Rückblick: Das war die Liga-Saison 2020

Verspätet, aber mit einem eng durchgetakteten Eventkalender, startete die Segel-Bundesliga in ihre siebte Saison. Den Organisatoren gelang es in nur vier Monaten, alle geplanten Spieltage der 1. und 2. Segel-Bundesliga, den Liga-Pokal und die Wettfahrten der Sailing Champions League auszutragen.

Der Norddeutsche Regatta Verein (NRV) konnte zum fünften Mal den Meistertitel erringen, die Shooting-Stars von ONEKiel wurden nach ihrer ersten Saison in der 1. Liga Vizemeister und der Vorjahressieger Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) kam auf den dritten Podiumsplatz. Auch der Liga-Pokal geht an das Team des NRV und der Segel- und Motorbootclub Überlingen triumphiert bei der Sailing Champions League – das ist das Fazit nach einer kurzen Saison für die Liga-Segler.

Besonders spannend waren die Wettfahrten der Sailing Champions League Mitte Oktober im italienischen Porto Cervo. Nach vier Regattatagen bei perfekten Bedingungen hatten vor der letzten Wettfahrt noch vier Teams die Chance, die beste europäische Vereinsmannschaft der Saison 2020 zu werden.  Im entscheidenden Lauf gelang es den jungen Seglern vom SMC Überlingen, den Bug ihrer J/70 als erste über die Ziellinie zu schieben und so zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den begehrten Titel zu erringen. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir tatsächlich den Titel gewonnen haben“, sagte Skipper Michael Zittlau. „Es ist kaum zu fassen, wir kommen von einem kleinen Club vom Bodensee und hatten uns zum Ziel gesetzt, unter die Top Ten zu kommen. Und nun haben wir uns gegen die besten Teams durchsetzen können, das ist einfach fantastisch.“ An den beiden Sailing Champions League Events des Jahres, die beim Deutschen Touring Yacht Club am Starnberger See und vor Sardinien stattfanden, nahmen insgesamt 38 internationale Clubmannschaften teil.

Der Deutsche-Segel-Ligapokal und die Meisterschale werden ein weiteres Jahr in den Vitrinen des Norddeutschen Regatta Vereins (NRV) an der Außenalster stehen. Nur eine Woche nach dem Gewinn der Meisterschaft am zweiten Oktoberwochenende sicherten sich die Liga-Profis des NRV mit Steuermann Tobias Schadewaldt auf ihrem Heimatrevier den zweiten Titel der Saison – den Liga-Pokal. Damit haben die Hamburger zum dritten Mal in Folge den Pokal gewonnen. Den Doppelerfolg des Teams führt Steuermann Schadewaldt vor allem auf den guten Teamgeist zurück: „Wir konzentrieren uns auf die positiven Dinge und auf die Parameter, die wir beeinflussen können. Diese konstruktive Einstellung, die wir alle an Bord teilen, hat uns zum Sieg getragen.“
Die Pokalwettfahrten entschieden aber auch für einige Vereine über den Klassenerhalt oder den Aufstieg in die 2. Liga. Neu dabei in der 2. Segel-Bundesliga sind in der kommenden Saison der Segelclub Salzgitter und die Regatta-Segler-Neuruppin, abgestiegen sind die Segler-Vereinigung Altona-Oevelgönne (SVAOe) und der Segelclub Eckernförde (SCE).

Aus der 1. Liga verabschieden mussten sich bereits nach dem letzten Liga-Spieltag die Teams des Düsseldorfer Yacht Club (DYC), der Seglervereinigung 03 aus Berlin, des Lübecker Yacht Club (LYC) und des Potsdamer Yacht Club (PYC). An ihrer Stelle segeln in der kommenden Saison die Kadersegler vom Bodensee Yacht Club Überlingen (BYCÜ), Mühlenberger Segel-Club (MSC), Joersfelder Segel-Club (JSC) und Konstanzer Yacht-Club erstklassig. „Damit ist es allen Bundesligavereinen rund um den Bodensee gelungen, sich für die Saison 2021 für die 1. Liga zu qualifizieren“, sagt Anke Lukosch, Projektmanagerin für die Segel-Bundesliga bei der veranstaltenden Konzeptwerft. „Das ist vor allem auf die vielen gemeinsamen Trainings zurückzuführen.“

Das Team der Hamburger Konzeptwerft rund um Initiator Oliver Schwall blickt zufrieden auf die abgelaufene, von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägte Segelsaison 2020. „Innerhalb von vier Monaten, von Juli bis Oktober, ist es uns gelungen, alle fünf Bundesliga-Spieltage inklusive der Pokalwettfahrten, durchzuführen“, sagt Anke Lukosch. „Bei der Sailing Champions League mussten wir uns auf ein Qualifikationsevent und das Finale in Porto Cervo beschränken, haben aber gerade dort gemerkt, wie heiß die internationalen Teams auf die Rennen waren und wie groß die Begeisterung war, dass das Event mit allen notwendigen Hygienemaßnahmen stattfinden konnte.“

Aufgrund der regional verschiedenen Beschränkungen bei der Ausübung von sportlichen Wettkämpfen war es nicht möglich, die ersten Spieltage der Segel-Bundesliga wie geplant in Süddeutschland stattfinden zu lassen. „An dieser Stelle haben sich spontan drei Kieler Vereine sehr stark für die Bundesliga engagiert, die gar keine eigenen Teams dabeihaben“, erzählt Oliver Schwall, Geschäftsführender Gesellschafter der Konzeptwerft. „Die Teams der Segler Vereinigung Kiel, des TSV Schilksee und des Segelclub Baltic haben uns ganz stark unterstützt und haben immense Flexibilität gezeigt. Durch ihre Hilfe wurde die Durchführung des ersten Spieltages erst möglich.“

Anders als in den Vorjahren fanden die Rennen, vor allem das Finale auf der Hamburger Außenalster, ohne Fans und Zuschauer statt. Die Begeisterung der „Buli“-Fans übertrug sich aber auf die digitalen Übertragungswege. „Mit den Livestreams der Rennen haben wir zu Spitzenzeiten zwischen 80. und 100.000 Follower erreicht, vor allem über Facebook und Youtube“ sagt Oliver Schwall. „Viele Vereine haben über ihre Seiten wieder auf die Seiten der Bundesliga verwiesen, so dass es gelungen ist, viele Zuschauer live an dem Event teilhaben zu lassen und auch in diesem schwierigen Jahr die Begeisterung für Liga-Segeln hochzuhalten.“