Deutsches Olympisches Jugendlager Paris 2024

Ein Bericht von Jan-Rouven Bruhns, Mühlenberger Segel-Club

Olympische Spiele 2024 in Paris – und ich war dabei!

2023 habe ich mich beim Deutsch-Französischen Jugendlager, initiiert von der Deutschen Sportjugend, beworben – einem Austauschangebot für Jugendliche, die aktiv Leistungssport betreiben und/oder sich ehrenamtlich im Sport engagieren. Neben einem Lebenslauf musste ich mich mit einem Video vorstellen und vom Verband ein Empfehlungsschreiben beifügen, das mir die Seglerjugend gerne ausgestellt hat.

Die Bewerbung vervollständigte, dass ich aktiv im Mühlenberger Segel-Club (MSC) 420er segle, mich für die EM qualifizieren konnte und zudem im MSC und im benachbarten Blankeneser Segel-Club ehrenamtlich Optigruppen trainiere.

Das Vorbereitungstreffen in Frankfurt über den 1. Mai 2024, bei dem sich die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennenlernen sollten, konnte ich leider nicht mitmachen, weil ich mir durch eine Mykoplasmen-Infektion eine atypische Lungenentzündung eingefangen hatte.

Der Schüler Jan-Rouven Bruhns steht vor dem Eiffelturm und reckt die Daumen in die Höhe

Vor der Abreise nach Paris gab es ein paar Tage vor Beginn der Sommerferien ein besonderes Highlight: Ein sehr großes Paket mit der Banderole „Olympic Team Germany“ kam bei uns an – der Paketbote hat auch etwas erstaunt gefragt, ob er bei uns richtig ist. Darin: Klamotten, alle mit „Team D“ gebrandet. Jogginghose, Shirts, T-Shirts, Socken, Pullover, Caps – nahezu alles in meiner Größe. Dazu Sneaker und vor allem: eine Rolltasche, ebenfalls gebrandet mit „Team D“, in die alles perfekt hineinpasste. Die Bekleidung entspricht genau der, die auch den Olympioniken zur Verfügung gestellt wird, nur dass wir die „Reste“ bekommen haben, die noch übrig waren.

Direkt von der Travemünder Woche bin ich dann am 23. Juli mit der Bahn nach Frankfurt gefahren; von dort aus ging es am nächsten Morgen mit dem Bus nach Paris. Nun konnte ich auch endlich die übrigen deutschen Teilnehmenden kennenlernen – die meisten von ihnen machen Leichtathletik, dazu kamen einige Judoka. Ich war der einzige Hamburger und der einzige Segler.

In Paris haben wir in der Creps Île-de-France gewohnt, einem Sportzentrum im Südwesten von Paris. Hier kamen auch die französischen Teilnehmer des Programms dazu, mit denen wir uns die Zimmer geteilt haben. Ich hatte ein Zweibettzimmer mit Zihan aus Dijon, der Rugby und Basketball spielt.

Nach einigen Kennenlernspielen haben wir auf dem Gelände der Sportschule gemeinsame Workshops zu Themen wie Anti-Doping, verschiedenen Trainingsmaßnahmen, mentaler Gesundheit und Ernährung gehabt. Mit den Franzosen konnten wir uns sehr gut auf Englisch verständigen; dazu gab es Sprachvermittler, die beim Übersetzen helfen konnten. Von der Deutschen Sportjugend waren die ganze Zeit über drei Betreuer dabei.

Wir hatten außerdem die Gelegenheit, uns vier Olympische Wettbewerbe anzusehen – davon zwei mit Medaillenentscheidung. Wir konnten im Vorfeld Wünsche angeben, und ich habe neben einem Leichtathletikwettbewerb beim Rudern, Rugby und Fußball zugesehen. Die Atmosphäre im Stadion war atemberaubend – so viele Menschen, die begeistert den Sportlerinnen und Sportlern zujubeln! Leider war es vor allem im Rugby-Stadion sehr, sehr heiß.

Am Anfang unseres Aufenthalts haben wir das „Deutsche Haus“ besucht, das in einem Rugbystadion mitten in Paris untergebracht war, direkt neben dem Prinzenpark. Im unteren Bereich war eine öffentliche Area, offen für alle, die Lust hatten, sich auf großen Monitoren die Wettkämpfe anzusehen und ein bisschen „Germany-Feeling“ zu schnuppern. Im oberen Bereich, dort, wo sonst die VIP-Plätze sind, war ein Bereich für die Athletinnen und Athleten sowie besondere Gäste (wir!) reserviert. Hier haben wir an einem Morgen Bundeskanzler Olaf Scholz getroffen und uns ganz kurz mit ihm unterhalten.

Ein besonderes Highlight war auch der Besuch im Adidas-Haus mitten in der Pariser Innenstadt. Dort waren nicht nur Bilder von allen deutschen Olympiateilnehmenden des Jahres 2024 zu sehen, sondern auch alle Schuhe ausgestellt, die in den verschiedenen Disziplinen getragen wurden. Wir haben dort einen Vortrag von zwei Ex-Olympionikinnen gehört. Vor allem aber hat das Adidas-Haus eine Mega-Dachterrasse, von der aus man einen super Blick über ganz Paris hat. Hier habe ich lange die Aussicht genossen und mir auf den großen Screens die Live-Übertragung der Segelwettbewerbe vor Marseille angesehen – und natürlich „unserem“ MSC-Team Marla und Hanna im FX die Daumen gedrückt. Es kamen auch immer wieder einige Athletinnen und Athleten aus Deutschland vorbei, sodass ich nun auch ein Foto mit Gina Lückenkemper und Andi Wolf habe.

Einen Tag hatten wir „frei“ und haben uns in kleinen Gruppen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Paris angesehen: Eiffelturm, Sacré-Cœur und den Arc de Triomphe. Außerdem sind wir einfach durch die schönen Straßen gebummelt und haben fotografiert, was wir besonders hübsch fanden.

Nach zehn Tagen, immer unterwegs, immer unter Leuten, mit wenig Schlaf, aber vielen neuen Eindrücken, haben wir noch den obligatorischen letzten Abend gefeiert, bevor alle nach Hause oder in die Sommerferien gefahren sind.

Ich habe für diese besondere Reise einen Instagram-Account angelegt („janbeiOlympia“), auf dem ich tagesaktuell über meine Zeit in Paris berichtet habe. Im Laufe der zehn Tage habe ich fast 40.000 Aufrufe für meine Berichte und Reels bekommen.

Ich danke der Deutschen Seglerjugend und der Hamburger Sportjugend sehr, die mich bei der Reise finanziell unterstützt haben. Wenn es zu den nächsten Olympischen Spielen wieder so ein Angebot gibt, kann ich allen nur empfehlen, sich dafür zu bewerben.