100 Jahre Kanu Club Speyer – die Gemeinschaft ist sich einig: Hauptsache Wassersport!

An einem Steg liegen einige Segelboote. Der Steg befindet sich direkt vor einem Wald mit hohen Bäumen. Rechts lassen einige Menschen ihre Kanus zu Wasser.
Der Steg der Seglerinnen und Segler des Kanu Club Speyer liegt am Otterstädter Altrhein im Naturschutzgebiet Auwald. Ihr Segelrevier ist der Kollersee. © Kanu Club Speyer

Gestartet ist der Kanu Club Speyer am Rhein vor einem Jahrhundert mit Kanutinnen und Kanuten, seit 50 Jahren gehören die Segelnden dazu. Der DSV gratuliert zu diesem Doppeljubiläum und wünscht alles Gute für die Zukunft.

Hadernkähne und Begeisterung für den Wassersport – wie beim Kanu Club Speyer alles begann …

Mit dem Faltboot auf dem Rhein bei Speyer unterwegs sein – das war die Passion von sieben begeisterten Kanuten. Im tropisch heißen Sommer des Jahres 1925 gründeten sie deshalb den Kanu Club Speyer (KCS). Immer mehr Liebhaber der damals oft aufgrund ihrer einfachen Konstruktion eher abfällig als „Hadernkähne“ bezeichneten Faltboote kamen zusammen, 1929 zogen die Vereinsmitglieder aus dem kleinen Musikpavillon einer Gastwirtschaft um in das erste eigene Bootshaus.

1933 ging der Kanu Club dann als Fachabteilung in einem Speyerer Großverein auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte 1950 die Neugründung mit 20 Mitgliedern. Da das ehemalige Bootshaus seit Kriegsende beschlagnahmt war, bauten die Kanutinnen und Kanuten mit viel Enthusiasmus ein neues auf – das jetzige Bootshaus. Langsam ging die Zeit der Faltboote zu Ende, Rennkajaks und Kunststoffboote setzten sich durch. Neben Feierabend- und Wochenendtouren sowie Wanderfahrten feierten die Kanuten in den Sechzigerjahren auch einige Regatta- und Meisterschaftserfolge in Süddeutschland.

… und wie es weiterging: die Kraft des Windes nutzen – Segeln wird Teil der Kanugemeinschaft

Anfang der Siebzigerjahre entschieden 15 Kanutinnen und Kanuten im Verein, „sich nicht nur mit Muskelkraft, sondern auch mit der Kraft des Windes auf dem Wasser zu bewegen“, sagt Michael Acker, Segelwart im Kanu Club. Gesagt, getan, eine Abteilung wurde gegründet und Boote auf Gastliegeplätzen des benachbarten Segelclubs Ludwigshafen ins Wasser gesetzt. 1972 pachtete der Verein ein 800 Quadratmeter großes Gelände am Otterstädter Altrhein, tief im Naturschutzgebiet Auwald.

1975 folgte „der ganz große Wurf“, erzählt Andreas Heilmann, Vorsitzender des Gesamtvereins: Auf dem Pachtgelände entstand eine betonierte Sliprampe für Jollen, der Steg wurde erweitert und die Abteilung offizielles Mitglied im DSV. „Wir feiern jetzt also nicht nur ein Jahrhundert Kanu Club Speyer, sondern gleichzeitig 50 Jahre Segeln in unserem Verein.“

Die Natur, ein spannendes Revier und viel Gemeinschaft genießen – Segeln im Kanu Club Speyer heute

Knapp ein Drittel der Clubmitglieder sind inzwischen Seglerinnen und Segler und starten mit Gruben-Jollen, Zugvögeln, aber auch Dehler Delantas und H-Booten vom Steg am Otterstädter Altrhein zu Törns auf den Kollersee. „Diese Binnenrevier ist durchaus herausfordernd“, erklärt Michael Acker. Zahlreiche Inseln und hohe Bäume am Ufer sorgen für viele Winddreher und Fallböen und verlangen „uns auf dem eher engen Revier jede Menge Manöver ab“. Die werden dann am Ende des Tages beim Getränk auf dem Steg („Wir haben dort eine Bierzeltgarnitur und einen Unterstand“) durchgesprochen.

Für die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen, aber auch die Segelscheinausbildung kooperiert der Verein seit langem mit befreundeten Nachbarvereinen, insbesondere aus Mannheim.   

„Oft bringen die Eltern ihre Kinder aber einfach mit und zeigen ihnen vor Ort, wie Segeln funktioniert“, sagt Andreas Heilmann. Seitdem der Kanu Club Speyer für alle am Kanu- und Segelsport Interessierte eine günstige Familienmitgliedschaft eingeführt hat, steigt die Nachfrage kontinuierlich.

Seid ihr nicht eigentlich zwei Vereine in einem? Diese Frage hören der Segelwart und Vorsitzende häufig. „Natürlich nicht, wir haben doch alle die gleichen Interessen“, sagt Andreas Heilmann. Die Natur genießen, auf dem Wasser unterwegs sein und anschließend beisammensitzen. „Das wollen wir alle leben. Aber es funktioniert nur, wenn wir an einem Strang ziehen und uns nicht in Querelen und aussichtlosen Diskussionen aufreiben.“

Und das tun sie, die Mitglieder des KCS: gemeinsames Anpaddeln und Ansegeln („die Kanuten kommen dann runtergepaddelt Richtung Kollersee“), gemeinsame Reparaturen an den Gebäuden am Rhein und am Otterstädter Altrhein-Steg, wenn Flaute herrscht paddeln gehen oder das Paddel mal gegen die Schot an Bord eines segelnden Vereinsmitglieds tauschen. Um am Ende gemeinsam zu feiern.

Ein Blick in die Zukunft

Was sich die Mitglieder im Kanu Club Speyer wünschen, Kanu-Fahrende und Segelnde, gleichermaßen, fasst der Vorsitzende Andreas Heilmann zusammen: „Wir möchten eine Gemeinschaft bleiben, in der sich möglichst alle kennen, in der die Älteren ihre Erfahrung und ihr Wissen weitergeben und in der sich Jüngere zu Hause fühlen.“

Das Foto zeigt ein gelbes Haus mit Eingang in der unteren Etage. Darüber ist eine Terrasse mit Tischen und Stühlen zu sehen. Am Geländer hängt ein Plakat: 100 Jahre Kanu Club Speyer.
100 Jahre Kanu Club Speyer – das Clubhaus liegt direkt am Rhein bei Stromkilometer 399,7. © Kanu Club Speyer

Das ist der Kanu Club Speyer

Das Vereinsheim mit Gastronomie sowie einer Bootshalle für Kanus und einer Treppe zum Einsetzen ins Wasser liegt auf dem vereinseigenen Grundstück direkt am Rhein (Stromkilometer 399,7). Elf Kilometer flussabwärts geht es in den Otterstädter Altrhein Richtung Kollersee: Dort nutzt die Segel-Abteilung ein 800 Quadratmeter großes Pachtgelände im Auwald mit einem 58 Meter Schwimmsteg für 19 Wasser- und bis zu zwölf Landliegeplätzen. Der Kanu Club Speyer hat insgesamt 330 Mitglieder, davon sind 123 Seglerinnen und Segler. Tel. 06232 900 7463; www.kanu-club-speyer.de