Am 30. Mai erlag der erfahrene Hochsee-Regattasegler Jörgen Heinritz mit 73 Jahren einer Krebserkrankung. Er war langjähriger Weggefährte des ehemaligen DSV-Präsidenten Hans-Otto Schümann und an Bord zahlreicher Yachten als Crewmanager, Taktiker sowie Steuermann im Einsatz.
Die Vita von Jörgen Heinritz, den kaum jemand bei seinem eigentlichen Vornamen nannte und der vielen nur als „Jörgi“ bekannt war, liest sich wie ein Abriss der Geschichte des Segelsports und der Weiterentwicklung moderner Hightech-Rennyachten der vergangenen 50 Jahre. Das Aufkommen der deutschen Cupper Szene, GFK und später Kunststoff-Wabenbauweise und Aramid, dazu der Einsatz von Kohlefasern: „Jörgi“ Heinritz war mittendrin.
Weggefährten beschreiben ihn als einen talentierten, erfahrenen, wissbegierigen Tausendsassa auf unterschiedlichsten Booten und in vielen Bereichen des Segelsports. Er legte nicht nur unzählige Meilen auf Yachten rund um die Welt zurück, sondern gehörte mit zwei Siegen beim Admiral’s Cup und dem Gewinn des Sardinia Cups auch zu den erfolgreichsten deutschen Offshore-Seglern.
Den Einstieg in die Welt der großen Regattayachten ermöglichte ihm der ehemalige DSV-Präsident Hans-Otto Schümann, der den damals erst 22-jährigen Jörgen Heinritz nach Kinder- und Jugendjahren in verschiedenen Jollenklassen im heimischen Heiligenhafen 1975 an Bord seiner „Rubin V“ holte.
Es war der Beginn einer jahrzehntelangen Segelpartnerschaft und Freundschaft zwischen dem aufstrebenden jungen Segler und dem Nestor des deutschen Segelsports, der die deutsche Cupper-Szene über Jahrzehnte prägte.
Bis zum Ende der aktiven Regattalaufbahn von Hans-Otto Schümann im Jahr 1997 gehörte Jörgen Heinritz fest zum Team der „Rubin“. An Bord übernahm er die unterschiedlichsten Positionen und lernte insgesamt elf verschiedene Regattayachten des erfolgreichen deutschen Seeseglers kennen.
Über die „Rubin“ und die zahlreichen internationalen Regatten knüpfte er weltweit Kontakte und erkannte früh, wie stark sich der Segelsport internationalisierte und welche Bedeutung internationale Regattaerfolge haben.
Die letzte „Rubin“, die „Rubin XVI“, eine Fahrtenyacht von Najad mit Kohlefasermast, übernahm er nach dem Tod Schümanns und segelte sie gemeinsam mit seiner Frau.
Heinritz war weit mehr als nur mit der „Rubin“ verbunden: Er segelte auf der „SiSiSi“, entwickelte den späteren „Schlüssel von Bremen“, nahm an nahezu allen prestigeträchtigen internationalen Regatten teil und war auf allen Revieren der Welt zu Hause.
Zudem segelte er auf bekannten Yachten wie „Loftfari“, „BonBon“, „Outsider“, „Drumfire“, „Elan“ und „Elida“. Neben seinen Aufgaben als Steuermann und Taktiker übernahm er häufig das Crewmanagement sowie die Betreuung von Neu- und Umbauten. Erst vor zehn Jahren wagte er sich als Steuermann der einzigen deutschen J-Class-Yacht „Topaz“ noch einmal auf seglerisches Neuland.
Der ehemalige Lehrer eignete sich sein Wissen über Konstruktion und Yachtbau autodidaktisch an und baute sich mit der „Connection“ ein eigenes, für das Vermessungssystem IMS optimiertes Boot.
Darüber hinaus war er viele Jahre als Vermesser für den DSV aktiv und arbeitete in der Arbeitsgruppe Yardstick mit. Zudem engagierte er sich intensiv bei der Entwicklung des Ostseecups sowie von Yardstick- und ORC-Club-Regatten in den Gewässern rund um Fehmarn, die Lübecker Bucht und die Wismarer Bucht.
In der Traueranzeige bezeichnet seine Familie ihn als „Denker und Lenker vieler internationaler Yachten“. Seinem Seglerleben entsprechend wird anstelle von Blumen und Kränzen um eine Spende für die Jugendabteilung der Segler-Vereinigung Heiligenhafen mit Schüler-Segel-Club Heiligenhafen gebeten – um anderen Kindern und Jugendlichen den Grundstein für den seglerischen Erfolg zu legen, den Jörgen Heinritz selbst erleben durfte.
Der Deutsche Segler-Verband wird Jörgen Heinritz ein ehrendes Andenken bewahren.