfangreich und bietet für jeden Geschmack etwas: Da sind zum Beispiel der Preis der Malche, der Koffer-Cup, Kurt-Weck-Gedächtnispreis, die 18-Stunden-Regatta LAKEitEASY oder das traditionelle Tegeler Jüngstenfestival, bei dem schon mal knapp 80 Opti-Seglerinnen und -Segler aus allen Berliner Revieren auf dem Wasser sind.

Und wer keine Regatta segeln möchte? Dann eben nicht. „Hauptsache Segeln, in welcher Form auch immer, das ist bei uns das alles Entscheidende“, erklärt Schatzmeister Jürgens. Die Fahrten-Crews im Verein sind viel in Richtung Dänemark, aber auch in ganz Europa unterwegs, und wenn mal jemand Mitseglerinnen und -segler sucht, dann findet sich schnell eine Crew auch für weitere Törns zusammen.
… und eine aktive Nachwuchsarbeit
Die Basis für Segelbegeisterung, für sportliche Erfolge und zugleich das Fortbestehen des Vereins liegt in der Nachwuchsarbeit – darüber sind sich die Mitglieder des Tegeler Segel-Clubs einig. Deshalb hat der Verein auch über die Jahre eine der aktivsten Kinder- und Jugendabteilungen im Berliner Raum aufgebaut.
„Aktiv“ bedeutet dabei: An beinahe allen Wochentagen gibt es fundierte Ausbildung und Trainings für die Jüngsten und Jugendlichen, in vereinseigenen Optis, 29ern, Piraten und seit zwei Jahren zusätzlich auf einer über Spenden finanzierten J/70, Sommer- und Wintercamps sowie Schnuppersegeln in den Ferien. Kai Jürgens lächelt stolz: „Meistens betreuen und trainieren unsere Vereins-Jugendlichen dabei rund 30 Kinder in einer Woche. On top zu Schule, Studium und Job.“
„Aktiv“ bedeutet für die Vereinsmitglieder aber auch noch etwas anderes: Es muss grundsätzlich möglich sein, dass jedes Kind und jeder Jugendliche, der Segeln ausprobieren möchte, auch aufs Wasser kann. Die Finanzen, die Entfernung zum See – das alles darf keine Rolle spielen. „Wenn jemand beim Schnuppersegeln keine Zeit hat, dem sagen wir: Melde dich, wir finden eine Lösung“, so Kai Jürgens.
Und wenn dann die Eltern mal ihre Kinder bringen oder abholen, dann kommen alle miteinander ins Gespräch – „und schnell ergibt sich eine neue Mitgliedschaft“.
Inklusion ist für die Mitglieder des TSC „eigentlich kein Thema, denn es ist eine Selbstverständlichkeit“. Ein barrierefreier Zugang zum Wasser und dem Clubhaus ist gegeben. Eine Flotte von fünf 2.4mR Booten wird derzeit von nicht behinderten Kameraden gesegelt, aber bietet allen Segelbegeisterten den Weg aufs Wasser. Hauptsache Segeln!
Mitgliederrückgang? Im Tegeler Segel-Club nicht wirklich das vorherrschende Thema. „Wir merken, dass sich immer mehr Jugendliche an den Verein binden und Verantwortung übernehmen“, sagt der Schatzmeister. „Da wächst eine neue TSC-Generation heran.“
Tolles Revier und entspanntes Miteinander – eine Liebeserklärung
„Wir liegen hier wunderschön an der Malche, und der Blick von der Terrasse über den See ist traumhaft“, gerät Kai Jürgens schnell ins Schwärmen. Einfach nur dasitzen, die Gastronomie genießen, miteinander klönen, Neuigkeiten und Törntipps austauschen, vor oder nach dem Segeln – was wollen Seglerinnen und Segler mehr!
Das ist der Tegeler Segel-Club
Der TSC liegt im nördlichsten der sechs Berliner Reviere am Tegeler See, einer rund 408 Hektar großen Erweiterung der Havel mit zahlreichen Inseln. Das vereinseigene Grundstück befindet sich an der Malche, einer Bucht des Sees. Zum Verein gehören 300 Mitglieder, von denen 100 Kinder und Jugendliche sind. Für die Segelausbildung und Trainings stehen drei vereinseigene Boote zur Verfügung. Es gibt eine Steganlage mit 60 Liegeplätzen, zwei Slipanlagen, einen Drehkran, eine Bootshalle sowie das historische Clubhaus. Adresse: Schwarzer Weg 27, 13505 Berlin; E-Mail: [email protected]; Website: www.tegeler-segel-club.de