Abschlussbericht der Windsurfer (Bretagne, Frankreich)

Die Surfer in der Bretagne – Wenn Deutsche und Franzosen gemeinsam über den Atlantik brettern

Dass die Bretagne so weit weg sein würde, sowohl in tatsächlicher Kilometeranzahl als auch mit all ihren Herausforderungen und Besonderheiten, das wurde den Teilnehmern des deutsch-französischen Surfaustauschs in diesem Jahr schon auf der zweitägigen Anreise bewusst. Vom 7. bis 19. Juli 2016 waren 10 deutsche Techno 293-Surfer zwischen 13 und 16 Jahren aus ganz Deutschland mit den zwei Trainern Thomas Kleine und Charlotte Metzger in Perros-Guirec in Frankreich um dort ein bisschen deutschen Flair in die bretonische Kleinstadt zu bringen.

Obwohl der erste Reisetag bei Team West- und Norddeutschland mit einer gebrochenen Hängerachse begann, war die Stimmung vom ersten Moment an sehr gut. Weder die Niederlage der deutschen Fußball-Nationalelf, noch die anfängliche Verwunderung über unsere Unterkunft – einer Herberge mit Gemeinschaftsbad – im Zielort Perros-Guirec änderten etwas daran.

Am Abend des 8. Juli fanden sich schließlich auch die 7 französischen Trainingspartner ein, nachdem wir schon eine erste Runde im Hafen von Perros-Guirec gedreht hatten, sodass am Sonntag und Montag die ersten gemeinsamen Tage anstanden. Dank viel Wind und Sonne hatten wir tolle Tage auf dem Wasser und lernten einiges über die bretonische Kultur, zum Beispiel bei einer Wanderung entlang der berühmten „Côte de Granit rose“ und dem ganz normalen „Trainingsalltag“ mit den Franzosen. Der französische Trainer Vivien erwies sich als ortskundig und teilte sein revierspezifisches Wissen mit uns. Die Küste im Norden Frankreichs ist als sehr anspruchsvolles Revier bekannt und den starken Trainingspartnern eilte ihr Ruf als gute Surfer bereits voraus. Perfekte Bedingungen also, um alles aus den Brettern rauszuholen – und aus den Sportlern: ausgedehnte Trainingseinheiten und ungewohnte Bedingungen brachten uns an unsere Grenzen, ließen uns diese aber auch überschreiten und ganz neue Horizonte entdecken.

So gab es zum Beispiel am Dienstag einen Langstreckentag mit dem Ziel „Sept Îles“, ein Inselarchipel 10 km vor der Küste. Strömungen, die weitläufige Atlantikdünung und Wind stellten uns vor einige Herausforderungen, aber das Picknick am Nachmittag auf einer der Inseln entschädigte für einiges. Dieser Tag bot bei 15-20 Knoten und Sonnenschein trotz nur 15 Grad Wassertemperatur einen perfekten Surftag, an dessen Ende der ein oder andere Arm bis zum Boden hing und alle sich erschöpft auf die Nudeln beim Abendessen stürzten. Ein weiterer Grund, warum die Nudeln so hoch im Kurs lagen ergab sich aus der Essenskultur, die eine interkulturelle Erfahrung zutage förderte: ein minimalistisches Frühstück, Weißbrot und Fisch zum Abendbrot stießen jedoch nicht nur bei vielen Deutschen auf Missmut. Da können nur Kohlenhydrate das echte Sportlerherz höher schlagen lassen! Zum Glück konnte hin und wieder das Taschengeld in Crepes am Strand investiert werden… 

Am vorletzten Tag der Sportbegegnung stand das sehnsüchtig erwartete Klettern im Hochseilgarten auf dem Programm, und für den Nachmittag natürlich Wasserarbeit. Mittags luden uns die 7 französischen Jungs – Mädchen gab es leider keine – zu einer selbstgekochten Carbonara und einer Runde Crêpes ein, zu der sie regionalen Apfelsaft servierten. Letzteren fanden wir so gut, dass wir uns mit rund 20 Litern davon eindeckten. Nur einen Tag zuvor, am Mittwoch, hatten wir nämlich an einer Führung durch die ortsansässige Cidrerie teilgenommen, wo wir alles rund um den Apfelanbau und den Herstellungsprozess von Apfelsaft und -wein erfuhren. Schade nur, dass die gesamte Führung auf Französisch stattfand und Charlotte kaum Gelegenheit hatte, alles zu übersetzen. So mussten wir den Saft einfach so genießen, und durften uns um den Lebensmittel-Crashkurs drücken.

Zum Abschluss des Austausches nahmen unsere 10 Surfer an der Regatta „Festiwind“ teil. Nachdem die Sportler eine traumhafte Trainingswoche bei nahezu perfekten Bedingungen geboten bekommen hatten (eine Woche ohne Regen, dafür mit Sonnenschein und gegen Mittag einsetzender Thermik sind in der Bretagne selbst im Sommer keine Selbstverständlichkeit!), besorgte die Windvorhersage für das Wochenende dem Nachwuchs ein wenig Bauchweh. Als die deutschen See-Surfer gerade endlich mal Gefallen an den härteren Bedingungen gefunden hatten, da waren im Internet von Freitag bis Sonntag nirgends grüne, geschweige denn orange oder rote Balken in der Forecast zu sehen.

Mit einem Schmunzeln verwies Trainer Thomas auf das frei bewegliche Segel und die Muskelkraft der Jugendlichen, erinnerte jedoch auch an das zuvor erlernte Wissen um die lokalen Revierbesonderheiten. Denn mithilfe von Charlottes Übersetzungsarbeit hatte der französische Coach Vivien den Kids zuvor die Wind- und Gezeitensysteme sowie die Topographie der Küste rund um Perros-Guirec eingebläut. Trotz der tollen Location am Strand von Perros-Guirec für das viel angekündigte „Windsurf-Festival“ mit DJ, Verpflegung und Gewinnen fanden nur wenige Surfer den Weg in die Bretagne. Nachdem auch der Großteil unserer französischen Trainingspartner abgereist war, waren schließlich 20 Surfer an der Startlinie aufgereiht; davon 12 Technos. Sehr wenig Wind und der Versuch mehrerer Langstreckenläufe bis vor die bereits erkundeten Inseln ließen die Motivation der deutschen Helden sinken, doch ein Lächeln war immer wieder auf den Gesichtern zu erkennen und die gesammelte positive Einstellung der vergangenen Woche ließ die Youngster alle Läufe durchpumpen. Letztlich musste sich die deutsche Riege nur ihrem französischen Kumpel Tanguy geschlagen geben und belegte souverän die Plätze 2 bis 11 der Techno 293-Klasse.

Nach der mehr oder weniger erfolgreichen Regatta verließen die Surfer die Bretagne am Montag mit stark beanspruchten Muskeln, typischer „Streifenhörnchen-Bräune“, aber vor allem mit einem schweren Herzen. Die abendlichen Besuche des Strandes von Trestraout, die ausgelassene Stimmung der deutsch-französischen Truppe sowie super Surfbedingungen fehlen uns allen. Selbst bis kurz vor der Ankunft in der deutschen Heimat wurde von den Rückbänken der Autos immer wieder betont: „Noch können wir jederzeit umdrehen… Die Bretagne erwartet uns!“

Diese Maßnahme wird durch das Deutsch-Französische Jugendwerk und dem Deutschen Segler-Verband gefördert.