Mit einer ausgelassenen Abschlussfeier in der Innenstadt von Saarbrücken gingen die Special Olympics Nationalen Spiele 2026 für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung zu Ende. Special Olympics Deutschland (SOD) und das Saarland als Gastgeber hatten eingeladen, mehr als 4.300 Athletinnen und Athleten aus allen Bundesländern sowie 12 Teams aus dem Ausland waren angereist.
Sie starteten nicht nur in 27 Sportarten im Wettbewerb um die Medaillen und Platzierungen: Gemeinsam mit rund 2.500 Volunteers und 100.000 Zuschauerinnen und Zuschauern feierten sie ein inklusives Sportevent mit viel Miteinander, Freude und Ausgelassenheit. Zum ersten Mal war auch Segeln als inklusive Sportart auf dem Bostalsee dabei.
Schon die Eröffnungsfeier der Special Olympics Nationalen Spiele im Ludwigsparkstadion in Saarbrücken sorgte für Gänsehaut mit einer großen Show, dem Einmarsch der Delegationen und der Entzündung der „Flamme der Hoffnung“. Mit dabei und mittendrin: die 14 segelnden Teams. „Der Auftakt war wirklich gelungen“, sagt Iris Brettschneider, bei Special Olympics Deutschland (SOD) nationale Koordinatorin für das inklusive Segeln. „Und die perfekte Organisation setzte sich so fort.“
Die Segelwettbewerbe fanden im Leistungszentrum des Landesverbands Saarländischer Segler (LVSS) am Bostalsee statt. Die Segel-Basis wird von den Vereinen des kleinen Landesverbands genutzt – und diese Vereine mit ihren vielen Ehrenamtlichen sorgten dafür, „dass immer bestens für alle und alles gesorgt war“, lobt die SOD-Koordinatorin.
Damit die Segelwettbewerbe für die Unified Teams, in denen immer ein Mensch mit und ein Partner ohne Behinderung gemeinsam starten, reibungslos laufen können, hatten sich der LVSS und seine Vereine seit vielen Monaten intensiv vorbereitet. Mit finanzieller Unterstützung durch das Land wurden unter anderem der Steg und die Sanitäranlagen barrierefrei erneuert. „Das ehrenamtliche Engagement hat diese Spiele aber erst wirklich möglich gemacht“, sagt auch Claus-Michael Lehr, Vorsitzender des LVSS. „Für uns als Gemeinschaft aller saarländischen Vereine war das ein tolles Projekt: Segelnde mit Erfahrung im Bereich Inklusion und ohne sind zusammengerückt und haben an einem Strang gezogen. Ein intensives Erlebnis!“
Klassifizierungswettfahrten, Finals und ganz viel Miteinander
Beim inklusiven Segeln für Menschen mit geistigen Einschränkungen starten die Aktiven in zwei verschiedenen Levels: In Level 1 übernimmt der Athlet oder die Athletin mit einer Einschränkung die Position des/der Vorschoter*in, der/die Partner*in steuert. In Level 2 segeln die Athletinnen und Athleten mit Einschränkung auf der Position der Steuerfrau oder des Steuermanns. Da zusätzlich der Grad der Einschränkung sehr stark variiert, gibt es zunächst sogenannte Klassifizierungswettfahrten: Alle 14 Teams segelten auch auf dem Bostalsee zunächst jeder gegen jeden (Low Point), aus den Ergebnissen ergaben sich jeweils zwei homogene Leistungsgruppen für die Finals in den Levels.
In Level 1 starteten sechs Teams, darunter eine Crew aus Finnland und Malta, in Flying Cruisers, einem offenen Kielboot. Nach insgesamt zehn Wettfahrten bei wechselndem Wind zwischen drei bis sechs, sieben Knoten und herausfordernd großer Hitze gewannen Jennifer Heigl und ihr Unified Partner Friedrich von Falkenhausen vom Surf- und Segelclub Wald. Der Verein aus dem fränkischen Altmühltal bietet seit einigen Jahren am Altmühlsee in Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen und Schulen inklusives Segeln an, unter anderem bei regelmäßigen Samstags-Segeltreffen. Athletin Jennifer und ihr Unified Partner kennen sich seit drei Jahren durch einen Wendekurs der Turning Point Stiftung, auf die Spiele im Saarland haben sie sich intensiv seit Beginn der Saison vorbereitet.

„Die Leistung auf dem Wasser ist toll, aber nicht das alles Entscheidende“, sagt Friedrich von Falkenhausen. Mindestens genauso wichtig ist für den Vereinsvorsitzenden und Lehrer „die Kontinuität des Miteinander, der Aufbau von Beziehungen zwischen den Begleitenden und den Menschen mit Behinderung und ihren Familien. So entsteht etwas Gemeinsames, Nachhaltiges, so entsteht gesellschaftliche Veränderung im Bereich Inklusion auf der Ebene von Sportvereinen.“
In der zweiten Finalgruppe Level 1 gewannen Fabian Schilling und Christoph Scheurer von der Lebenshilfe Ostallgäu.
Sebastian Meierdiercks und Karin Hofmann vom Segelclub Prien waren das erfolgreichste Team in Level 2, in der zweiten Finalgruppe lagen Maximilian Eichhorn und Jonas Thelen von der Tannenhag Schule und dem Württembergischen Yacht-Club vorn. Die Aktiven segelten in der RS Venture, einer kentersicheren Kieljolle.
Fazit Nummer eins am Ende der Special Olympics Nationalen Spiele im Saarland: Inklusives Segeln entwickelt sich immer weiter. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Koordinatorin Iris Brettschneider. „Das sehen wir auch daran, dass viele Teams aus Kooperationen zwischen Schulen, Einrichtungen und Vereinen gemeldet hatten.“
Fazit Nummer zwei: Die Spiele waren ein beeindruckendes Miteinander. Egal, ob bei der emotionalen gemeinsamen Siegerehrung im Strandbad Bosen für alle Teams oder beim spontan organisierten, gemeinsamen Essen vom Schwenker, einem landestypischen Dreibein Grill über offenem Feuer, am Leistungszentrun des LVSS: Der Sport bietet die ideale Plattform für Begegnungen und Interaktion, aus denen echte Inklusion entstehen kann.

Hier findet ihr alle Ergebnisse, unter diesem Lind sind zahlreiche Fotos der Special Olympics Regatten.