Updates vom The Ocean Race 2023

Zweite Etappe des Weltrennens wird zur taktischen Herausforderung

(24.01.2023)

Am 25. Januar um 19.10 Uhr unserer Zeit fällt vor Mindelo auf den Kapverden der Startschuss für die zweite Etappe des The Ocean Race. Neben der unter deutscher Flagge startenden „Malizia Seaexplorer“ sind mit Robert Stanjek und Phillip Kasüske an Bord der „Guyot Environnement – Team Europe“ und Sanni Beucke, die das Team der „Holcim – PRB“ verstärkt, drei Deutsche auf der rund 4.600 Seemeilen langen Etappe bis Südafrika dabei

Die Skipper der zweiten Etappe des The Ocean Race 2023 (vlnr): Kevin Escoffier „Holcim – PRB Team“; Charlie Enright „11th Hour Racing“;  Will Harris „Malizia Seaexplorer“; Paul Meilhat „Biotherm“; Robert Stanjek „Guyot environnement – Team Europe“ Foto: Sailing Energy/ The Ocean Race

Die wohl wichtigste Personalie für die teilweise Neubesetzung der Crewplätze kam von der „Malizia Seaexplorer“. Nachdem Skipper Boris Herrmann sich auf dem stürmischen ersten Leg durch heißes Wasser, das erst auf den Boden des Schiffes und dann auf seinen linken Fuß spritze, starke Verbrühungen an der Haut zugezogen hat, pausiert er für die zweite Etappe. Unerwartet schlüpft nun sein langjähriger Co-Skipper Will Harris in die Rolle des Skippers. Eigentlich war dies erst für die vierte Etappe von Itajai nach Newport vorgesehen. „Ich nehme mir die Zeit, die Verletzung auszukurieren, damit ich fit bin für die dann folgende lange Etappe durch den Southern Ocean“, sagte Boris Herrmann im Rahmen einer online aus Mindelo übertragenen Pressekonferenz. „Ich werde das Malizia-Team aus Kapstadt unterstützen und mich vor allem mit der Auswertung der Performance-Daten unseres neuen Schiffes beschäftigen.“

Nachdem die erste Etappe die Teilnehmer vor allem mit einer harten, fast zwei Tage dauernden Kreuz mit konstant über 40 Knoten Wind stark gefordert hatte, verspricht die zweite Etappe des Weltrennens sanfter zu werden. Für den Start zwischen den Inseln des vulkanischen Archipels sind schwache Winde aus Nordost mit fünf bis acht Knoten vorausgesagt, auch in den Doldrums rund um den Äquator werden die Crews nach aktuellen Wetterprognosen den Wind suchen müssen. „Wer das Tief dann als erster gefunden hat, ist erstmal weg“, prophezeit Phillip Kasüske, der als „Kraftzentrale“ an Bord der „Guyot Environnement – Team Europe“ im Einsatz ist.

Beim Blick auf den Tracker verfolgen die deutschen Segelfans vor allem die Positionen der „Malizia Seaexplorer“ und der „Guyot environnement – Team Europe“ Foto: Sailing Energy/ The Ocean Race

Ist der Kalmengürtel überwunden, gilt es mit den ersehnten Passatwinden schnell viele Meilen nach Süden gut zu machen, bevor das Hoch bei St. Helena die Yachten ein weiteres Mal ausbremst. „Das letzte Risiko ist direkt vor Kapstadt, hier kann man auch gut einen Tag in der Flaute zubringen“, ergänzt Philipp Kasüske.

Auch Robert Stanjek, auf der zweiten Etappe Skipper an Bord des deutsch-französischen Kooperationsprojektes „Guyot Environnement – Team Europe“, erwartet von dem zweiten Leg des Weltrennens vor allem besondere Herausforderungen für Navigatoren und Taktiker. Nachdem sein Team auf der ersten Etappe mit einigen kleineren Schäden wie dem Bruch der Topplatte, einem Riss im Großsegel und dem zeitweiligen Ausfall des Autopiloten hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben war und auf den letzten Tabellenplatz der fünf teilnehmenden Boote kam, schaut er nun optimistisch in die Zukunft. „Wir haben mit unserem Team und einem ebenfalls nicht topaktuellen Boot das Ocean Race Europe 2021 gewonnen“, sagt er. „Mit jeder Etappe wächst unser Team mit dem Boot noch weiter zusammen und wir werden immer stärker.“

Teamwork und mentale Stärke sieht er als den großen Pluspunkt der Crew, deren Yacht gegen die gegnerischen, neuen Imocas vor allem auf Raumwindkursen nur wenig Chancen haben wird. „Auf den Vormwindkursen fehlt uns Volumen im Boot, wie es Boris auf seiner neuen ‚Seaexplorer’ hat“, analysiert Robert Stanjek „Was für ein Potenzial damit möglich ist, hat Boris mit seiner starken Performance auf dem Schlusssprint zu den Kapverden gezeigt.“

Robert Stanjek ist für die zweite Etappe des Weltrennens Skipper der „Guyot Environnement – Team Europe“ Foto: Sailing Energy/ The Ocean Race

Für die Dauer des rund sechs Monate dauernden Rennes um die Welt ist auf der „Guyot Environnement – Team Europe“ eine Crew mit Seglerinnen und Segler aus Deutschland, Frankreich und England dabei, die Etappenweise teilweise wechselt. Während die beiden Berliner Robert Stanjek und Phillip Kasüske für die zweite Etappe an Bord bleiben, gönnen sich Skipper Benjamin Dutreux und Annie Lush nach dem ersten Leg eine Pause. Sie werden durch den französischen Solosegler Sebastien Simon und die Imoca-Seglerin Anne-Claire Le Berre ersetzt. Nach den Regularien des The Ocean Race können während des gesamten Rennverlaufs in den Etappenhäfen beliebig oft Crewwechsel vorgenommen werden. Vorgeschrieben ist nur, dass immer mindestens ein Viertel der vierköpfigen Crew weiblich ist und dazu ein On-Board-Reporter dabei ist, der aber nicht in das aktive Segelgeschehen eingreifen darf.

Endlich ins Renngeschehen eingreifen kann nun Sanni Beucke, die vor ihrem ersten Einsatz an Bord der „Holcim – PRB“ aufregt und voller Vorfreude ist. „In einem Tag starte ich in ein besonderes Abenteuer, mein bisher größtes“, sagte Silbermedaillengewinnerin von 2021 im 49er FX vor dem Start. „Ich kann kaum erwarten, dass es losgeht.“ Die Voraussetzungen für ihre Premiere bei dem Weltrennen könnten kaum besser sein: Nach der ersten Etappe führt das Team „Holcim – PRB“ mit Skipper Kevin Escoffier die Tabelle an. Für die 31-jährige Sanni Beucke, die erst letztes Jahr ihren Abschied vom olympischen Segelsport verkündete und im Sommer 2022 eine eigene Figaro Kampagne startete, ist die rund 15 Tage dauernde Reise nach Kapstadt die bisher längste Zeitspanne, die sie nonstop auf See verbrachte.

Der Start zur zweiten Etappe des Weltrennens wird am 25.01.2023 ab 18.30 Uhr live auf Eurosport übertragen. Johannes Christophers, Leiter Technik und Seeregatten des DSV, wird als Co-Kommentator die Sendung mit seiner Expertise und fundiertem Know-how begleiten.

Dritter Platz für Team „Malizia“ nach der ersten Etappe

(23.01.2023)

Die erste Etappe des The Ocean Race von Alicante auf die Kapverden hatte es in sich. Mit „nur“ 1.900 Meilen war die Strecke zwar gegenüber den folgenden sechs Etappen des Rennens vergleichsweise kurz, aber seglerisch äußerst anspruchsvoll. Auf einen Start bei leichten Winden folgte eine harte Kreuz mit über 50 Knoten Gegenwind durch die Straße von Gibraltar, bevor die fünf teilnehmenden Imoca-Yachten vor dem Wind zum rasanten Schlusssprint nach Mindelo ansetzten.

Im Morgengrauen kam das Tem Malizia auf den Kapverden an. Foto: The Ocean race

Der erste Etappensieg ging an den französischen Segelprofi Kevin Escoffier und seine Crew auf „Holcim-PRB“, Zweiter wurde Charlie Enright mit seinem Team „11th Hour Racing“, der dritte Platz auf dem Podium ging an die „Malizia Seaexplorer“ mit Boris Herrmann. Es folgten die beide Yachten „Biotherm“ und „Guyot Environnement – Team Europe“ mit Benjamin Dutreux, Robert Stanjek und Phillip Kasüske.

Mit einigen Materialproblemen hatte das Team Guyot Environnement zu kämpfen. Foto: Guyot Environnement
Mit einigen Materialproblemen hatte das Team Guyot Environnement zu kämpfen. Foto: Guyot Environnement

Die bei den ruppigen Bedingungen an den Schiffen aufgetretenen Schäden müssen die Seglerinnen und Segler in Mindelo allein reparieren, der Einsatz der versierten Shore-Teams ist bei diesem kurzen Stopp nicht zugelassen. Ebenso dürfen keine weiteren Lebensmittel an Bord gebracht werden, nur ein personeller Wechsel innerhalb der Crews ist zulässig.

Susann Beucke geht an Bord, Boris Herrmann muss pausieren

Boris Herrmann (hie r bei einer Reparatur an Bord) verbrannte sich kurz vor der Ankunft in Mindelo mit heißem Wasser am Fuß. Foto: Team Malizia
Boris Herrmann (hier bei einer Reparatur an Bord) verbrannte sich kurz vor der Ankunft in Mindelo mit heißem Wasser am Fuß. Foto: Team Malizia

Die zweite Etappe von den Kapverden nach Kapstadt startet am 25. Januar, Während sich die Kielerin Sanni Beucke auf ihren ersten Einsatz beim The Ocean Race an Bord der „Holcim-PRB“ freut, muss Boris Herrmann mit einer Brandverletzung am Fuß pausieren. Zusammen mit dem behandelnden Arzt entschied der Vendée Globe-Bezwinger, die Heilung nicht durch einen weiteren, kräftezehrenden Einsatz an Bord zu gefährden und keine Infektion zu riskieren. Boris Herrmann hofft nun, für die dritte, längste Etappe in der Geschichte des Weltrennens (ehemals Whitbread Round the World bzw. Volvo Ocean Race) von Kapstadt bis nach Itajai wieder voll einsatzfähig zu sein. An seiner Stelle übernimmt Will Harris die Rolle des Skippers auf der „Mailizia Seaexplorer“, die Crew wird von dem erfahrenen französischen Offshore-Segler Yann Eliès unterstützt.


(14.01.2023)

Johannes Christophers kommentiert den Start des The Ocean Race

Johannes Christophers, Leiter Technik und Seeregatten beim DSV, moderiert den Start des The Ocean Race als Co-Kommentator für Eurosport und den kostenpflichtigen Kanal discovery+. Einen Tag vor dem Start des Weltrennens sah sich der Schiffbauingenieur im Hafen von Alicante die teilnehmenden Imoca 60 und VO 65 noch einmal ganz genau an und studierte die Wettermodelle für die erste Sprintetappe des Rennens auf die Kapverden.

Johannes Christophers, Leiter Technik und Seeregatten beim DSV, kommentiert live aus Alicante für Eurosport den Start des The Ocean Race

Es war ein Sprung ins „kalte Wasser“, aber er hat ihn nicht bereut. Wenige Tage vor Weihnachten erreichte Johannes Christophers die Anfrage, ob er sich vorstellen könne, als Co-Moderator eine Livesendung zum In-Port-Race des The Ocean Race zu moderieren, zum Jahreswechsel trafen bereits an ihn adressierte Päckchen mit dem nötigen technischen Equipment in der Geschäftsstelle des DSV in Kiel-Schilksee ein.

„Kopfhörer, Laptop, eine Art Mischpult, mehr brauchte ich nicht, um von meinem Kieler Schreibtisch aus die In-Port-Races direkt kommentieren zu können“, sagt Johannes Christophers. „Natürlich war ich anfangs nervös, doch als dann alles klappte, hat es einfach nur ganz viel Spaß gemacht, über das Rennen und vor allem die Schiffe, die ich seit Jahren studiere, berichten zu können.“ Über vier verschiedene Kanäle bekam er die Sendeinformation direkt über die Kopfhörer, während des In-Port-Rennens war er von 13 bis 17.30 Uhr nonstop live auf Sendung.

Das Weltrennen The Ocean Race (vormals Volvo Ocean Race) begeistert ihn von Kindheit an. „Das erste Mal sehr bewusst habe ich das Rennen 1989/90 verfolgt, als die ‚Steinlager‘ überragend alles gewonnen hat“, erinnert er sich. „Seitdem habe ich jedes einzelne Rennen, vor allem aber die technische Entwicklung der teilnehmenden Yachten sehr genau verfolgt.“

Vor allem diese technischen Aspekte des Rennens und das enorme Potenzial der foilenden Imoca-Rennyachten reizen den Schiffbauingenieur, der während seines Studiums an der Entwicklung eines Volvo 70 beteiligt war und bei zahlreichen internationalen Kampagnen wie „Pirates of the Carribean“ mitgearbeitet hat.

Die Tage vor dem Start des Weltrennens hat er in Alicante genutzt, um an Bord der teilnehmenden Yachten zu gehen, die Unterschiede zwischen den einzelnen Imocas herauszuarbeiten und Überlegungen anzustellen, welche der Yachten am schnellsten sein könnte. „Die Schiffe und Teams sind zu verschieden, um sich schon jetzt auf einen Favoriten festlegen zu können“, sagt er. „Kevin Escoffier hat mit der ‚Holcim PRB‘ sicher eines der besten Boote, doch noch kennen wir das wahre Potenzial von der ‚Malizia Seaexplorer‘ mit der neuen Bugform nicht. Und das Team von 11th hour racing mit Charlie Enright hat sicher die beste Vorbereitung, dafür ist die ‚Biotherm‘ sehr leicht. Sicher ist, dass sie alle Gas geben werden.“

Für das erste Leg Richtung Kapverden vermutet er, dass die bereits um 14 Uhr startenden VO 65-Yachten kaum langsamer als die fünf Imoca Rennyachten sein werden, die um 16 Uhr auf den Parcours gehen. „Die VO 65-Yachten, die bereits zweimal dieses Rennen bestritten haben, sind genau dafür gemacht“, sagt er. „Die kann man richtig hart pushen, die verzeihen auch wirklich ruppige Bedingungen.“ Anders als die Imoca-Flotte werden die VO 65 nicht das gesamte Rennen mitsegeln, sondern nur einzelne Etappen.

Für das erste, rund 2.000 Seemeilen lange Leg auf die Kapverden werden die Schiffe rund fünf Tage brauchen. „Wir werden am Anfang drehende, leichte Winde mit einem großen Amwindteil haben, da werden die VO 65 im Vorteil sein, weil sie besser kreuzen. Danach nimmt der Wind zu und es wird eher ein Downwindkurs, da werden die Imocas wieder aufholen“, ist seine Vorhersage für die ersten Tage der Regatta. „Ab Gibraltar müssen wir sehen, wie sich das Wetter entwickelt und welchem Team es gelingt sein Schiff auf dieser ersten Sprintetappe besonders gut zu segeln.“

Eurosport bietet zum Start des The Ocean Race einen Liveblog an, die Übertragung aus dem Race Village in Alicante beginnt um 14 Uhr: https://www.discoveryplus.com/de/sport/video/dplus-sport-dplus-sport-sport/the-ocean-race-sprint-3939685.


(14.01.2023)

Deutsche Segler*innen vor dem Start zum The Ocean Race

Am 15. Januar fällt vor Alicante der Startschuss zum The Ocean Race. 50 Jahre nach dem ersten Round-the-World Race für Crews, das damals unter dem Namen Whitbread Round The World in Southampton startete, ist das Rennen so deutsch wie noch nie.

Robert Stanjek und Phillip Kasüske starten mit dem Team Guyot – Environnement zum Weltrennen. Foto: Sailing Energy/TOR
Robert Stanjek und Phillip Kasüske starten mit dem Team Guyot – Environnement zum Weltrennen. Foto: Sailing Energy/TOR

Fünf internationale Teams haben in der Imoca-Klasse für die Hatz um die Welt in sieben Etappen gemeldet. Dabei : Neben der „Malizia Seaexplorer“ mit Skipper Boris Herrmann, die unter deutscher Flagge gemeldet ist, sind mit Robert Stanjek, Phillip Kasüske und Sanni Beucke drei weitere deutsche Seglerinnen und Segler bei dem Weltrennen dabei. Alle drei haben vor ihrem Eintritt in die Welt des Offshoresegelns eine intensive Karriere in einer olympischen Klasse hinter sich und waren Mitglied im German Sailing Team.

Susann Beucke startet Offshorekarriere

Im August 2021 stand sie noch bei den Olympischen Spielen in Tokio auf dem Treppchen und jubelte zusammen mit Tina Lutz über die Silbermedaille im 49erFX, nun trägt sie eine leuchtendblaue Teamjacke von „Holcim PRB“ und freut sich über ihre erste Teilnahme am The Ocean Race: Susann „Sanni“ Beucke.

Seit 27. Dezember 2022 ist sie in Alicante und hat die Imoca-Rennyacht „Holcim PRB“ für den Start des Weltrennens mitvorbereitet und auf dem Schiff trainiert. Erst rund einen Monat vorher hatte sich Skipper Kevin Escoffier bei ihr gemeldet und ihr die Chance angeboten, Teil seiner Crew für das prestigeträchtige Weltrennen zu werden. „Ich lag mit meinem Schiff in Frankreich neben Kevin Escoffier. So haben wir uns viel gesehen und er war sehr beeindruckt davon, wie zielstrebig und professionell meine Kampagne gestartet ist‘“, erzählt sie. Unter dem Namen „This race is female“ begann sie im Sommer 2022 ihre eigenen Offshore-Kampagne mit dem Ziel, sich als Soloseglerin zu etablieren und am Vendée Globe Race teilzunehmen. „Als ich meine Kampagne startete, hatte ich gedacht, dass sich damit eine Teilnahme am ‚The Ocean Race‘ ausschließt“, sagt Sanni Beucke.“ Es war ein Traum von mir daran teilzunehmen. Nun lässt es sich doch kombinieren und ich freue mich darauf, an dem Rennen teilzunehmen, Imoca zu segeln und ganz viel von diesem erfahrenen Team zu lernen.“

In der Startaufstellung des Teams der „Holcim PRB“ für die erste Etappe auf die Kapverden ist sie nicht dabei, sie fährt einige Tage nach Lorient, um sich um ihre eigene Kampagne zu kümmern, bevor sie dann zum Start der 2. Etappe auf die Kapverden fliegt. „Dann bin ich zum ersten Mal dabei, Abby Ehler geht von Bord und ich übernehme ihren Platz in der Crew“, sagt sie. „Ich freue mich auf die intensive Segelzeit an Bord, den echten Bubble, in dem wir uns als Crew befinden und in dem wir uns nur noch aufs Segeln konzentrieren müssen.“

Erst kurz vor dem Start wurde 49erFX-Silbermedaillengewinnerin Susann Beucke ins Team HolcimPRB berufen. Foto: Privat

Robert Stanjek ersehnt Ruhe und Konzentration auf See

Die Vorfreude auf den Start des Rennens ist auch Robert Stanjek, ehemaligem Starboot-Weltmeister, anzumerken. Nach Wochen der intensiven Vorbereitung, in denen er und sein Team vor allem die Yacht „Guyot Environnement – Team Europe“ sehr genau kennengelernt haben, fiebert er darauf, endlich auf See zu sein und in den Rennmodus wechseln zu können. „Die letzten zwei Wochen hier waren viel Arbeit. Abstimmungen mit dem Race Office, Öffentlichkeitsarbeit, die Ausstattung des Schiffes mit Ersatzmaterialien und die Vorbereitung der Crew haben uns den ganzen Tag gefordert. Es war laut und anstrengend“, sagt Robert Stanjek. „Ich ersehne den Start, ich ersehne die Ruhe und Konzentration auf See. Jetzt will ich, dass es los geht.“

Wie viele Etappen Robert Stanjek an Bord sein wird, steht derzeit nicht fest. Zusammen mit Phillip Kasüske wird er auf jeden Fall die ersten beiden Etappen zu den Kapverden und von dort nach Kapstadt mitsegeln. Beide gehören zum Offshore Team Germany und haben mit der Yacht „Einstein“ 2021 das Ocean Race Europe gewonnen.

Robert Stanjek an Bord der „Guyot Environnement – Team Europe“. Foto: Privat

Selbstreflexion und Lernfähigkeit 

Neben den Erfahrungen aus diesem Rennen über mehrere Etappen entlang der europäischen Westküste hat Phillip Kasüske vor allem durch die intensive Vorbereitung der Yacht „Guyot Environnement – Team Europe“ für das Rennen ein großes Wissen über die foilende Rennyacht erworben.“ Diese Schiffe sind selbstverständlich deutlich komplexer als ein ILCA oder Finn, die mit einem Segel nur wenig Trimmmöglichkeiten haben“, sagt er. „Aus meiner aktiven Zeit im Kader kann ich nun vor allem von meiner großen Selbstreflexion und Lernfähigkeit profitieren. Mich freut es sehr, nun Entscheidungen im Team treffen zu können und Verantwortung an Bord für alle zu tragen.“

Phillip Kasüske, der gemeinsam mit Robert Stanjek an Bord der „Guyot Environnement – Team Europe“ segeln wird. Foto: Privat

Für das erste Leg erwartet die Flotte nach einem Start bei Leichtwind auffrischenden Wind aus West, der mit bis zu 35 Knoten vor Gibraltar zur ersten Härteprobe für Segler und Yachten wird. Die Positionen der Yachten und Platzierungen können über den Tracker verfolgt werden.


(13.01.2023)

Am Sonntag startet die Hatz um die Welt

Das erste In-Port-Race ist bereits gelaufen, nun startet am Sonntag um 16 Uhr vor Alicante das härteste Rennen rund um die Welt für Crews, The Ocean Race. Drei Teams mit deutscher Beteiligung gehen an den Start. 

8 January 2023: Die IMOCA-Crews beim In-Port Race in Alicante. Foto: Sailing Energy/TOR

Die Regatta, 1973 als Whitbread Round The World Race gegründet und vor allem als Volvo Ocean Race bekannt, bringt Schiffe und Crews in acht Etappen auf über 32.000 Seemeilen einmal rund um die Welt. Die erste Etappe führt über 1.850 Seemeilen auf die Kapverden, der Zieleinlauf der Yachten ist für den 22. Januar geplant. Von den Kapverden aus geht es dann weiter ins südafrikanische Kapstadt.

12.750 Seemeilen nonstop von Südafrika nach Brasilien

Hier ist Start zur bisher längsten Etappe in der Geschichte des Rennens. Über 12.750 Seemeilen führt der Kurs nonstop ins brasilianische Itajai. Dabei werden die drei großen Südkaps an der Backbordseite passiert: Kap der guten Hoffnung, Kap Leeuwin und Kap Horn als Everest des Segelsports. Von Itajai aus geht es über Newport und Aarhus über eine „fly by“-Bahnmarke vor Kiel nach Den Haag, bevor die Flotte zur finalen Etappe nach Genua aufbricht. Ein letztes In-Port-Race am 1. Juli markiert in der italienischen Hafenstadt das Finale des Weltrennens.

Erstmals werden die durch die Vendée Globe bekannten Imoca-Yachten als Einheitsklasse für das Rennen eingesetzt. Für das The Ocean Race haben fünf Yachten gemeldet, gesegelt wird in vierköpfigen Teams, mit an Bord ist immer ein On-Board-Reporter, sodass die Fans zu Hause mit Bildern und Videos bestens versorgt sind. Ein Viertel der Crew muss immer weiblich sein, daher ist die Anzahl der Frauen bei diesem Rennen so hoch wie nie zuvor. Dagegen ist die Flotte mit nur fünf teilnehmenden Schiffen mit Abstand die kleinste, die je bei dem Weltrennen an den Start ging.

Spannend wird es dennoch, denn die foilenden Imocas versprechen rasante Geschwindigkeiten, zahlreiche international erfahrene Imoca-Seglerinnen und -Segler haben auf den Schiffen angeheuert. Viele Crews wechseln zwischen den einzelnen Etappen, sodass Skipper und Crewmanager die Besetzung auf die spezifischen Skills und Erfahrungen der jeweiligen Teammitglieder zuschneiden können und bei verletzungsbedingten Ausfällen eine größere Variabilität haben.

Vier deutsche Segler*innen starten ins Abenteuer The Ocean Race

Robert Stanjek und Phillip Kasüske starten mit dem Team Guyot - Environnement zum Weltrennen. Foto: Sailing Energy/TOR
Robert Stanjek und Phillip Kasüske starten mit dem Team Guyot – Environnement zum Weltrennen. Foto: Sailing Energy/TOR

Vor allem aus deutscher Sicht sind die Regatta und ihre Akteure interessant. Neben Boris Herrmann mit der „Malizia Seaexplorer“, der spätestens seit seiner erfolgreichen Vendée Globe-Teilnahme eine große Popularität genießt, gibt es noch zwei weitere Teams mit deutscher Beteiligung. Das Kernteam des Offshore Team Germany, Robert Stanjek und Phillip Kasüske, unterstützt ab dem Start das deutsch-französische Kooperationsprojekt „Guyot Environnement – Team Europe“. Für den ehemaligen Starboot-Weltmeister Robert Stanjek erfüllt sich mit der Teilnahme an dem Weltrennen ein lange gehegter seglerischer Traum. Er und seine Crew gewannen 2021 mit der deutschen Imoca „Einstein“ das „Ocean Race Europe“, gewissermaßen der kleine Bruder des härtesten Yachtrennens der Welt.

Erst kurz vor dem Start wurde 49erFX-Silbermedaillengewinnerin Susann Beucke ins Team HolcimPRB berufen. Foto: Georgia Schofield | polaRYSE | HolcimPRB

Susann „Sanni“ Beucke, die bei den olympischen Spielen vor Tokio im 49er FX die Silbermedaille gewann und unter dem Claim „This race is female“ eine eigene Offshore-Karriere gestartet hat, segelt auf „Holcim PRB“ unter dem französischen Skipper und Vendée Globe-Veteranen Kevin Escoffier mit.

Anders als ursprünglich geplant wird bei der wichtigsten Mannschaftsregatta der Welt neben den Imocas keine weitere Bootsklasse das gesamte Rennen mitsegeln. Die Volvo Ocean 65-Racer, die bereits bei den beiden vorherigen Auflagen der Regatta eingesetzt wurden, werden ähnlich dem „Ocean Race Europe“ nur einige Sprintetappen mitsegeln. Ausschlaggebend für diese erst im Dezember bekannt gewordene Planungsänderung waren vor allem die begrenzten Budgets der bisher gemeldeten sechs VO 65-Teams. 

In-Port-Races könnten in der Endabrechnung der Joker sein

Team Malizia konnte das erste in-Port-Race in Alicante für sich entscheiden. Foto: Sailing Energy/TOR

Der Gesamtsieg bei diesem prestigeträchtigen Rennen wird über ein einfaches Punktesystem ermittelt. Bei jeder Etappe werden Punkte vergeben, die zum Gesamtergebnis addiert werden. Die erste Yacht im Ziel erhält fünf Punkte, die zweite vier usw. Kann eine Crew eine Etappe nicht beenden, erhält das Schiff für diese Etappe auch keine Punkte. Doppelte Punktzahlen locken bei der langen dritten Etappe durch den Southern Ocean und Etappe fünf zurück nach Europa über den Atlantik. Wer diese Etappen erfolgreich meistert, kann bereits eine Vorentscheidung herbeiführen. Wobei die Veranstalter auf der Strecke von Kapstadt nach Itajai eine weitere Zwischenwertung eingeführt haben: Die eine Hälfte der Punkte erhalten die Yachten beim Passieren des 143. östlichen Längengrades südlich Australiens, die andere bei der Ankunft in Brasilien.

Sind am Ende zwei oder mehrere Boote punktgleich, entscheidet die bessere Wertung in den In-Port Races. Wie gut, dass Boris Herrmann und sein Team der „Malizia Seaexplorer“ bereits das erste In-Port-Race für sich entscheiden konnten.

Der DSV drückt allen teilnehmenden deutschen Seglerinnen und Seglern für einen schnellen, sicheren und erfolgreichen Rennverlauf die Daumen.

Der Start des The Ocean Race wird am Sonntag, 15. Januar 2023 ab 15.30 Uhr live auf Eurosport und discovery+ übertragen. Co-Kommentator ist der erfahrene Offshore- und Regattasegler Johannes Christophers, Leiter der DSV-Abteilung Technik und Seeregatten.