Deutsch-Französische Jugendbegegnung in Steinhude

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Nach ungefähr 10 Jahren waren die Europe-Segler mal wieder dran – sie wurden für die Deutsch-Französische Jugendbegegnung, einem Austauschprogram gefördert vom Deutsch-Französischen Jugendwerk zwischen dem Französischen Seglerverband (Fédération Française de Voile) und dem Deutschen Segler-Verband, ausgewählt. Diese fand Anfang August am Steinhuder Meer bei der Baltischen Seglervereinigung statt. Es nahmen insgesamt 18 Segler und Seglerinnen (7 Franzosen, 11 Deutsche) sowie 4 Betreuer teil, wobei die Segler sehr unterschiedliches Niveau hatten. Bei Franzosen und Deutschen war vom Neueinsteiger bis zum sehr aktiven Regattasegler alles dabei.

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Hervorzuheben ist aber Aurelien, ein 14jähriger Franzose, der in dieser Woche zum ersten Mal mit seiner Europe gesegelt ist. Anfängliche Berührungsängste verflogen schnell. Auf beiden Seiten fand sich jemand, der die jeweils andere Sprache fließend beherrschte und ansonsten wurden die Englischkenntnisse aufgefrischt sowie die Kommunikation mit Händen und Füßen fleißig trainiert. Neben Trainingseinheiten auf dem Wasser machte die Gruppeeinige Ausflüge unter anderem in den Erlebnis-Zoo Hannover (sehr zu empfehlen) und in einen Klettergarten, wo jeder seine Grenzen austesten konnte und Sprachbarrieren schnell überwunden wurden.

DFJB_2015 Klettergarten

Natürlich gehört zu so einer Begegnung auch ein ordentlicher Abschlussabend. Um den interkulturellen Austausch zu fördern, mussten die Teilnehmer diesen vorbereiten und gestalten. Aufgabe war es, gemeinsam eine kleine Tanzchoreographie zu erstellen und diese vor den Betreuern vorzuführen. Dieses gemeinsame Projekt förderte den Zusammenhalt in der Gruppe zusätzlich und es wurde schließlich ein schöner Abschlussabend. Insgesamt war es eine super Woche mit einer hervorragenden Gruppe, die wunderbar zusammengepasst hat. Vielen Dank an alle, die diese Woche den Seglern und Betreuern ermöglicht haben (DSV, FFV, DFJW, Europe-KV) sowie an die Teilnehmer – ihr seid eine super Truppe gewesen, es hat uns mit euch viel Spaß gemacht und wir sind jederzeit wieder mit dabei. Danke.

Von kleinen und großen französischen Erfolgen

Was ist groß, tief und verändert täglich vier Mal seine Füllmenge?

Der Atlantik.

Wo spricht man diese arrogante, wunderschöne Sprache und ernährt sich angeblich nur von Baguette und Käse?

Genau, in Frankreich.

Und wer ist mittelklein bis mittelgroß, supermotiviert, smart, charmant, aufgedreht und ganz heiß drauf, aufs Wasser zu gehen?

Richtig: Die deutsch-französische Optigruppe 2015!

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Alle Jahre wieder heißt es: Leinen los und neue Anker im Nachbarland auswerfen – um in jeder Hinsicht seinen seglerischen, aber auch persönlichen Horizont zu erweitern.

In diesem Jahr waren erneut zehn Optimistensegler in den französischen Segelstützpunkt in Quiberon/Bretagne eingeladen, um dort eine Woche mit zehn Franzosen zu trainieren und danach bei der nationalen Jüngstenmeisterschaft gegen sie anzutreten.

Großzügig unterstützt vom deutsch-französischen Jugendwerk schickte der DSV in den ersten zwei Juliwochen wieder Mitja Meyer und Charlotte Metzger (beide waren schon zwei Jahre zuvor in den Löwenkäfig gelassen worden) auf große Fahrt mit den Optimisten und ihren Seglern aus ganz Deutschland. Anna Rieckhof, Jonathan Steidle, Julian Sensch, Luise Bock, Max Körner, Monticha Busch, Niklas Vieth, Silas Mühle, Sophie und Theresa Steinlein hatten sich bei der WM/EM-Ausscheidung für den französischen Jackpot qualifiziert.

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Où est la mer?

Bei dieser Gruppengröße blieb es aber nicht lange, denn schon kurz nach unserem ersten Aufeinandertreffen mit den französischen Teilnehmern war kaum noch zwischen den Nationalitäten zu unterscheiden. Bei ersten Kennenlernspielen, zum Beispiel der Positionierung des Heimatorts auf einer selbstgemalten Deutschland- bzw. Frankreichkarte („Also so mittig liegt Hamburg jetzt auch wieder nicht!“ „Sieht ein bisschen aus wie ein Ei.“ „Où est exactement la mer?“) oder dem Aufstellen nach Schuhgröße, fiel jede Schüchternheit ab. Und trotz weniger Sprachkenntnisse saßen schon am ersten Abend beim Essen in der Kantine der École Nationale de Voile die Gruppen bunt gemischt zusammen.

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Dieser tolle Anfang einer geglückten Jugendbegegnung bestätigte sich im Laufe der Woche immer mehr: Da lernten die deutschen Kids nicht nur ein paar mehr oder weniger nützliche Worte der französischen Sprache, sondern tauchten in jeder Hinsicht in die Kultur ein. Beim Autofahren wurden die Lieblingslieder der französischen Kollegen bald auch von den Deutschen, wenn auch schief, mitgesungen. Das Dessert, wenn es nicht auf dem Boden oder in Gesichtern landete, war bald durch Käse ersetzt. Und sogar nachdem tagsüber die bretonische (Segel-)Gegend erkundet worden war, wurden am Abend noch deutsch-französische Manöver der Unruhestiftung ausgeheckt. Da gab es an den Fenstern schon das ein oder andere Spektakel für die Trainer zu bewundern und jedem tat der Bauch vom Lachen weh.

 Freundschaft franco-allemande

Langweilig konnte es zum Glück nie jemandem werden, denn die Bretagne versteckt viele tolle Abenteuer. In Lorient zum Beispiel konnten wir in die große Segelluft hineinschnuppern und über die gleichen Planken laufen wie die Teilnehmer des Volvo Ocean Race. Oder uns im Hochseesimulator durchschütteln lassen. Der Bildungsauftrag kam natürlich, wie könnte es anders sein mit Mitja und Charlotte, ebenfalls nicht zu kurz und ein Schifffahrtsmuseum, die Menhirstein-Formationen von Carnac und gefühlt unzählige Lektionen über die Gezeiten und das Wetter standen auf dem Programm. Und der ein oder andere Abend wurde durch Sonnenuntergänge an der Côte Sauvage, der „wilden Küste“ der Halbinsel Quiberon, zu einem ganz besonderen Erlebnis.

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Neben all‘ dem Kulturprogramm ließen wir auch den Wassersport nie aus den Augen und mindestens einmal am Tag ging es in den großen Kampf mit dem Atlantik: Egal ob mit dem treuesten Weggefährten namens Opti, bei Flaute mit StandUp-Paddleboards oder beim Yachtsegeln auf Beneteaus 7.0, die französischen und deutschen Segler zeigten immer wieder, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihres Segelkönnens liegen. Wer hätte schon gedacht, dass die französischen Segler „ihre“ Wellen so ganz anders abreiten als die deutschen Ostsee- und Starnberger-See-Helden.

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Beim Beneteau-Segeln musste die Gruppe unter vielen Protesten in deutsche und französische Teams getrennt eingeteilt werden. Denn eine gute Kommunikation ist beim Kielschiffsegeln eben doch das Wichtigste, schließlich wäre es bei 15 Knoten Windstärke nicht immer ratsam, das Manöver erstmal mit Händen und Füßen erklären zu müssen (dieser Punkt hätte übrigens auch vom Trainer berücksichtigt werden sollen und hätte Mitja ein kurzes Bad im kalten Meer und das tagelange Lachen der Schützlinge erspart). Auch am Abend bei gemeinsamen Fußballspielen war die Gruppe nicht auseinander zukriegen und „unsere Franzosen“ waren schon ziemlich bald stolz darauf, sich bei den anderen Trainingsmannschaften als Teil der Allemands vorstellen zu dürfen, denn wir waren mit Abstand die Lässigsten.

 Erfolg macht sexy

Diese Coolness mag vor allem daran liegen, dass die Regatta in der zweiten Woche, nach dem Jugendsegelaustausch, für die deutschen Segler keinerlei Ranglistenfaktor hatte und somit eher just for fun angegangen werden konnte.

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Doch gerade diese Entspannung bringt meistens die größten Erfolge hervor und so dauerte es nicht mal wenige Stunden, da war dem restlichen Optifeld schon klar, mit wem sie sich hier messen mussten: Vor allem bei den Mädchen dominierten unsere fünf Ladies kontinuierlich ihre Atlantik-Konkurrentinnen und ließen sich auch nicht von Black-Flag, extremen Ebbe- und Fluttendenzen oder fünf Beaufort aus der Ruhe bringen. Les mecs allemands ließen sich natürlich auch nicht an der Nase herumführen und zeigten immer wieder, was sie drauf haben. Selbst wenn es mal nicht so gut lief, so konnte die bunte Kriegsbemalung jedes Gemüt wieder aufheitern.

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Die Naturgewalten waren auch in diesem Jahr der größte Gegner, denn wir hatten während der Meisterschaft mit einem besonders hohen Koeffizienten, der extreme Gezeiten verursachte, zu kämpfen und in jedem Lauf mussten neue Taktiken ausgeklügelt werden. (Das schien so sehr zu beeindrucken, dass laut Elternberichten oft die einzigen Bilder vom Atlantik der leere bzw. sehr gut gefüllte Strand waren. Für so einen Bayer ist Ebbe eben doch mal was ganz anderes!).

Verzweifelte Extremschläge über links oder rechts wurden da genauso geboten wie haarsträubend enge Tonnenrundungen oder Steuerbord-Starts. Vor allem das Long distance race verlangte einiges an Strategie: Bei den langen Kursen, die die Kleinsten über die ganze Bucht von Quiberon schickten, war Mut gefragt um dem Feld nicht nur hinterher zusegeln, sondern auch Plätze gut zumachen. Doch wie könnte es auch anders sein, auch diese Herausforderung wurde mit Bravour gemeistert und machte Spaß („Da fühlt man sich mal wie ein richtiger Seefahrer!“).

Egal, ob Kommunikationsprobleme mit den Konkurrenten in der Startphase, genervte Franzosen angesichts der super deutschen Platzierungen, Flaute oder drei Wettfahrten bei Hack, am Ende des Tages war einfach immer die größte Errungenschaft, es geschafft zu haben.

Denn wer kann schon in diesem Alter von sich behaupten, mal so richtig bei Welle und Wind über den Atlantik geheizt zu sein?

Spätestens, als dann bei der Siegerehrung Niklas ein Mikrofon in die Hand gedrückt wurde und er als Drittplatzierter in perfektem Französisch ein paar Sätze sagte, wurde auch den Zweiflern im Publikum klar, wie toll der diesjährige Segelaustausch geglückt war.