Zwischen dem 4. und 19. Februar 2026 reisten insgesamt 40 junge Menschen aus verschiedenen Sportarten gemeinsam mit einem Betreuungsteam im Rahmen des Deutschen Olympischen Jugendlager nach Norditalien, um die XXV. Olympischen Winterspiele hautnah mitzuerleben.
Ein Bericht von Patrick Schulz, Teilnehmer
2026 kamen nach zwei Jahrzehnten Olympische Winterspiele nach Europa zurück – und anlässlich dieser fand ein weiteres Deutsches Olympisches Jugendlager (DOJL) statt, initiiert von der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) und der Deutschen Sportjugend (DSJ). Ich konnte mit 40 anderen Jugendlichen zu den Olympischen Spielen reisen.
Im Sommer 2025 habe ich mich beim DOJL, einem Angebot für Jugendliche, die aktiv Leistungssport betreiben und/oder sich ehrenamtlich im Sport engagieren, beworben. Hierfür habe ich ein Empfehlungsschreiben der Seglerjugend eingereicht, Fragen zu Motivation oder Interessen beantwortet und mich in einem Bewerbungsvideo vorgestellt. Die Zusage kam im August.
In Frankfurt konnte ich beim Vortreffen über den 29. November 2025 alle Teilnehmer:innen und Leitungsteamer kennenlernen. Die etwa 50 Personen kommen aus vielen Sommer- und Wintersportarten. Egal ob Skifahrer, Fechter oder Leichtathlet – alle wollten den olympischen Spirit schnuppern. In den drei Tagen hatten wir viel lockeren Sport gemacht und wurden über die olympische Idee, Mediennutzung und Infos zum DOJL informiert.
Kurz bevor es los ging, kam ein 30 kg schweres Paket bei mir zu Hause an. In einer großen Tasche gepackt waren Mantel, Oberteile, Hosen und Schuhe der Team D Einkleidung (sozusagen was ‚übergeblieben‘ ist). Milano Cortina 2026 konnte kommen!
Die Reise hatte zwei Ziele – eine Woche Mailand und in der zweiten Woche Berge. Der Grund: Es gestaltet sich immer schwerer, Länder und Städte zu finden, an denen Olympische Winterspiele stattfinden können. So sind Milano Cortina 2026 die dezentralsten Spiele der Geschichte bisher. Es gab Wettkampfstätten in Mailand, dem 500km entfernten Cortina sowie sechs weitere Orten in den Dolomiten.

4. Februar, ICE-Anreise nach München. Von dort ging es gemeinsam mit dem Bus nach Mailand. Am ersten Tag haben wir die Stadt in kleinen Gruppen angeschaut und bei einer Dombesichtigung von oben gesehen.
Die Tage beim DOJL sind ein Mix aus politischem, kulturellem und sportlichem Programm. In einer Ausstellung ging es um die Geschichte der Olympischen Spiele, in einer anderen konnten wir einige der original Fackeln vergangener Spiele sehen. In Mailand trafen wir italienische Jugendliche, die in Stadtgebieten Sport für Kinder anbieten, und Schüler:innen der deutschen Schule Mailand. In Workshops haben wir zu Themen wie olympische Werten, mentale Gesundheit oder Ehrenamt im Sport Neuse gelernt. Als ‚Botschafter‘ der deutschen Sportjugend haben wir zudem viel über eine Bewerbung von Sport Deutschland für Sommerspiele 2040/2044 diskutiert und unsere wichtigsten Punkte an Vertreter des Sportausschusses übergeben.
Im Gespräch hat Christian Klaue, der Kommunikationsdirektor beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ist und vom DOSB kommt, viel Interessantes zu seiner Arbeit und aktuellen Herausforderungen des IOC mit uns geteilt. Ein erstes Highlight war das Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seiner Ehefrau. Beide haben sich viel Zeit genommen, um mit ‚der Jugend‘ über Spitzensport, Ehrenamt und unsere Gedanken zu Sommerspielen in Deutschland 2040/2044 zu sprechen.
Ein großer Teil des DOJL ist olympischer Sport. Wir konnten sechs Wettkämpfe besuchen: Jede:r hat im Vorfeld seine Präferenzen abgegeben, so konnte ich in Mailand ein Eishockeyspiel (SWE-FRA) und den Eisschnelllauf über 1500m Frauen besuchen — mit zwei neuen Weltrekorden innerhalb fünf Minuten!
In den Bergen habe ich Curling kennengelernt und Biathlon, Bob und Skispringen miterlebt. Das beste Olympia-Feeling gab es beim Skispringen. Wir kamen am meisten mit den Athleten in Kontakt, die nach den Sprüngen und der Siegerehrung direkt bei uns an der Bande der Besucherzone vorbeigelaufen sind.
Am ersten Wettkampftag unseres Aufenthaltes im Raum Brixen, unserem zweiten Wohnort, haben wir zuerst die Adi-Hütte in Cortina besucht. Dort hat uns Olympiasiegerin Lena Schöneborn erzählt, wie die Adidas Team Kollektionen entstehen. Ein leckeres Buffet und eine kleine Ausstellung historischer Bob-Anschieberschuhe folgten.
Gegenüber lag das ‚Home of Team D‘. Diesmal hatte der DOSB einen Golfplatz angemietet. Die Fan Meile, einem Platz mit Hütten rund um einen großen Monitorwürfel, war für alle offen. Etwas abseits lag ein zweistöckiges Holzhaus, das aus dem Fernsehen bekannte Deutsche Haus, Treffpunkt für Sponsoren, Athlet:innen und geladene Besucher. Wir waren am frühen Abend da, konnten uns umsehen und haben das große leckere Buffet mit dem Bobteam Friedrich ‚geteilt‘. Team D hat Gold im Rodeln Mixed gewonnen, weshalb wir aus Platzgründen vorzeitig raus mussten.

Mein persönliches Highlight kam am letzten Wettkampftag: In einer 5er-Gruppe ging es bei bestem Bergwetter mit Team D-Auto Richtung Cortina. Nach einem schnellen Espresso liefen wir zum Cortina Sliding Centre, wo an diesem Tag der 3. und 4. Lauf der Zweierbobs Männer anstand. An den großen Kurven Tofana und Ampezzo schossen die Bobs mit 130 km/h Speed zum deutschen Dreifachsieg nur so an uns vorbei. Dank unserer kleinen Gruppe konnten wir die Siegerehrung mit Hymne und Medaillen neben DOSB-Angehörigen in feierlicher Atmosphäre in der ersten Reihe erleben. Ein Wahnsinnsmoment, der mir für immer in Erinnerung bleiben wird.
Genauso vieles Schöne am Rande: Unter Athleten und Offizielle ist es üblich Länderpins der nationalen Komitees zu tauschen, was auch wir in kleinem Rahmen bei Wettkämpfen fleißig gemacht haben — der deutsche Pin war zum Glück sehr beliebt. Begegnungen und Fotos mit Olympioniken wie Rodlerin Lisa Buckwitz oder Skispringer Philipp Raimund kamen hinzu. Der Karriereweg und besonders die Motivation der Sportler:innen haben mich beeindruckt.
Am letzten Tag des DOJL sind wir oberhalb von Bozen auf Natureis mehr oder weniger olympiareif eisgelaufen. So gingen 15 Tage Olympia mit vollem Programm, vielen Eindrücken und wenig Schlaf schnell zu Ende. Ich habe die besondere Zeit sehr genossen und freue mich schon, die anderen Teilnehmer:innen im Mai in Berlin wiederzusehen.
Abschließend bedanke ich mich besonders bei der deutschen Seglerjugend, die mit der Befürwortung und finanziellen Unterstützung die Reise mit möglich gemacht hat. So konnte ich die Faszination der Olympischen Spiele live erleben.
Allen Interessierten kann ich eine Bewerbung für das DOJL nur empfehlen. Die Erlebnisse, Kontakte und Freundschaften bleiben in Erinnerung und sind unbezahlbar.
Patrick
Weitere Informationen zum DOJL finden sich unter www.olympisches-jugendlager.de