Handicap-Formeln

Als ursprünglichste Form des Mannschaftssports prägt das sportliche Segeln auf seegehenden Yachten seit Jahrzehnten Generationen von Seglern und lehrt Zusammenhalt, Kameradschaft und Seemannschaft. Charakteristisch für das Seesegeln ist der Umstand, dass Crews sich mit unterschiedlichen Yachten messen. Regattayachten als Ausdruck individueller Vorstellungen und technischer Möglichkeiten variieren dabei in Form, Größe und Konzept.

Um den sportlich fairen Wettstreit mit Yachten unterschiedlicher Größe und Art zu gewährleisten, bedarf es folglich eines Systems, das unterschiedliche Yachten vergleichbar macht. Auf deutschen Regattabahnen haben Segler die Wahl zwischen drei Ausgleichs – und Vermessungssystemen. Allen Systemen gemein ist dabei die Funktionsweise, wonach die theoretische Leistungsfähigkeit einer Yacht in einen numerischen Wert umgewandelt wird. Der so entstandene Handicap-Wert gibt Aufschluss darüber, wie schnell eine Yacht theoretisch sein kann.

Neben dem empirisch ermittelten Yardstick (YS) kommen auf deutschen Seeregatten vor allem die wissenschaftlichen Vermessungssysteme ORC Club (ORCc) und ORC International (ORCi) zum Einsatz. Während der Yardstick-Wert basierend auf einem vom DSV vorgeschlagenen Grundstandard von Revier zu Revier gemäß empirischer Beobachtungen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit von Yachten variieren kann, liegt der Berechnung des ORC-Rennwerts ein komplexes, wissenschaftliches Verfahren zu Grunde.

So handelt es sich sowohl bei ORC Club als auch bei ORC International zunächst um Formeln, die mit Hilfe eines mathematischen Programms, dem sogenannten Velocity Prediction Program (VPP), eine Prognose über die Geschwindigkeit einer Yacht bei unterschiedlichen Bedingungen abgeben.

Der so ermittelte Rennwert wird zur Bestimmung der berechneten Ergebnisse herangezogen. Hierzu wird die gesegelte Zeit – stark vereinfacht gesprochen – mit dem Rennwert gegengerechnet. Am Ende einer Wettfahrt gewinnt die Crew, welche die schnellste berechnete Zeit ersegelt hat. Auf diesem Weg hat theoretisch jedes Team die gleiche Chance eine Wettfahrt zu gewinnen, solang die Crew das Leistungspotential einer Yacht optimal ausschöpft.