Alles über Fouling/Antifouling auf einen Blick

Die Auswahl des richtigen Verfahrens zur Vermeidung oder Entfernung des Bewuchses am Unterwasserschiff hängt u.a. entscheidend von den Bewuchsverhältnissen am Liegeplatz und im Revier ab.

Wassersportler bemühen sich stets um größtmögliche Schonung der Umwelt. So auch beim Thema „Bewuchs am Boot“. Je zuverlässiger der zu erwartende Bewuchs für das jeweilige Revier vorausgesagt werden kann, desto leichter fällt die Auswahl des wirksamsten und zugleich umweltschonendsten Verfahrens.

Um Seglerinnen und Seglern bei der Lösung dieser Frage zu unterstützen, hat das Hamburger Unternehmen LimnoMar, eines der weltweit führenden Institute im Bereich Fouling/Antifouling, in Kooperation mit dem Deutschen Segler-Verband eine Internetseite online gestellt. Diese enthält u.a. in einer Bewuchsdatenbank zahlreiche Informationen über die Bewuchsverhältnisse in Süß- und Salzwasser sowie über Bewuchsschutz aller Arten.

Die Informationen finden Sie unter www.bewuchs-atlas.de.

LimnoMar ist ein langjähriger Projektpartner des Deutschen Segler-Verbandes. Von 1997 bis 2001 wurde gemeinsam die Aktion „Bewuchs vermeiden + Bewuchs entfernen = Umwelt schützen“ durchgeführt. An dieser Aktion haben zahlreiche DSV-Vereine teilgenommen. Durch Aushängen von Platten in den Häfen wurde der Bewuchsdruck ermittelt und darauf basierend eine umweltfreundliche Antifouling-Empfehlung durch LimnoMar abgegeben. Die dabei gesammelten Daten der Bewuchsverhältnisse in deutschen Binnen- und Seegewässern sind zusammen mit den entsprechenden Empfehlungen die Grundlage für den Bewuchsatlas.

Unterwasseranstriche-Fristverlängerung

Nach Inkrafttreten der EU-Biozidrichtlinie dürfen in Zukunft nur noch Antifoulinganstriche verwendet werden, deren Wirkstoffe registriert und in den Annex 1 (Positivliste) aufgenommen wurden.

Folgende Biozide Wirkstoffe in der Produktart 21 „Antifouling“ werden derzeit im Rahmen des EU-(Alt)Wirkstoffverfahrens nach Biozid-Richtlinie 98/8/EG in Hauptgruppe 4 (sonstige Biozidprodukte) erfasst und bewertet:

  • Tolylfluanid
  • Kupferthiocyanat
  • Kupfer(II)-oxid
  • Kupfer
  • Zineb
  • DCOIT
  • Cybutryne (Irgarol)
  • Zinkpyrithion
  • Kupferpyrithion
  • Dichlofluanid
  • Tralopyril
  • Medetomidine

Das aktuelle EU-Wirkstoffprogramm, nach dem die Wirkstoffe der Produktart 21 bewertet werden, sollte bis 14. Mai 2014 abgeschlossen sein. Auf die erheblichen Verzögerungen bei der Umwelt- und Gesundheitsbewertung biozider Wirkstoffe innerhalb der EU hat die Europäische Kommission nunmehr reagiert und mit geänderter Verordnung (EU) Nr. 528/2012 eine Verlängerung des Arbeitsprogrammes bis 31. Dezember 2024 beschlossen.

Mit dieser Fristverlängerung  können weitere Verzögerungen bei der tatsächlichen Produktzulassung eintreten. Es gilt jedoch auch hier, dass, solange sich die betreffenden Wirkstoffe noch in der Bewertung befinden, die jeweiligen Produkte weiterhin auf dem Markt verbleiben können.

Den aktuellen Stand der EU-Bewertung von bioziden Wirkstoffen können Sie unter folgenden Links einsehen:

Stoffe, die bereits im Anhang-I Biozid-Richtlinie 98/8/EG sind: http://ec.europa.eu/environment/biocides/annexi_and_ia.htm

Stoffe die nicht in den Anhang-I der Biozid-Richtlinie 98/8/EG aufgenommen wurden:
http://ec.europa.eu/environment/biocides/pdf/list_dates_product_2.pdf

Ausführlichere Informationen zur Verkehrsfähigkeit einzelner Produkte in Deutschland können sie auf folgenden Internetseiten finden:

https://www.biozid-meldeverordnung.de/offen/.

http://www.bewuchs-atlas.de/index.php?option=com_content&task=view&id=72&Itemid=32

Hamburg, 18. September 2013

Unterwasseranstriche – Alternativen zu biozidhaltigen Antifoulings

Die Verwendung von biozidhaltigen Unterwasseranstrichen ist nach EU-Biozid-Verordnung bis Mai 2014 verlängert worden. Durch Verzögerungen bei der Wirkstoffprüfung wird laut Auskunft des Umweltbundesamtes eine weitere Verlängerung geprüft.
Dennoch wird nach biozidfreien Alternativen gesucht. Einige der Projekte mit unterschiedlichen Ansätzen möchten wir Ihnen vorstellen:

Zur Wirksamkeit nanobasierter Anstriche liegt eine Untersuchung des Labors für limnische, marine Forschung „Limnomar“ im Auftrag des Umweltbundesamtes vor (Texte 40/2010, Umweltbundesamt) vor, in der unter anderem auch Produkte für den Sportbootsektor kurz beschrieben werden. Die Untersuchung kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit der ersten Generation der Nanoprodukte für den Sportbootbereich nicht ausreichend ist und nicht als Ersatz für die biozidhaltigen Unterwasseranstriche dienen kann. Es sind jedoch sehr viele Produkte in der Entwicklung, sodass mit einer Verbesserung der Wirksamkeit gerechnet werden kann.

An der Universität Mainz (W. Tremel) ist ein Anstrich entwickelt worden, der durch Einsatz von Vanadinpentoxid-Nanopartikeln (V205) aus im Seewasser enthaltenem Bromid und Wasserstoffperoxid (entsteht durch Sonneneinstrahlung unterbromige Säure ) in geringer Menge erzeugt. Diese ist für Organismen hochtoxisch, entsteht aber nur am Rumpf und ist daher für Nichtzielorganismen kaum schädlich. Das Vanadinpenoxid wirkt dabei als Katalysator und verändert sich selbst nicht. Nachteil: Für den Binnenbereich nicht geeignet.

Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) untersucht Th. Schimmel in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bonn und Rostock Möglichkeiten, den „Salvinia-Effekt“ zur Verhinderung von Bewuchs an Unterwasserflächen zu nutzen. Der Schwimmfarn Salvinia molesta hält durch seine besonders strukturierte Oberfläche einen dünnen Luftfilm an seiner Oberfläche fest und verhindert so eine Benetzung. Dies wird in Karlsruhe durch Nanopartikel, welche sowohl wasserabweisende als auch wasserfreundliche Eigenschaften haben, nachgeahmt. Anstriche mit solchen Nanopartikeln geben Organismen keine Chance, sich an der Oberfläche festzusetzen.

Ein weiterer Ansatz ist der Einsatz von Ultraschallgeräten. Sie können entweder an der Innenseite des Rumpfes oder an Steganlagen befestigt werden und sollen einen Bewuchs verhindern. Nachteil: Diese Geräte sind teuer und es wird eine Stromquelle benötigt.

Die Firma Bernd Christof in Bremerhaven hat eine mobile „in Water“ Waschanlage entwickelt. Zusammen mit der Farbfirma Wohlert, die einen harten Epoxy-Unterwasseranstrich herstellt, sollen Boote nach dem Prinzip der Autowaschanlagen im Wasser vom Bewuchs befreit werden können. Das Vorhaben wird auch von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Weitere Infos unter: http://www.dbu.de/media/1403111141573lmn.pdf.

Ist die mechanische Unterwasserreinigung eine Alternative zum Einsatz von Anitfoulings? Dieser Frage gingen am 12. März 2011 im Haus der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück mehr als 30 Experten von Behörden, Umweltschutzverbänden sowie Farb- und Geräteherstellern nach. Gemeinsam mit Vertretern des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) und des Deutschen Motoryachtverbandes (DMYV) diskutierten sie über den Einsatz von Unterwasser-Reinigungssystemen für Sportboote. Die beiden Wassersportverbände hatten zusammen mit dem Hamburger Forschungsinstitut „LimnoMar“ zu dem Fachforum eingeladen, um neue Möglichkeiten zu erörtern, Bootsrümpfe ohne den Einsatz von biozidhaltigen Anstrichen bewuchsfrei zu halten.

Als Fazit des Fachforums lässt sich festhalten, dass die Unterwasserreinigung von Bootsrümpfen im Interesse des Umweltschutzes und aufgrund der internationalen Tendenz der Gesetzgeber zu weniger biozidhaltigen Bewuchsschutzsystemen zukünftig eine größere Rolle spielen wird. In der gewerblichen Schifffahrt etabliert sich diese Methode bereits. Für den Sportbootbereich sind jedoch noch erhebliche Anstrengungen der Farbhersteller, der Geräteentwickler und nicht zuletzt des Gesetzgebers erforderlich, bevor die Unterwasssereinigung zur praktikablen Alternative zu biozidhaltigen Antifoulings werden kann. Die einzelnen Referate stehen auf der Webseite der DBU zur Verfügung.

Die beschriebenen Alternativen zeigen, dass intensiv nach Möglichkeiten gesucht wird, auf den Einsatz von Bioziden zu verzichten.

Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Hamburg, 06. März 2013