Konstanter Wind, Halbwindkurs, flaches Wasser und vor allem eine professionelle Vorbereitung machten es möglich: Der Kieler Malik Humeida vom Deutschen Wingfoil Club und der Wassersport-Vereinigung Mönkeberg verbesserte den bestehenden Rekord des Griechen Dimitris Apalagakis um 116 Kilometer. Im Interview einige Tage später spricht der 20-jährige Student des Wirtschaftsingenieurwesens von dem Long-Distance-Erlebnis auf der schleswig-holsteinischen Ostsee zwischen den Häfen Damp und Olpenitz.
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Rekord: 375 Kilometer in 12 Stunden an einem Stück mit dem Wingfoil auf der Ostsee unterwegs. Wie geht es dir heute, einige Tage später?
Danke für die Glückwünsche. Am Abend, als ich wieder an Land stand, da war ich insgesamt natürlich erschöpft. Aber die Freude über meinen Erfolg hat einfach alles überlagert. Dann kam ein heftiger Muskelkater. Aber vier Tage später war ich schon wieder auf dem Wasser. Da gab es hier in Kiel richtig guten Wind.
Du hast dich monatelang körperlich und mental intensiv vorbereitet – im Winter allein sechsmal pro Woche Krafttraining, außerdem Boxen und Laufen, im März 2026 ging es auf die Kanaren zum intensiven Wingfoil-Racing-Wassertraining. Warum das alles?
Schon als Kind hatte ich den Traum: einmal Weltrekordler sein! Ich komme aus dem Opti und der Splash, habe dann mit dem Windsurfen begonnen und parallel mit dem Wingfoilen. 2023/24 habe ich dann auf den Kanaren als Windsurf- und Wingfoil-Lehrer gearbeitet und dort täglich mit den Profis trainiert. In dem Zusammenhang nahm diese Idee immer mehr Gestalt an. Und die Menschen in meinen Vereinen und meinem Umfeld haben mir Mut gemacht und mich unterstützt.
Zurzeit dürfen wir „nur“ von einem inoffiziellen Weltrekord sprechen. Die Kommission vom „Guinness World Records“ prüft noch, bevor der Rekord offiziell anerkannt und ins Guinness Book eingetragen wird?
Ja, richtig. Die sind in London zu Recht sehr genau damit – die Richtlinien, die erfüllt werden müssen, sind auch extrem detailliert formuliert. Der Bewerbungsprozess vorab hat schon Monate gedauert. Ganz ursprünglich wollte ich einen Rekord starten mit einer Langstrecke zwischen Kiel und Dänemark, das wurde im Januar 2025 abgelehnt mit der Begründung: Die konkreten geografischen Bedingungen seien nicht reproduzierbar an anderen Orten der Welt. Also habe ich den Rekord des Griechen gewählt. Der Kurs auf der Ostsee musste dann genau vermessen werden, jede Runde genauestens mit Zeiten gemessen und notiert werden, während meiner Pausen wurde ich gefilmt…
…damit habt ihr dokumentiert, dass du nicht an Bord deines Begleitbootes gegangen bist?
Genau. Ich durfte nur auf dem Board sitzen und meine Gele und Powerriegel zu mir nehmen. Und die Crew an Bord musste unabhängig sein, keine Familie und keine Freunde. Ich habe mir deshalb Menschen ausgesucht, die viel Erfahrung mit und auf dem Wasser haben: Ein Lotse aus Kiel, ein erfahrener Segler und ein Bootsbauer waren dabei.

Zwölf Stunden non-stop auf dem Wingfoil unterwegs – wie hast du die erlebt?
Wir hatten schon seit fünf Wochen den Wind beobachtet und dann gesagt: Es kann losgehen. 10 bis 25 Knoten waren angesagt, morgens drehte der Wind auf West – perfekt. Doch dann flaute er ab auf neun Knoten, und ich hatte kurz Angst, dass wir abbrechen müssen. Am Ende gab es guten Wind, ich konnte auf Halbwindkurs zwischen Damp und Olpenitz 2,4 Kilometer vor der Küste hin und her surfen. Irgendwann hatte ich natürlich schwere Beine, und musste mich gerade bei den Halsen an den Bojen sehr konzentrieren.
Bist du zwischendurch auch unfreiwillig im Wasser gelandet?
Ja, das gehört beim Wingfoilen dazu. Irgendwann bist du unkonzentriert, fällst vom Foil und liegst in der Ostsee. Aber es dauert meist weniger als eine Minute, dann geht’s weiter. Ich musste mich sehr darauf konzentrieren, die kleinen Bojen immer zu finden. Aber irgendwann war ich mental auch im Tunnel und mit den Gedanken ganz woanders. Ich weiß gar nicht genau, wo eigentlich…
Bei deinem nächsten Rekordversuch?
Nein, das ist erst einmal gut so. Jetzt geht’s weiter mit dem Studium und der Kieler Woche. Dort finden die German Open Championship für uns statt, da geht es um die Qualifikation für das World Sailing-Test-Event in Polen. Mein Traum geht in eine andere Richtung. Vielleicht wird das Wingfoilen irgendwann olympisch. Verdient hätte es diese Wassersportart – jeder kann das Wingfoilen ganz unkompliziert machen. Und vielleicht könnte ich dann einmal bei Olympischen Spielen starten. Das wäre noch so ein Traum.
