Seit einem Jahrhundert gibt es den Segler-Verein Elmshorn an der Krückau – eine familiäre Gemeinschaft, in die sich alle einbringen mit dem, was sie können. Der Deutsche Segler-Verband gratuliert zu diesem besonderen Jubiläum und wünscht alles Gute für die Zukunft.
Wie beim Segler-Verein Elmshorn alles begann…
Die Geschichte des Segler-Vereins Elmshorn beginnt in Glückstadt, nördlich von Elmshorn, die Elbe Richtung Nordsee. Dort gründeten Segelnde und Fischer 1921 die Seglervereinigung Glückstadt. 1926 traten gleich 16 Elmshorner mit zwölf Booten – Tendenz steigend – dem Verein bei, firmierten zunächst als „SVG Ortsgruppe Elmshorn“, um später eine eigene Abteilung der S.V.G. zu werden. Die Gruppe wuchs kontinuierlich an, pachtete und kaufte wenig später große Teile des Gelände der ehemaligen Thormälenschen Werft am Stadtrand von Elmshorn. 1930 machte sich die Gruppe an der Krückau schließlich selbständig, gründete den Segler-Verein Elmshorn. Die Verbundenheit mit der Seglervereinigung Glückstadt blieb.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hieß auch im SVE der Vorsitzende „Führer“ und wurde mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet. Die seglerischen Aktivitäten kamen mit Kriegsbeginn immer stärker zum Erliegen. Nach Ende des Krieges musste die Segelgemeinschaft, jetzt zum dritten Mal, neu ins Vereinsregister eingetragen und die Freigabe des Vereinsvermögens beantragt werden. Von den alliierten Besatzungstruppen der Engländer zunächst beschlagnahmte Boote wurden unter anderem in Laboe und Beidenfleth entdeckt und wieder in Besitz genommen. Bereits 1946 veranstalteten SVE-Segelenthusiasten eine erste Regatta.
… und wie es weiter ging: Aufbauarbeiten und ein neues Sperrwerk
Das Klubzimmer sanieren, Bodenkammern ausbauen, Wasserleitungen legen und das Bollwerk fertigstellen, Bootsschuppen und Mastenlager bauen – die handwerklichen Arbeiten nach dem Krieg, aber auch den folgenden Jahrzehnten, forderten den Einsatz aller Vereinsmitglieder. „Es begann das Zeitalter der Ingenieure, Techniker und Handwerker im Verein“, heißt es dazu in der Chronik des SVE zum 75. Geburtstag. „Jeder gibt, was er kann“, sagt der 1. Vorsitzende Dennis Roenspiess. „Das hat damals schon bestens funktioniert und klappt auch heute noch.“

Nach der verheerenden Sturmflut von 1962 wurde das Krückausperrwerk gebaut und beendete damit die Sorge aller Elmshorner Segelnden um ihre Boote und den Hafen. Parallel dazu entstand unter Führung der neu gegründeten Wassersport- und Yachthafenvereinigung Krückaumündung (WYK) ein tideunabhängiger Sportboothafen an der ursprünglichen Krückaumündung zur Elbe. Zum Kreis der Gründerinnen und Gründer zählten viele SVE-Mitglieder.
„Doch bis heute gab es nur wenige Abwanderungen in den WYK-Hafen“, sagt Dennis Roenspiess. Vielmehr arbeiten beide Vereine eng zusammen und unterstützen sich gegenseitig: Gemeinsame An- und Absegelfeste gehören zum Jahreskalender, die WYK bietet SVE-Segelnden, die wegen Niedrigwasser nicht mehr nach Elmshorn kommen, vorübergehend Asyl, die Jugendabteilungen kooperieren beim Training.
Der SVE heute: Fahrtensegeln über alles
Vom gezeitenabhängigen Elmshorner Hafen bei Hochwasser auf der Krückau vorbei an der Elbmarsch zum Sperrwerk und Kollmar, dann hinaus auf die Unterelbe in Richtung Glückstadt, gerne auch weiter auf die Nordsee – beim Segler-Verein Elmshorn dreht sich vieles ums Fahrtensegeln. „Auch wenn wir den Tidenkalender immer im Auge haben müssen und durch die Verschlickung der Krückau nur noch bei ausreichendem Pegelstand und mit maximal 1,40 Meter Tiefgang vorankommen – wir lieben die Törns in die nähere und weitere Umgebung.“
Schwierigkeiten hin oder her, Schiffe aus Elmshorn sind auch in der weiten Welt unterwegs. Skandinavien, England, die Kanaren, Karibik oder Südafrika – der SVE-Stander wehte bereits auf vielen Kontinenten.
Damit auch Vereinsmitglieder, die (noch) kein eigenes Boot besitzen, das Fahrtensegel kennenlernen und genießen können, haben sie beim Segler-Verein Elmshorn eine Delphin 66. Die SVE-Seglerinnen und -Segler können den Kielschwerter mit geringem Tiefgang kostengünstig mieten und dann durchstarten.
Traditionell gibt es in Elmshorn regelmäßig Ausbildungen für den Sportbootführerschein See/Binnen und eine Jugendabteilung. „Die Nachwuchsarbeit gestaltet sich schwierig“, sagt Dennis Roenspiess ehrlich. „Zum einen wechseln viele Kinder und Jugendliche im Zuge von Schnelllebigkeit oft ihre Hobbys“. Zum anderen liegt der Verein nicht direkt an der Elbe, was eine Anreise zum Training erschwert – zum gemeinsamen Training mit dem Wassersportverein Kollmar sind zumindest die Jüngsten auf Elterntaxis angewiesen. Trotzdem blickt der 1. Vorsitzende zuversichtlich in die Zukunft: „Es ist in die Jugendabteilung Bewegung gekommen. Wir unterstützen Partnervereine bei der Organisation der Trainingslager und -wochenenden, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen.“
Fahrtensegeln, ja, aber auch mal eine Regatta segeln, das lassen sich viele SVE-Mitglieder nicht nehmen: Nordseewoche, Kieler Woche oder die Schleiwoche gehören dabei zu den beliebtesten Events. Und die jährlich vom SVE, WSVK und WYK ausgerichtete „Grüne-Mann-Regatta“ von der Pagensander Nebenelbe bis Rhinplatte und zurück ist als klassische Familienregatta gut besucht.
Eine Liebeserklärung: Segeln verbindet – das ist beim SVE keine leere Floskel
„Bei uns im SVE leben wir Gemeinschaft tagtäglich“, sagt Dennis Roenspiess. „Wir verstehen unseren Verein als Begegnungsstätte, als einen Ort, an dem sich Menschen treffen, die alle das Gleiche lieben.“ Eigentlich sei immer jemand da, im Hafen, auf den Stegen oder im Clubraum mit Hafenblick. Und dann geht‘s um die Boote, um Reparaturen, um Törns, aber immer auch um Persönliches. „Wir sind eine große Familie, in der alles Hand in Hand läuft“, schwärmt der 1. Vorsitzende.
Eine offene Kommunikation und Transparenz bei der Geschäftsführung bilden die Grundlagen für das Miteinander im Segler-Verein Elmshorn. Deshalb gibt es auch regelmäßige Treffen, mindestens aber sechs Mitgliederversammlungen im Jahr. „Da gibt es auch mal laute und deutliche Worte“, sagt Dennis Roenspiess. „Doch das gehört dazu und ist am Ende genau der richtige Weg.“
Sanierungen, Imagearbeit und sich stark machen für die Nutzung der Elbe – der Blick in die Zukunft
„Wir hier in Elmshorn haben immer Pläne“, sagt Dennis Roenspiess. Der Fünf-Jahres-Plan umfasst deshalb neben anderem die Sanierung von Halle 3 auf dem Gelände und die Erneuerung der rund 80 Jahre alten Schwimmstege („Ihr Unterbau besteht immer noch aus Lokomotivkessel-Tanks“).
Grundlegender aber ist für die Gemeinschaft an der Krückau etwas anderes. Segeln gelte immer noch als elitärer Sport, „und dieses Vorurteil möchten wir weiter abbauen“, erklärt der 1. Vorsitzende stellvertretend für die Vereinsmitglieder. „Wir waren schon immer ein Segler-Verein und kein Yacht-Club, bei uns heißt es Bootshafen und nicht Yachthafen, und bei uns gibt es auch keine Clubsakkos.“ Deshalb will sich der Segler-Verein Elmshorn immer wieder öffnen, in der Region vorstellen und alle Menschen herzlich einladen.
Auch die zunehmende Verschlickung sei ein Dauerbrenner. Die Unterhaltung der Krückau als Bundeswasserstraße ist Anfang der 2000er vom Staat aufgehoben worden – seitdem stehen die Vereine und Verbände an dem Nebenarm der Elbe allein vor der großen Aufgabe, den Wasserweg und ihre Häfen frei zu halten.
„Wir werden uns auch künftig in der Aktionsgemeinschaft Nedderelv einbringen“, sagt Dennis Roenspiess. Die „Gruppe Nedderelv“ ist ein Zusammenschluss von inzwischen 42 Vereinen an der Niederelbe aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg, die sich in Kooperation mit den Landesseglerverbänden einsetzt für die Befahrbarkeit des Flusses, seiner Seitenarme und Nutzung seiner Ufer.

Das ist der Segler-Verein Elmshorn
Der Segler-Verein Elmshorn liegt an der Krückau, neun Kilometer von der Krückaumündung in die Elbe entfernt, und verfügt dort über ein vereinseigenes drei Hektar großes Gelände in einer Marschlandschaft, in der schleswig-holsteinischen Stadt Elmshorn. Der tideabhängige, moderne Hafen bietet 70 Liegeplätze, einen Mastenkran, eine Slipanlage bis zehn Tonnen, ein Clubhaus mit Sanitäranlagen, verschiedene Bootshallen mit Winterlager. Sechs Optimisten, zwei Piraten, eine Delphin 66 und ein 20er Jollenkreuzer gehören zur vereinseigenen Flotte. Gastlieger sind willkommen. Der Verein hat zurzeit 204 Mitglieder. Adresse: Wisch 20, 25336 Elmshorn; Mail: [email protected]; Website: www.segler-verein-elmshorn.de