100 Jahre Wassersportverein Heidelberg-West: viel Gemeinschaft und ein spannendes Revier

Zwei Menschen segeln in einer Jolle, sie haben ein weißes und ein blaues Segel gesetzt, die Sonne glitzert im Wasser.
Segeln, segeln und noch einmal segeln - darum geht es den Mitgliedern des Wassersportverein Heidelberg-West. © Wassersportverein Heidelberg-West

Seit einem Jahrhundert gibt es ihn, den Wassersportverein Heidelberg-West am Neckar. Die Gemeinschaft aus Seglerinnen, Seglern und anderen Wassersportlerinnen und Wassersportlern eint vor allem eins: die Liebe zur Natur und zum Wasser. Der Deutsche Segler-Verband gratuliert zum Jubiläum und wünscht alles Gute für die Zukunft.

Start in einem ehemaligen Turbinenhaus am Neckar – wie beim Wassersportverein Heidelberg-West alles begann…

Die Geschichte des Wassersportvereins Heidelberg-West begann mit einigen enthusiastischen Wassersportfreunden. Paddlerinnen, Paddler und einige Segelnde in Heidelberg am Neckar entschieden: Wir gründen einen Verein und wollen zusammen aufs Wasser.

Was fehlte, waren ein passendes Gelände und ein Bootshaus. Schnell einigten sich die Vereinsmitglieder mit der Stadt Heidelberg und pachteten das ehemalige Turbinenhaus des Unternehmens Portlandzement Heidelberg. Das Gelände war 1895 bei einem Brand zerstört worden, der Firmensitz wurde verlegt, und die Stadt kaufte den Besitz inklusive des besagten Turbinenhauses.

Aus der Anfangszeit des WHW existiert wenig, eine Mitgliederliste von 1938 weist 78 Vereinsmitglieder aus. Nach der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten folgte wie für alle anderen Vereine auch für den Wassersportverein Heidelberg-West die vorübergehende Auflösung der Gemeinschaft. Nach Kriegsende wurden Bootshaus und Boote von der US-Armee als Besatzungsmacht beschlagnahmt und für Freizeitaktivitäten und als Sitz des Militärsenders AFN genutzt.

…und wie es weiterging: Neugründung, Renovierung und Segeln als eigenständige Abteilung

Anfang 1950 erfolgte die erneute Eintragung ins Vereinsregister: Der WHW war neu geboren, und es sollte schnell wieder losgehen. Doch bis zur Rückgabe des Bootshauses mussten sich die Vereinsmitglieder zwei weitere Jahre gedulden. Nach der Rückgabe durch die Amerikaner musste der Bau am Neckarufer erst einmal grundlegend renoviert werden. 1953 gab es dann eine ausgelassene Einweihung, und die sportlichen Aktivitäten konnten wieder aufgenommen werden.

Das Bootshaus des WHW um 1950 © Wassersportverein Heidelberg-West

Bis zum Bau des Iqbal-Ufers, eines Teilstücks der B37 entlang des linken Neckarufers, im Jahr 1965: Das Bootshaus wurde quasi vom Neckar getrennt, Paddeln und Segeln waren vorübergehend stark eingeschränkt. Heute führt eine Unterführung zum Wasser.

Seglerinnen und Segler gehörten schon immer zum WHW, 1975 gründeten sie dann unter dem Dach des Vereins auch eine eigenständige Abteilung. Die organisierte Kinder- und Jugendausbildung startete – zum Teil in von Vereinsmitgliedern selbst gebauten Optimisten.

2010/2011 erfolgte eine Generalsanierung der Vereinsräume und des Bootshauses. Und seitdem wird wie immer Hand angelegt, wo es notwendig ist.

Rechts am Ufer eines Flusses ist eine Steganlage, an der einige Boote liegen
Die Steganlage des Wassersportverein Heidelberg-West am Neckar. © Wassersportverein Heidelberg-West

Der Wassersportverein Heidelberg-West heute: offen für alle und breit aufgestellt

Beim Wassersportverein Heidelberg West ist heute alles offen gestaltet, viele Mitglieder sind sowohl im Kajak, Kanadier oder Segelboot unterwegs. „Und das hat schon auch seinen besonderen Reiz“, erklärt Segelwart Moritz Bellers.

Die Kanuabteilung bietet Freizeit- und Familiensport beim Wildwasser- und Tourenpaddeln mit Kajak und Kanadier, auf heimischen und internationalen Gewässern. In der Kanupolo-Abteilung trainieren und spielen freizeit- und leistungsorientierte Teams mit- und gegeneinander. 

Die Segelnden im WHW organisieren und genießen ihren Sport auf einem Revier, das es in sich hat, und das sie trotzdem lieben. Der eher schmale Neckar mit seinen Strömungen und den durch Bebauung, Bäume und den Odenwald wechselhaften Winden sowie der Berufsschifffahrt, Ruderern und anderen Wassersportlern stellt hohe Ansprüche an das seglerische Können – wer hier das Jollensegeln lernt, weiß, wie es geht.  

Stichwort „Lernen“. Seit vielen Jahren engagieren sich ehrenamtlich insbesondere zwei WHW-Segelnde intensiv um den Nachwuchs: Waltraud Schöfer und Andreas Wernz bieten regelmäßig Opti-Kurse an, nach Ostern geht es los, am Ende steht der Jüngstensegelschein. Die Jugendlichen lernen und trainieren auf Lasern und 420ern und starten auch bei Regatten in der Umgebung.

Das wöchentliche Opti-Training des WHW bietet eine umfassende Segelausbildung. © Wassersportverein Heidelberg-West

Das Stichwort „Lernen im WHW“ gilt auch für einen anderen Bereich: Jugendlichen und Erwachsenen bietet der Verein den Erwerb des Sportbootführerschein Binnen und See an. Die Ausbildung ist eine wichtige Aktivität des Vereins: „Im November startet die Theorie, im April dann die praktische Schulung – und über dieses Angebot kommen immer wieder neue Menschen zu uns, die dann oft bleiben“, erklärt Segelwart Moritz Bellers. Das gemeinsame aktive Segeln bei den regelmäßigen Trainingsfahrten am Mittwoch und die Teilnahme an Regatten runden das Angebot ab.

Typisch für eine Universitätsstadt ist das Vereinsleben in der Schurmannstraße am Neckarufer von einer gewissen Fluktuation geprägt. Die Studierenden und Mitarbeitenden an Heidelbergs Universität und den zahlreichen Forschungseinrichtungen und Kliniken prägen das Leben der Stadt und damit des Vereins. „Viele kommen nur für einige Jahre in die Stadt und in den Verein, aber sie bringen immer neuen Wind mit.“

Trotzdem gibt es das typische Vereinsleben, in dem jeder jeden kennt, am Steg immer Zeit für ein Gespräch ist, „und wir uns gegenseitig helfen, wo es nötig ist“, erklärt Christoph Hennch, der seit mehr als 30 Jahren im WHW-Mitglied ist. „Auch ich bin für einen Job nach Heidelberg gekommen, und dann unter anderem wegen des Vereins geblieben.“

Eine Liebeserklärung: Segeln, segeln und noch einmal Segeln – was wollen wir mehr!

Segeln ausprobieren, Segeln lernen, Regatten Segeln, Segelscheine absolvieren, Segeln mit der ganzen Familie, auch ohne eigenes Boot, „denn bei uns können sich WHW-Mitglieder vereinseigene Laser, 420er und 470er leihen“, sagt Bellers und holt kurz Luft, bevor er stellvertretend für die WHW-Seglerinnen und Segler, die Liebeserklärung an den Verein fortsetzt. Gemeinsame Unternehmungen und jede Menge Gespräche bei Feiern, Grill- und Kochevents, Putz- und Reparatur-Sessions – die Liste der Aktivitäten ist lang. „Uns eint die Liebe zum Wassersport.“

Und das alles vor der atemberaubenden Kulisse der Stadt und des Heidelberger Schlosses – was wollen Seglerinnen und Segler mehr!

Viel Wind und einen ortsfesten Steg – das wünschen sie sich im WHW

Viel guten Wind auf dem Neckar und weiter „diese Mischung aus jungen und älteren, aktiven und gut gelaunten Mitgliedern“, sagt der Segelwart. Doch es gäbe da dann doch noch einen Traum: einen ortsfesten Schwimmsteg, der das ganze Jahr im Wasser bleiben könnte. Zurzeit müssen die Stegelemente aus Holz in einer großen Gemeinschaftsaktion im Frühling eingewässert und im Herbst wieder aus dem Wasser genommen werden. „Das schafft zwar ein großes Gemeinschaftsevent, ist aber auch anstrengend für alle.“

Das ist der Wassersportverein Heidelberg-West 1926

Der Verein liegt am Neckar, direkt in der Stadt Heidelberg. Zum Verein gehören neben den Seglerinnen und Seglern die Abteilungen Wander- und Wildwasserpaddeln sowie Kanupolo – insgesamt zählt Verein rund 350 Mitglieder, ein Drittel von ihnen segelt. Mit dem Uni-Sport und der Rudergesellschaft Heidelberg teilen sich die Vereinsmitglieder das Areal auf dem auch eine Gastronomie angesiedelt ist. Direkt am Neckar befindest sich eine Steganlage, auf dem es 19 Trockenliegeplätze und acht Plätze im Wasser gibt. Außerdem vorhanden: zahlreiche vereinseigene Boote zur freien Nutzung, für Ausbildung, Trainings – unter anderem werden 12 Optis für die Nachwuchsarbeit. Das Revier vor der Tür, der Neckar, ist spannend und herausfordernd zugleich. Adresse: Schurmanstrasse 2, 69115 Heidelberg; E-Mail: [email protected] Website: https://www.whw-hd.de/