300 Quadratmeter, ein kleiner Schuppen und zwölf segelnde Mitglieder – so startete der Verein im Berliner Stadtteil Köpenick im Jahr 1926. Heute ist im Cöpenicker Segler-Verein (CSV) für jeden Geschmack etwas dabei: Regattasegeln, Fahrtensegeln und eine aktive Kinder- und Jugendabteilung. Der Deutsche Segler-Verband gratuliert zu diesem besonderen Jubiläum und wünscht alles Gute für die Zukunft.
Start an der Gartenstraße und der Neubeginn nach dem Krieg – wie beim Cöpenicker Segler-Verein alles begann…

Die Vereinsgeschichte begann im Berliner Stadtteil Cöpenick, damals noch mit „C“ geschrieben. Emil Naujoks, Paul Ernst und Ernst Budee waren die Gründerväter: Gemeinsam mit neun weiteren Mitgliedern pachteten sie 1927 ein 300 Quadratmeter großes Vereinsgelände mit Schuppen an der Gartenstraße. Schnell folgten weitere Grundstücke. 1930 zog der Verein um an den heutigen Standort an die Friedrichshagener Straße auf das Gelände der ehemaligen Pabst-Werft. 1931 gehörten rund 65 Mitglieder und 40 Segelboote zum Verein.

© Cöpenicker Segler-Verein
Auch am CSV gingen die politischen Veränderungen ab 1933 nicht vorbei, zahlreiche Wechsel und Rücktritte im Vorsitz zogen Unruhe nach sich. Bombenangriffe zerstörten am Ende weite Teile des Vereinsgeländes und einige Boote, ans Segeln war zunächst nicht mehr zu denken.
Langsam kam das Segeln ab 1949 wieder in Schwung. Die Köpenicker bildeten 1951 die Sektion Segeln der Sportgemeinschaft Friedrichshagen (SGF) und feierten jede Menge sportliche Regattaerfolge. Eng verbunden waren sie unter anderem mit der Bootsklasse der Drachen: Schon Theodor Ernst, Werftbesitzer und Bootsbauer, segelte leidenschaftlich und erfolgreich unter anderem seinen Drachen „Ralle“; Sohn Manfred Ernst gewann zahlreiche DDR-Meistertitel und verschrieb sich wie der Vater erfolgreich der Konstruktion von Booten. Nach seinen Rissen gebaute Boote segeln noch heute.
… und wie es weiter ging: Führerscheinausbildung, Eissegeln und Neugründung
Neben den sportlichen Erfolgen nahm die SGF auch im Bereich der Ausbildung und des Führerscheinwesens eine wichtige Rolle in der Segelwelt ein: Wer in der DDR die Binnengewässer befahren wollte, musste den sogenannten A-Schein machen – den heutigen Sportbootführerschein Binnen. „Und dafür spielte die SG Friedrichshagen in Berlin eine zentrale Rolle“, sagt Sven Möbus, Vorsitzender des Cöpenicker Segler-Vereins. Denn die Köpenicker führten seit den 1950er Jahren mit viel Engagement in den Wintermonaten bis zu acht Berechtigungskurse in Theorie und Praxis mit jeweils rund 100 Teilnehmenden durch. „Ein herausforderndes Stück Arbeit, aber schon zu der Zeit galt: im Team Hand in Hand zusammenarbeiten.“
Eine eingeschworene Gemeinschaft bildeten auch die Eissegel-Enthusiasten des CSV. Die 12er Eissegelschlitten, unter anderem benannt nach den drei Eisheiligen Servatius, Pankratius und Mamertus, wurden im Winter zumeist auf dem Müggelsee zu Eis gelassen, erfolgreiche Starts bei Deutschen Meisterschaften und weiteren Regatten im Berliner Raum gehörten dazu.
Nach der Wende nahm der Verein erneut seinen ursprünglichen Namen Cöpenicker Segler-Verein an – weiterhin mit „C“, obwohl der Berliner Stadtteil sich längst mit „K“ schreibt. Die Unsicherheiten darüber, wie es für die Ost-Vereine und das Segeln weitergehen würde, legten sich nach und nach.
Der CSV heute: Kooperationen mit den Nachbarvereinen, Wettfahrten und ganz viel Fahrtensegeln
„Segeln darf keine Frage des Geldes sein“, sagt Sven Möbus stellvertretend für die Mitglieder des Cöpenicker Segler-Vereins. Jedes Kind, das Segeln lernen möchte, sollte dazu auch die Chance bekommen. Deshalb gibt es im CSV eine überaus aktive Kinder- und Jugendabteilung: Das ehrenamtliche Trainerteam leitet die Opti-Trainings für die Jüngsten, 420er-Einheiten für die Älteren, Sommertrainingslager und Wettfahrten und organisiert den Betrieb der Schul-AG („Die Kinder können ein Jahr reinschnuppern, dann müssen sie entscheiden, ob sie in den Verein als Jugendmitglied eintreten möchten“). Und wer Lust hat, ist im Winter zum Hallensport willkommen.

„Dabei arbeiten wir eng mit den Nachbarvereinen in den Revieren Müggelsee und Dahme zusammen“, sagt Sven Möbus. „Uns allen geht es darum, gemeinsam den Nachwuchs zu begeistern und uns nicht gegenseitig Einsteigerinnen und Einsteiger abzuwerben.“
Allein acht Trainerinnen und Trainer werben auf der CSV-Website für das Segeln, engagieren sich an Land und auf dem Wasser. Seit 2023 ist der Verein ausgezeichnet mit dem Kinderschutzsiegel des Landessportbundes Berlin. „Wir sind uns der Verantwortung im Umgang mit jungen Menschen bewusst und meinen es ernst damit.“ Deshalb gibt es bereits seit rund zehn Jahren in der Segel-Gemeinschaft Kinder- und Jugendschutzbeauftragte, regelmäßige Auffrischungsschulungen inkluisve.

Für die wettfahrtambitionierten Seglerinnen und Segler aus Köpenick gibt es unter anderem in Zusammenarbeit mit sechs weiteren Vereinen im Revier Müggelsee seit 2010 den Müggel-Cup mit vier Regatten in der Saison. „Diese Serie ist auch als niedrigschwelliges Angebot für all diejenigen zu verstehen, die in die Wettfahrtszene einsteigen und sich ausprobieren wollen“, erklärt der Vereinsvorsitzende. Einige Mitglieder seien aber auch bei der Travemünder Woche, bei nationalen Meisterschaften oder Offshore-Regatten anzutreffen.

Tragender Bestandteil des Vereins war schon immer und ist auch heute noch das Fahrtensegeln. Das einfache Leben an Bord, das Erleben von Natur, Wind und Wetter sei manchmal sportlich, aber der Faktor Erholung „ist einfach groß“, gerät Sven Möbus ins Schwärmen. Auf dem Wasserweg starten die CSV-Mitglieder mit eigenen Booten nicht nur Richtung Brandenburger und Mecklenburger Gewässer, sondern auch über das Oder-Schiffshebewerk auf die Ostsee, über die Elbe zur Nordsee oder sogar ab Regensburg zum Schwarzen Meer. „Vereinscrews chartern aber auch Yachten auf der Ostsee oder am Mittelmeer.“ Der Reisebericht mit Fotos und Geschichten vom Törn gehört im Anschluss auf dem Steg und im November zum jährlichen Filmabend dazu.
Stichwort Winter: Wenn die Temperaturen es zulassen und der Müggelsee gefroren ist, packen die Berliner traditionell ihren vereinseigenen, blau-gelben Eissegler „Eislaus“ aus und los geht’s. Alternativ gibt es eine Partie Eishockey auf dem gefrorenen Hafengewässer oder jeden Dienstag die traditionellen Hallenzeit zum Volleyballspielen oder Fitnesssport.
Eine Liebeserklärung: Das Gemeinschaftsgefühl macht stark
„Bei uns im CSV haben wir für jeden ein Ohr“, sagt Sven Möbus. Egal ob jung oder alt, mit eigenem Boot oder ohne, fahrten- oder regattaorientiert – alle können, dürfen und sollen ihre Interessen und Ideen einbringen.
Der Einsatz lohnt sich. Auffällig ist der gelungene Austausch zwischen den Generationen. „Die Jugend profitiert vom Wissen der Alten, und diese können wiederum auf die Hilfe und Unterstützung der jungen Vereinsmitglieder bauen“ – das steht nicht nur theoretisch auf der Website des Vereins, sondern funktioniert auch wirklich: beim gemeinsamen Ab- und Aufslippen, beim Trailerrücken, beim Pfingstfest, beim Segeln um den Müggelcup oder im Herbst beim Knoten- oder Spieleabend. Auch der Erfahrungsaustausch rund ums Segeln, die Bootspflege oder technische Fragen laufe generationsübergreifend gut, so der Vereinsvorsitzende. Es gibt viele Aktivitäten, an denen alle Altersgruppen gemeinsam teilnehmen. „Dieses Gemeinschaftsgefühl macht uns aus. Und dieses Gemeinschaftsgefühl macht uns stark.“
Der Blick in die Zukunft
Der CSV hat viele Pläne, „und die können wir nur gemeinsam mit allen Mitgliedern umsetzen“, sagt Sven Möbus. Dazu zählen unter anderem der Bau eines kleinen Hauses für die Jugend sowie geplante Investitionen in energiesparende Infrastruktur und künftig vielleicht auch Photovoltaik-Anlagen – all das jedoch ohne die Kürzung der Zuschüsse für den Regatta- und Jugendsport.
Grundsätzlich wünschen sich die Mitglieder im CSV eine stärkere Vernetzung mit lokalen Förderern sowie eine einfachere und entschlussfreudigere Verwaltung im Bezirk – ergänzt der Vorsitzende. Hinzu komme der Wunsch nach stärkerer Unterstützung bei den Uferbefestigungen der Wasserstraßen sowie bei der Mitfinanzierung von Steganlagen durch den Bund und die Stadt Berlin.
Das ist der Cöpenicker Segler-Verein
Der CSV liegt am alten Spreebogen an der historischen Altstadt von Köpenick und gehört zum Berliner Revier Müggel. Das Grundstück und der Hafen befinden sich auf einem Pachtgrundstück des Bezirks. Der Verein verfügt über 70 Wasserliegeplätze sowie acht Trockenplätze für Jollen, Gastlieger sind willkommen. Es gibt ein Clubhaus mit Gastronomie und eine Bootshalle. Zum Verein gehören 106 aktive Mitglieder aller Altersklassen – ein Drittel ist unter 18 Jahre alt. Für den Nachwuchs liegen 16 vereinseigene Boote bereit. Von Köpenick aus sind der attraktive Müggelsee und das Revier Dahme bestens zu erreichen.
Adresse: Friedrichshagener Straße 8M, 12555 Berlin; Telefon: 030 6572048; E-Mail: [email protected]; Website: www.csvberlin.de