Am Wochenende fand auf dem Dümmer See das Finale der Windsurf- und Nachwuchs-Bundesliga statt. Knapp 100 Surferinnen und Surfer waren an den Dümmer See gekommen und bewiesen eindrucksvoll, wie stark die deutsche Windsurf-Community in den vergangenen Jahren geworden ist.
Der Campingplatz am Dümmer See wurde zum Surffestival der deutschen Vereine. Nach den Vorrunden der drei Gruppen Nord-Ost, West und Süd ging es für die teilnehmenden Vereine ein letztes Mal in diesem Jahr um Punkte und Platzierungen. Jeder teilnehmende Verein konnte mit einem bis zu vier Personen starken Team an der Bundesliga teilnehmen, die Ergebnisse der besten beiden Teilnehmenden gingen jeweils in die Wertung ein.

Erfolgreich war, wer an den drei Finaltagen Geduld hatte und verstand, sich auf die schwachwindigen Bedingungen einzulassen. „Am Freitag, dem ersten Tag der Finalläufe, waren bei Leichtwind immerhin drei Läufe möglich“, berichtet Konrad Struwe aus der Abteilung Boardsport des DSV, der vor Ort war. „Am darauffolgenden Samstag konnte man plantschen, aber nicht surfen. Die Wettfahrtleitung hat aber alles darangesetzt, dass die Wertung zustande kommt, und am Sonntag noch einmal drei Rennen durchgeführt.“
Dazwischen blieb den Teilnehmenden Zeit, das Spätsommerwetter an dem großen niedersächsischen See zu genießen, Freunde zu treffen und am See zu entspannen. „Viele Surferinnen und Surfer zusammen bedeutet immer Festivalcharakter, man kennt sich, steht zusammen, genießt die Zeit miteinander“, sagt Wettfahrtleiter Thomas Michaelis. „Wir haben zum vierten Mal auf dem Dümmer See das Finale der Surf-Bundesliga austragen können. Der See ist nicht nur ein gutes Surfrevier, sondern auch aus der ganzen Republik gut zu erreichen.“
Der erfahrene Wettfahrtleiter von der Ruder- und Tennisgesellschaft Wesel 1907 ist zugleich Mitglied des DSV-Ausschusses Boardsport und Vorsitzender der Deutschen Windsurfvereinigung. Er ist froh, dass trotz der schwierigen Windbedingungen die Meisterschaftswertung zustande kam. „Letztes Jahr war das Finale am Chiemsee, aber da war es leider zu flau“, berichtet er. „So hatten wir schon den Ehrgeiz, es dieses Jahr zu schaffen.“
Die drei Klassen Techno 293, Windsurfer LT und Raceboard starteten jeweils mit einem eigenen Start, aber auf der gleichen Bahn. Lediglich der Kreuzkurs für die Jugendklasse Techno 293 war etwas kürzer. Es war das erste Mal, dass die Surf-Bundesliga mit eigener Wertung für den Windsurfer LT ausgetragen wurde.

In der Nachwuchs-Bundesliga, in der auf dem Techno 293 gesurft wird, siegte das Team 4 des JW Paderborn mit Til Klöpping, Jan Steffens, Phillip Elias Stys und Julia Steffens vor dem TV Bruckhausen 3 mit Findus Per Sander, Hanna Kluba und Hannah Widura. Auf den dritten Rang kam die Mannschaft 5 des JW Paderborn mit Jana Wurm, Linus Klöpping, Marie-Ling Holkenbrink und Lilith Wilming.
Bei den Raceboardern konnten sich Andre Hartung, Niko Mattig, Thomas Stolarski und Walter Radeke vom Deutschen Windsurfclub Großenbrode 2 den Titel sichern, gefolgt vom WC Meerbusch 2 mit Markus Bouhier, Fabian Aldinger und Jennifer Bouhier. Drittes Team wurde die Mannschaft des Regatta Surf Club Chiemsee 1 mit Felix Huber, Armin Reulein und Toni Stadler. Felix Huber gewann die Einzelwertung, ein Frühstart von Toni Stadler am ersten Renntag verhinderte jedoch den Gesamtsieg für das bayerische Team.

Für Andre Hartung ist es nicht der erste Sieg bei einer Surfregatta und in der Bundesliga. Der ehemalige Kaderathlet siegte überzeugend bei den extremen Leichtwindbedingungen und ließ der Konkurrenz keine Chance. „Ich surfe nur wenige Regatten im Jahr, zum Training habe ich gar keine Zeit“, sagt der 45-Jährige, der Anfang der 2000er Jahre auf dem damals olympischen Mistral One Design Board surfte und später auf das Raceboard wechselte. „Die vielen Jahre im Leistungssport und die internationalen Erfahrungen zahlen sich aus.“
Dieses Jahr wurde er bereits deutscher Meister im Raceboard im Rahmen der Finals, die auf dem Steinhuder Meer ausgetragen wurden. „Auf dem Dümmer musste man wissen, wie man mit dem wenigen Wind und den vielen Drehern am besten umgeht und dazu auch die Technik beherrschen“, erklärt er.
In der am stärksten besetzten Klasse der LT-Windsurfer gewann der Windsurfing Club Jade 1 mit Marc Hollenbach, Leon Delle, Markus Brudek und Lasse Brudek. Letzterer hatte nur eine Woche zuvor die IDM der LT-Windsurfer gewonnen (lest hier unseren Bericht). „Bei der IDM steht die individuelle Platzierung im Fokus, während in der Bundesliga das gemeinsame Teamergebnis über die gesamte Saison zählt“, erläutert Lasse Brudek. „Unterschiedliche taktische Ansätze, enge Duelle auf dem Wasser und der starke Zusammenhalt im Team prägten diesen besonderen Teamwettbewerb.“

Auf den zweiten Rang kam der Surfclub Kiel mit Sören Hartenstein, Per Christiansen, Helmut Mannsbarth und Karl Matysik vor dem Team 3 des Windsurfing Club Jade mit Marcel van der Ploeg, Ingard Borgel, Axel Wegner und Mario Lehmann.
„Die erste Deutsche Meisterschaft in der Surf-Bundesliga der Windsurfer-LT-Klasse war für uns etwas ganz Besonderes. Unser Ziel war klar: Diesen historischen Titel wollten wir gemeinsam holen! Dass wir nur eine Woche nach meinem IDM-Titel auch als Team gewinnen konnten, macht mich unglaublich stolz“, sagt Lasse Brudek.
Beim Raceboard und beim Windsurfer LTs handelt es sich zwar jeweils um lange Windsurfboards mit Schwert, es sind aber unterschiedliche Konzepte, die sich vor allem in Ausstattung und Rigg unterscheiden. Das Raceboard wird mit Fußschlaufen und einem leistungsorientierten Rigg gefahren. Das Segel ist mit bis zu 9,5 m² deutlich größer und bietet verschiedene Möglichkeiten zum Trimmen. Bei stärkerem Wind kann auf ein kleineres Rigg gewechselt werden.
Beim One-Design Windsurfer LT sind Board und Rigg stärker vereinheitlicht und einfacher gehalten. Die Boards mit den 5,7 m² großen, farbenfrohen Segeln aus Mylar ermöglichen Windsurfen in seiner ursprünglichen Form.
„Ich habe mich für Windsurfer LT entschieden, weil wir in einer Einheitsklasse mit gleichem Material gegeneinander fahren. So stehen Können und Taktik im Vordergrund, nicht die Geldbörse“, erklärt Lasse Brudek. „Die Klasse verzeichnet aktuell ein großes Wachstum, Jung und Alt treffen hier aufeinander, Einsteiger und ehemalige Olympiasurfer. Die großen Starterfelder bei Regatten im europäischen Ausland machen sie für mich noch spannender.“
Auch im kommenden Jahr wird die Surf-Bundesliga wieder in drei verschiedenen Klassen ausgetragen. Die Qualifikation für das Finale erfolgt wie in diesem Jahr über Vorrunden in den drei Regionen. Gemeinsam mit den Vereinen möchte der DSV in den kommenden Monaten daran arbeiten, weitere Nachwuchsteams für die Teilnahme an der Nachwuchsbundesliga zu begeistern.
Alle Ergebnisse sind auf Manage2Sail in den verschiedenen Kategorien Nachwuchs, Windsurfer LT und Raceboard veröffentlicht.