Höhenangst, Einsamkeit und das Glücksgefühl, zu den Top 5 zu gehören

Foto: Boris Herrmann

Fast drei Wochen ist Boris Herrmann, erster deutscher Teilnehmer bei der Solo-Weltregatta Vendée Globe, nun schon allein an Bord der Imoca „Seaexplorer Yacht Club de Monaco“ unterwegs. In einer Zoom-Konferenz stellte er sich den Fragen von Journalisten, live von Bord. Und gab ehrlich zu, dass er an Höhenangst leidet. Und doch musste er den 29 Meter hohen Mast erklimmen.

„Hallo und guten Morgen, schön, dass sich so viele die Zeit nehmen“ – mit diesen Worten begrüßte ein scheinbar relaxter Boris Herrmann die rund 15 Segeljournalisten an den Bildschirmen. Das Wetter mitten auf dem Atlantik auf dem 36. Breitengrad ist während der rund 20-minütigen Videokonferenz moderat, seine Yacht segelt gleichmäßig und aufrecht. Boris Herrmann sitzt fast gemütlich an seiner Navigations- und Kommunikationsstation und schafft es sogar, während des Gesprächs immer wieder einen Schluck Kaffee aus seinem Becher zu nehmen.

Oder muss er erst noch verarbeiten, was er gestern Abend leisten musste? Wegen der raumenden Winde wollte er vom Code 0 auf den Gennaker wechseln. Doch das große Vorsegel, dessen Fall über ein Fallenschloss oben am Mast arretiert wird, rastete nicht ein. Das Fall war falsch im Schloss eingeklemmt und entsprechend blockiert.  „Es war kurz vor Sonnenuntergang und mir war klar, dass ich da jetzt hochklettern muss, um das Problem zu lösen“, berichtet Boris Herrmann. „Yannick Bestaven, der mit „Maitre Coq IV“ in unmittelbarer Nähe von mir war, habe ich schnell Bescheid gesagt, dass ich das Vorsegel wegnehme und in den Mast gehe.“

Scheinbar relaxed erzählt der deutsche Hochseeprofi, wie er sich gestern Abend im Licht der untergehenden Sonne sicherte und dann, ausgerüstet mit Werkzeug und seinem Handy, den Mast erklomm. „Mit Hilfe einer Talje und zwei Karabinern habe ich dann das verklemmte Fall entlasten können, so dass das Fallenschloss wieder funktionierte“, sagt er. „Ich war fast anderthalb Stunden allein im Mast, das Boot bewegt sich dabei, ich wurde brachial hin- und hergeworfen.“

Das technische Problem, dass zum Verklemmen des Falls im Schloss führte, hat er in luftiger Höhe sogar noch mit der Handykamera gefilmt, um es für sein Technikteam zu dokumentieren. „Wieder an Deck angekommen, habe ich erst einmal eine Stunde alles aufgeräumt und versucht, das Adrenalin abzubauen und zur Ruhe zu kommen“, gibt er ehrlich zu. „Ich habe totale Höhenangst, würde nie freiwillig Freeclimbing machen. Das ist schon fast Paranoia. Und auch deshalb habe ich mein Handy mit hochgenommen, damit ich im Notfall Bescheid sagen kann, dass ich oben baumel und nicht wieder runterkomme – damit ich nicht wie Odysseus im Mast hängend über die Ozeane segele.“

Eigentlich wollte sich Boris Herrmann, zurück an Deck, für die erfolgreiche Aktion mit einer Tafel Schokolade und einem Film in der Koje belohnen. Doch dazu kam es nicht: „Ich war körperlich erledigt, habe dann doch lieber geschlafen und hatte eine recht ruhige Nacht“, erzählt er. „Nur habe ich über die Aktion meinen vierten Platz aufgeben müssen, der Abstand zu „PRB“ und „Maitre Coq IV“ ist von rund sieben Meilen auf über 20 angewachsen.“

Ab 1. Dezember wird Boris Herrman, der im Juni dieses Jahres zum ersten Mal Vater wurde, sich täglich über ein kleines Stück Schokolade freuen können. Seine Frau Birte hat ihm einen Adventskalender mitgegeben, den ein großes Foto von ihr und der gemeinsamen kleinen Tochter ziert. „Das ist schön, wenn ich immer ein Bild von den beiden bei mir habe“, gibt Boris Herrmann zu. „Ich bin gar kein ‚lonely wolf‘, der es genießt, Tausende von Meilen nur mit sich und dem Boot allein zu sein. Ich brauche Kommunikation und freue mich immer, wenn mich Nachrichten von zu Hause und von meinem Team erreichen.“

Der Soloskipper, für den mit der Teilnahme an der Vendée Globe ein Lebenstraum wahr wird, gibt unumwunden zu, dass es für ihn eine große Überwindung bedeutet, so viele Monate nur auf sich gestellt zu sein. „Dieses Alleinsein ist Teil meiner ganz persönlichen Herausforderung und kostet mich zuweilen große Überwindung“, sagt er. „Aber wenn ich dann merke, wie gut, schnell und zuverlässig mein Boot läuft und das es mir viele Meilen gelungen ist, mich unter den Top 5 zu platzieren, dann ist da auch Ehrgeiz dabei, dieses Rennen richtig gut zu segeln.“

An der Spitze des Feldes, das nach dem Mastbruch von Nicolas Troussel auf „Corum L‘Èpargne“ nur noch 32 Boote groß ist, segelt Charlie Dalin auf „Apivia“. Der Franzose hat mittlerweile einen beachtlichen Vorsprung von rund 200 Meilen gegen Verfolger Thomas Ruyant auf „LinkedOut“ herausgesegelt. Der als Mit-Favorit gehandelte Brite Alex Thomson rangiert nach einer längeren Reparaturpause, bei der er einen strukturellen Schaden am Bug des Schiffes beheben musste, derzeit auf Rang 12. Die Führungsgruppe erreicht nun die „roaring forties“ und damit den härtesten Teil der Regatta. Es wird deutlich kälter, die Boote nähern sich der von der Wettfahrtleitung definierten virtuellen Eisgrenze. Rund 12.000 Meilen müssen die Skipper im Südpolarmeer hinter sich bringen, bevor das berüchtigte Kap Hoorn passieren und wieder nach Norden abbiegen können.

Übrigens: Nach dem Gespräch erklärte Teammanagerin Holly Cova, dass die Imoca, die von Boris Herrmann gesegelt wird, nach dem Rennen zum Verkauf stehe. Warum? „She carries him safely on a high level“, sagt sie und fügt mit Blick auf die massiven Veränderungen in der Entwicklung von High-tech Rennyachten hinzu: „But there is more to come in future for him. The next campaign is in 2024.”

Mit dieser guten Aussicht auf eine erneute Teilnahme von Boris Herrmann an der Vendée Globe drückt das gesamte DSV Team Boris weiterhin alle Daumen, behält den Tracker aufmerksam im Auge und freut sich auf das nächste Live-Update von Bord.

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7. November 2021

Ganz Segelsport Deutschland drückt Boris Herrmann die Daumen!

Morgen um 13.02 Uhr ist endlich Start zu dem Rennen, das alle Seglerinnen und Segler in den kommenden 70 Tagen bewegen wird. Wenn das Vendée Globe Race startet, wird wieder mehrmals täglich nervös auf den Tracker geschaut. Wer liegt vorne, wer fährt einen extremen Kurs, wer hat augenscheinlich ein Problem, so dass seine Logge deprimierende 0 Knoten anzeigt? Zudem werden Tausende beim virtuellen Rennen um die Erde mit den Profi-Skippern an Bord der Imoca-Rennyachten zumindest auf dem Bildschirm versuchen mitzuhalten. Die deutschen Seglerinnen und Segler werden vor allem den Kurs von Skipper Boris Herrmann auf „Seaxexplorer – Yacht Club de Monaco“ aufmerksam verfolgen. Der erste deutsche Teilnehmer bei dem härtesten Weltrennen für Solosegler hat Chancen, in der Spitzengruppe mitzufahren, aber die internationale Konkurrenz kann sich sehen lassen. Das Auslaufen und der Start werden morgen im Livestream gezeigt.

Um die Vendée Globe zu gewinnen, gilt es in erster Linie, nach rund 28.000 Seemeilen wieder die Ziellinie der französischen Hafenstadt Les Sables d’Olonne zu kreuzen. Das heißt, dass das Boot (und auch Skipper) auf dem rasend schnellen Trip um die Erde heil bleiben müssen. Bei einem Schaden am Boot dürfen die Skipper keine Hilfe von außen annehmen und müssen versuchen, sich mit Bordmitteln selbst zu helfen. Umfangreiche Reparatur-Kits gehören deshalb zur Grundausstattung der 27 Männer und 6 Frauen, die am Sonntag bei dem Weltrennen starten. Doch gemessen an den bisherigen Rennen, die alle vier Jahre stattfinden, ist die Ausfallquote hoch und liegt zwischen 30 und 50 Prozent. Neben einem Mastbruch wird als größtes Risiko auf See vor allem die Kollision mit einem UFO (unknown floating object) angeführt, die zu massiven Schäden an den filigranen Foils, Kiel, Rudern oder auch am Rumpf führen kann.

Eine letzte Hürde vor dem Start mussten die 33 Skipperinnen und Skipper, von denen 18 zum ersten Mal bei der Regatta dabei sind, gestern noch nehmen: Die Rennleitung hatte die Vorlage eines aktuellen, negativen Covid-19 Tests zur Bedingung gemacht. Die tagelange Selbstisolation vor Ort, die penible Desinfektion der Yacht und die nahezu hermetische Abriegelung hatte Erfolg: Boris Herrmanns Test ist negativ – seinem Start als erster deutscher Skipper an dem Rennen steht nichts mehr im Wege.

Boris Herrmann startklar für das härteste Rennen der Welt. Foto: Andreas Lindlahr

Herrmann startet mit einem extrem gut ausgestatteten, erprobten Boot in das Rennen und sagte schon 48 Stunden vor dem Start, er sei so gut vorbereitet, dass er bereits starten könne. „Wir haben gut geplant und alle Termine sicher einhalten können, so dass ich nun vor dem Start noch einmal entspannen kann“, sagte er vor dem Rennen. „Das Team hat einen perfekten Job gemacht, alle anstehenden Arbeiten am Boot waren gut eine Woche vor Deadline fertig.“

Derzeit führt der in Oldenburg geborene Soloskipper das internationale Ranking der Imoca-Skipper an, jedoch ist dieses Ranking nur begrenzt aussagekräftig, weil nicht alle Teilnehmer an der Vendée Globe im Vorfeld an denselben Regatten teilgenommen haben. Für den 39-jährigen Wahlhamburger ist es die erste Teilnahme an dem Weltrennen, das von ihm gesegelte Boot „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ nahm bereits 2016/17 mit Skipper Sébastien Josse unter dem alten Namen „Gitana“ am Vendée Globe Race teil. An Platz drei liegend musste Josse nach einem Schaden am Foil im Indischen Ozean das Rennen aber aufgeben.

Thomson, Beyou und Dalin sind die Favoriten

Top-Favorit für das Rennen 2020/ 21 ist der britische Ausnahmesegler Alex Thomson auf der radikalen Rennyacht „Hugo Boss“. Mit 46 Jahren ist er einer der älteren Teilnehmer im Gesamtklassement und geht zum fünften Mal in Folge bei dem Weltrennen an den Start. Erklärtes Ziel von ihm und seinem Team: Endlich das Rennen als erster Nicht-Franzose zu gewinnen. Das Speedpotenzial seiner auffälligen schwarz-pinken Yacht ist hoch, von seinem innenliegenden Steuerstand aus startet Alex Thomson zum Angriff auf die Krone der Solosegler. Aber: Schon beim ersten Testlauf mit der neuen Yacht unter Rennbedingungen, dem Transat Jacques Vabre im letzten Jahr, musste Alex Thomson nach einem Schaden am Kiel und anschließendem Kielverlust das Rennen aufgeben. Seitdem trainierte er allein und vermied es, sich der internationalen Konkurrenz zu stellen.

Ebenfalls als heißer Titelaspirant gehandelt wird Jérémie Beyou auf „Charal“, der bei der letzten Auflage der Vendée Globe Dritter wurde. Der 44-jährige Franzose nahm bereits viermal an dem Rennen teil, sein 2018 für die „Route du Rhum“ neu gebautes Boot wurde in den vergangenen zwei Jahren beständig optimiert und hat bereits den dritten Satz neuer Foils erhalten.

Zum ersten Mal bei dem Rennen dabei, aber mit einem top-ausgestatteten Boot, ist der 36-jährige Charlie Dalin auf „Apivia“. Im letzten Jahr gewann er das Transat Jacques Vabre von Le Havre nach Salvador de Bahia gegen die internationale Imoca-Elite und segelte zuletzt immer auf Augenhöhe mit Jérémie Beyou. Allerdings ist es für ihn die erste Teilnahme an dem Rennen, das vor allem aufgrund der langen Passage durch das Südpolarmeer nicht mit anderen Rennen vergleichbar ist.

Sechs Frauen am Start

Als beste Frau im Starterfeld gilt die Britin Samantha „Sam“ Davies. Die in Frankreich lebende erfolgreiche Soloseglerin geht bereits zum dritten Mal bei der Vendée Globe an den Start, ihre Yacht und die der Deutschfranzösin Isabell Joschke, die unter französischer Flagge startet, sind im Gegensatz zu den Schiffen der übrigen vier Teilnehmerinnen mit Foils ausgestattet.

Eine Besonderheit stellt der japanische Skipper Kojiro Shiraishi da. Nachdem er das Rennen 2016 mit einem Mastbruch im Indischen Ozean abbrechen musste, tritt der mit 52 Jahren älteste Teilnehmer des Rennens wieder an. Sein Ziel ist es, als erster Asiate das Weltrennen erfolgreich zu beenden. Dabei hat sein Schiff, ein Schwesterschiff der „Charal“, durchaus Chancen unter den Top 10 mitzuhalten, wobei die verwendeten Foils im Gegensatz zu „Charal“ nicht weiterentwickelt wurden.

Geheimtipp und spannender Neubau

Als Geheimtipp mit Außenseiterchancen wird Thomas Ruyant auf „Linked Out“ eingeschätzt. Für den 39-jährigen, in verschiedenen Bootsklassen sehr erfahrenen Solosegler, ist es nach 2016 der zweite Versuch, das Rennen erfolgreich zu bestehen. Vor vier Jahren musste er nach einer Kollision mit Treibgut aufgeben. Ebenfalls mit Spannung erwartet wird das Abschneiden von Armel Tripon auf dem Neubau „L‘Occitane En Provence“. Der vor allem in der Mini- und Class40 Klasse erfolgreiche Designer Sam Manuard ließ einige Designprinzipien der erfolgreichen Soloklassen, vor allem den breiten Scowbug, in den Bau der Yacht einfließen. Wenn das ein wenig dickbäuchig wirkende Schiff auf dem Weltrennen Erfolg hat, dürfte das Design seines Imoca-Erstlings großen Einfluss auf die Entwicklung neuer Rennyachten haben.

Acht bis neun Tage bis zum Äquator

Die letzten Stunden bis zum Start haben die Skipperinnen und Skipper vor allem mit eingehender Wetteranalyse und der Ausarbeitung verschiedener Routenoptionen für die Hatz über den Atlantik verbracht, dazu kamen Videoanrufe bei Familie und Freunden.  Will Harris, der mit Boris Herrmann mehrfach zusammen an Bord der „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ an Doublehanded-Rennen teilnahm, gibt einen Ausblick auf das Renngeschehen der nächsten Tage: „Es wird nicht einfach bis zum Äquator. Bei der letzten Vendée Globe segelte die Flotte eine fantastische, schnelle und relativ direkte Route Richtung Süden. Dieses Jahr wird dieser Weg durch schwachen Wind vor der Küste Portugals blockiert, wahrscheinlich werden sich Boris und der Rest der Flotte für eine weiter westlich verlaufende Route entscheiden.“

Vermeiden die Skipper diese Schwachwindzone, verlängert sich aber auch die zu segelnde Gesamtdistanz. Derzeit ist das Wettergeschehen auf dem Nordatlantik mit mehreren sich von Westen verlagernden Tiefdruckgebieten sehr aktiv, so dass die Skipper sehr schnell hintereinander mit jedem neuen Windsystem die Bootskonfigurationen anpassen müssen. „Sobald die Kanarischen Inseln achteraus liegen, entspannt sich die Lage und Boris wird von den beständigen Passatwinden aus Osten profitieren“, prognostiziert Will Harris. „Nach unseren Berechnungen braucht Boris acht bis neun Tage bis zum Äquator.“

Das Wettergeschehen wird maßgeblich den eingeschlagenen Kurs der „SeaExplorer Yacht Club de Monaco“ beeinflussen. Foto: Andreas Lindlahr

Das Vendée Globe Race, benannt nach dem französischen Département Vendée, gilt als das härteste Rennen der Welt für Solosegler. Die Spielregeln sind dabei recht einfach: Es geht darum, allein an Bord so schnell wie möglich ohne technische Hilfe von außen die Welt unter Segeln zu umrunden. Nach dem Start vor der Küste der Biskaya geht es über den Atlantik gen Südhalbkugel, dann vorbei an den drei berühmten Kaps. Das Kap der guten Hoffnung, Kap Leuwin und Kap Hoorn bleiben an Backbord, die Antarktis an Steuerbord. Wer als erstes wieder die Ziellinie vor Les Sables kreuzt, hat gewonnen.

Nach dem Start gilt es für Boris Herrmann und das im letzten Winter mit Foils der neuesten Generation ausgestattete Schiff zu beweisen, dass er zu den weltbesten Soloskippern gehört und den Herausforderungen des Rennens gewachsen ist. Neben seinem seglerischen Know-how wird auf See auch technisches Verständnis gefragt sein; denn alles, was an Bord durch die extremen Belastungen verschleißt oder kaputt geht, muss mit den vorhandenen Ersatzteilen vom Skipper selbst repariert werden. Dabei wird sich vermutlich die lange, intensive Vorbereitungszeit von Boris Herrmann und seinem Team auszahlen, die mit dem Boot, das 2015 gebaut wurde, seit rund vier Jahren kontinuierlich auf das Datum 8. November 2020 hinarbeiten. Die Kampagne gilt als die am besten organisierte und vorbereitete des ganzen Rennens.

Als Glückbringer begleitet den in Oldenburg aufgewachsenen Segler ein kleines, silbernes Medaillon des Heiligen Christopherus, der Schutzheilige der Reisenden und Fahrenden. Zudem hat Greta Thunberg, die er letztes Jahr an Bord der Rennyacht über den Atlantik zum Weltklimagipfel nach New York segelte, in verschiedenen Winkeln des Schiffes kleine Zettelchen mit Zeichnungen versteckt, die der Skipper vermutlich nach und nach entdecken wird.

Im Vorfeld und während der Regatta wird sich Boris Herrmann vor allem mit dem aktuellen Wettergeschehen und Wetterstudien auseinandersetzen, die maßgeblich den eingeschlagenen Kurs seiner Yacht beeinflussen. Zudem gilt es, sich wieder „Seebeine“ wachsen zu lassen und den Körper an den brutalen Schlaf-Wachrhythmus der kommenden rund 80 Tage zu gewöhnen. In den Nachtstunden wird er sich nie mehr als eine Stunde Schlaf am Stück gönnen, ist er in eher ruhigen Passatwinden unterwegs, plant er tagsüber ein wenig länger in der Koje zu pausieren. „Ziel ist es, niemals richtig müde zu sein“ sagt er. „Wir haben die Führung der Großschot so umgebaut, dass ich sie aus meiner Koje heraus bedienen kann.“

Die erste Herausforderung für die Seglerinnen und Segler ist bereits kurz nach dem Start die von den typischen Herbststürmen aufgepeitschte Biskaya. Ist die überwunden, können die Skipper auf dem Atlantik das ganz Potenzial ihrer Schiffe ausfahren. Neunzehn der 33 Einrumpfboote sind inzwischen mit Foils ausgestattet, darunter sieben Boote der allerneuesten Generation 2020. Bei optimalen Bedingungen haben sie ein Speedpotenzial von rund 40 Knoten.

Zur größten Gefahr der Soloskipper auf See gehört ein Ramming mit einem „UFO“ (unknown floating object). Um sich vor dem Zusammenstoß mit Walen oder größeren, im Wasser schwimmenden Gegenständen zu schützen, wurde an der Bord der Yacht das Vorausschau-System OSCAR installiert, das über Warntöne Hinweise auf ein sich näherndes Objekt über und unter Wasser gibt. Nach eigenen Angaben ist es dabei dem Team um Boris Herrmann erstmalig gelungen, Autopilot und OSCAR so zu koppeln, dass der Autopilot bei einer Gefahrenmeldung selbständig reagiert und den Kurs des Schiffes korrigiert, um eine Kollision zu vermeiden. Zusätzlich zu diesem System wurde vorne an der Kielfinne ein sogenannter Walpinger installiert, der auf speziellen Frequenzen die großen Meeresbewohner vor dem Herannahen des segelnden Rennboliden warnt.

Boris Herrmann, der im letzten Jahr durch den gemeinsamen Törn mit Greta Thunberg weltweite mediale Aufmerksamkeit erhielt, wird sich auch während der Regatta weiterhin für den Klimaschutz einsetzen und von Bord aus vor allem im Southern Ocean Messungen zur Erforschung des Klimawandels durchführen. Zur Datengewinnung wurde im Boot eine spezielle, etwa handkoffergroße Apparatur installiert, die an der Kielfinne Wasser ansaugt und dann den PH- und CO2 Wert des Wassers misst.

Die Essensportionen mit dehydrierter Nahrung, die durch die Zugabe von heißem Wasser quillt und so wieder ansatzweise schmackhaft gemacht wird, hat Bors Herrmann auf 80 Tage kalkuliert. Wobei er betont, dass er nicht so lange unterwegs sein möchte. Den aktuellen Rekord auf der rund 24.000 Seemeilen langen Strecke stellte bei der letzten Auflage des Rennens 2016/17 der Franzose Armel Le Cléac’h mit 74 Tagen, 3 Stunden, 35 Minuten und 46 Sekunden auf. Es wird erwartet, dass bei diesem Rennen die Rekordmarke auf unter 70 Tage gesenkt wird. Zum Kreis der Top-Favoriten zählen nach Einschätzung von Boris Herrmann neben dem britischen „Popstar des Segelns“ Alex Thomson auf „Hugo Boss“ die französischen Hochseesegler Thomas Ruyant auf „LinkedIn“, Charlie Dalin auf „Apivia“ und Jeremie Beyou auf „Charal“.

Das Auslaufen und der Start werden im Livestream gezeigt. Während des Rennens wird Boris Herrmann mit Text- und vor allem Videobotschaften regelmäßig über das Rennen berichten.

Für alle, die virtuell bei dem „Mount Everest“ der Meere mitsegeln wollen: https://www.vendeeglobe.org/fr/partenaires/211/virtual-regatta.

Der DSV unterstützt die Kampagne als ideeller Partner und wünscht eine sichere, erfolgreiche und schnelle Reise.